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Schweiz WOZ-Chefin Boos: «Zu wenig Frauen im Polit-Journalismus»

Die erste Chefredaktorin des «Blick» muss gehen: Andrea Bleicher verlässt das Unternehmen per sofort. Nun stösst mit René Lüchinger wieder ein Mann an die Spitze. Susan Boos leitet die «WOZ». Sie bedauert die Dominanz der Männer und sagt, warum es Frauen in hohen Funktionen schwer haben.

SRF: Wie reagieren Sie darauf, dass Andrea Bleicher nicht berücksichtigt wurde?

Ich würde es wirklich schätzen, wenn es mehr Frauen in leitenden Funktionen in Medienhäusern gäbe. Man kennt alle und kann sie an einer Hand abzählen. Meistens bleiben sie nicht sehr lange. Oft kommt bei Frauen Kritik hoch, die bei Männern nicht kommen würde.

Sie wünschen sich mehr Frauen, weil es dann auch für Sie einfacher würde.

Ich glaube, es würde für Frauen allgemein einfacher. Wir haben zum Beispiel immer etliche Mühe, Frauen zu finden, die bereit sind, über Politthemen zu schreiben. Es ist viel einfacher, Frauen zu finden, die über Kulturthemen oder soziale Themen schreiben. Frauen sind sehr zurückhaltend, wenn es darum geht, über das Bundeshaus zu berichten. Frauen trauen sich das nicht zu. Männer schon. Frauen muss man dazu motivieren.

Ein Porträt von Andrea Bleicher.
Legende: Hatte die Leitung beim Blick interimistisch inne: Andrea Bleicher. Keystone

Über Andrea Bleicher tauchten in der Presse auch Geschichten über ihr Privatleben auf, weil sie ihre Kinder nur an den Wochenenden sehe. Auf eine Frau scheint man kritischer zu schauen.

Das ist sehr typisch. Man kann bei Andrea Bleicher sehr viel Kritik anbringen. Sie ist aus meiner Sicht keine progressive Journalistin. Aber da werden Kritikpunkte angebracht, die man bei einem Mann nie hören würde. Frauen müssen sehr viel mehr «Superwomen» sein. Kinder kann man schon fast nicht mehr haben in einer solchen Funktion. Es würde nie thematisiert, dass der Mann seine Kinder der Frau überlässt. Es kommt sofort dieser unterschwellige Vorwurf, dass sie eine Rabenmutter sei. Das finde ich ziemlich seltsam.

Warum haben es Frauen schwerer?

Es gibt ohnehin nicht viele Frauen, die im Polit-Journalimus aktiv sind. Meistens kommen die Chefredaktoren aus dem Bereich. Daher ist die Auswahl sehr viel kleiner. Frauen fühlen sich in diesem Bereich nicht so wahnsinnig wohl. Man muss sich entscheiden: Will man Journalismus oder Management betreiben? Chefredaktoren haben inzwischen sehr viele Management-Aufgaben und müssen Budgets einhalten. An diesen Aufgaben sind gute Journalistinnen nicht sehr interessiert.

prus;brut

Susan Boos

Susan Boos
Legende: SRF

Redaktionsleiterin der «Wochenzeitung» WOZ.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Agnes Sommer, Poland
    Uh, was? Es gibt weniger Frauen, die politische Beiträge schreiben wollen (Zitat "Wir haben zum Beispiel immer etliche Mühe, Frauen zu finden, die bereit sind, über Politthemen zu schreiben"), und dann wundert man sich, dass es weniger Frauen gibt, die politische Beiträge schreiben? Ich hätte eine Idee wieso das so ist.
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  • Kommentar von Dimitri Spiess, Buchs
    Bei der Einschätzung über die Fähigkeiten der verschiedenen Geschlechter bildet jede/r über die Jahre eigene Werte und Kriterien, welche nicht verallgemeinert werden dürfen. Ich habe gelernt, dass es bei Männern und Frauen verschiedene Charaktere mit unterschiedlichen Fähigkeiten gibt. Beide können einfühlsam sein, beide können führen! Politik ist noch immer vorwiegend eine Männerdomäne, was sich nur langsam ändert. Diese Entwicklung gilt es nun auch im Journalismus weiterzuverfolgen!
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  • Kommentar von M. Hufschmid, Kt. Zürich
    Schauen Frauen durch eine andere Brille in die Welt? Was ich im täglichen Leben mitbekomme ist geanu umgekehrt. Frauen werden auf der ganzen Linie beforzugt. Sie werden bei Bewerbungen wo 1 Frau gegen1 Mann steht beforzugt. Frauen werden genommen Männer abgesagt. Frauen scheinen offensichtlich doch nicht die besseren Männer zu sein wie es uns die Welt seit langem eintrichtern will. In der Wirtschaft muss gewirtschaftet werden und wenn das Ziel nicht erreicht wird ist man draussen ob Frau o Mann
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Sie pauschalisieren, M Hufschmied. Leiten Sie von Ihren eigenen Erfahrungen ab? Da könnte es schon sein, dass Ihre Nebenbuhlerin aus rein sprachlichen Gründen bevorzugt wurde. Arbeitgeber erteilen Bewerbern leider oft unbegründet eine Absage. Deshalb erfahren Jobsuchende nicht, weshalb man sie nicht will, können sich demzufolge auch nicht dazulernen.
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