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Würdiges Sterben vorbereiten Wer soll über Leben und Tod entscheiden?

Über den Tod bestimmen, sei am Ende oft nicht mehr so wichtig, sagt eine Studie. Es brauche neue Patientenverfügungen.

Legende: Audio Wer darf über Leben und Tod entscheiden? abspielen. Laufzeit 03:41 Minuten.
03:41 min, aus Rendez-vous vom 21.11.2017.

Selber über den eigenen Tod bestimmen zu können, ist wohl die grösste Freiheit des Menschen. Dementsprechend ist die Selbstbestimmung ein wichtiges Recht. Doch eine Nationalfonds-Studie von der Luzerner Zivilrechtlerin Regina Aebi-Müller zeigt, dass der Wunsch, über den eigenen Tod bestimmen zu können, bei vielen Menschen am Lebensende gar nicht mehr so ausgeprägt ist.

Darum fordern die Forscher nun neue Patientenverfügungen. Das Team beschäftigte sich zunächst mit vielen konkreten Fällen und untersuchte, wie die Entscheidungsfindung in den Spitälern abläuft. Konkret ging es um die Frage, wer entscheidet, wenn es um Lebensverlängerung und Sterben geht.

Das Resultat hat Aebi-Müller überrascht: «Die Sterbesituationen sind ausserordentlich vielfältig. Die zentrale Erkenntnis ist, dass die Selbstbestimmung – wie man stirbt – nicht im Vordergrund steht.»

Patientenverfügungen erinnern an Arztserien

Im Erwachsenenschutzgesetz hingegen steht die Selbstbestimmung im Vordergrund. Das sei grundsätzlich nicht falsch, sagt Aebi-Müller.

Aber wo es um die Rechte im Dreieck von Patienten, Angehörigen und Ärzten am Lebensende geht, sei Selbststimmung falsch, sagt Aebi-Müller. «Im Bereich des Sterbens ist es nicht realistisch, dass man selbstbestimmtes Sterben mit gutem Sterben gleichsetzt.» Die Patientenverfügungen zeigen am deutlichsten, was passiert, wenn man zu sehr auf Selbstbestimmung schaut.

Man kann sich nicht darauf verlassen, ob die Patientenverfügung wirklich das wiedergibt, was der Patient in dieser Situation will.
Autor: Regina Aebi-MüllerZivilrechtlerin, Leiterin der Nationalfonds-Studie

Die heutigen Patientenverfügungen läsen sich oft so, als seien sie nach einer Folge aus der Serie «Dr. House» geschrieben worden, sagt die Forscherin. Und dennoch müssen die Ärzte diese Verfügungen befolgen. «Es zeigt sich, dass diese Patientenverfügungen in der Praxis sehr oft nicht valide sind. Man kann sich nicht drauf verlassen, ob das wirklich das wiedergibt was der Patient in dieser Situation will.»

Gesetzliche Vertreter einbeziehen

Deshalb fordert die Spezialistin für Zivilrecht, dass Patientenverfügungen ganz neu konzipiert werden. Sie will von den Formularen, die man allein zuhause ausfüllt, wegkommen und den Hausarzt bei der Vorbereitung hinzuziehen.

Er kann dem Patienten erklären, wie schwierig es ist, in den dynamischen Notsituationen am Lebensende alle wichtigen Informationen rechtzeitig zu bekommen. Darum brauche es den Arzt beim Entwerfen der Patientenverfügung. «Wenn man die Patienten aufklärt, was es konkret bedeutet, wenn sie das Formular ausfüllen, dann entscheiden sie ganz anders. Das zeigen zahlreiche Studien.»

Auch die Abhängigkeiten vom Arzt und den Angehörigen müssten mitbedacht werden, wenn es um den eigenen Tod geht. Zum Beispiel muss genau geregelt werden, wer zuständig ist, falls der Betreffende selbst nicht mehr urteilsfähig ist.

Oft entscheiden die Ärzte

Diesen Vertreter sollte man in die sachliche Vorbereitung einbeziehen. Darum fordert Aebi-Müller, dass auch die Vertretungsrechte besser geregelt werden. Es gebe Patienten, bei denen sei absehbar, dass es zu einer Krise kommen werde: «Eine Art Vertreterverfügung ist ein guter Weg, vorausschauend als Angehöriger festzulegen, wie in der Krise vorgegangen werden soll.»

Das sei auch im Interesse der Ärzte. Denn weil die Informationen von Patienten und Angehörigen oft unzureichend sind, entscheiden noch immer viele Ärzte in den Dramen am Lebensende allein und so, wie sie es für richtig halten. Eine vorausschauende Planung mit verbesserten Patienten- und Vertreterverfügungen könnte den Ärzten helfen, ihre Entscheide mit den Betroffenen besser abzustimmen.

Aebi-Müller ist überzeugt, dass dadurch viele unnötige Behandlungen vermieden werden könnten. Denn der Entscheid, auf eine Behandlung zu verzichten, muss vom Patienten oder ihren Angehörigen kommen.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Fürer (Hans F.)
    Weshalb gibt es eigentlich immer noch anmassende Leute, welche sich berufen fühlen, einen Menschen ausgerechnet beim wichtigsten Entscheid des ganzen Lebens zu entmündigen? Gegen eine vorherige Beratung durch den Hausarzt ist ja nichts einzuwenden, den Entscheid, egal unter welchen Umständen man in Würde sterben möchte, sollte aber jeder unbedingt für sich selbst treffen dürfen, auch wenn das eine Frau Aebi-Müller nicht gut findet.
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Fürchterlich. Muss denn heutzutage alles geregelt werden? Also ob wir nichts besseres zu tun hätten. Ein anderes Land mit so vielen Vorschriften, Verboten und Regeln fällt mir kaum ein, ausser Japan oder Nordkorea vielleicht. Aber so kann man den Menschen auch kontrollieren. Ich wette viele Schweizer wissen gar nicht mehr wie sie ohne einen Vorkäuer leben sollen. Und nochmal: fürchterlich!
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Es sagt doch gar niemand, dass "alles geregelt" werden muss. Es ist einfach so, dass ältere Menschen vor ihrem Tod häufig nicht mehr bei Bewusstsein oder nicht mehr bei Verstand sind. Wenn bekannt ist, was der Patient wünscht oder eben nicht wird das respektiert. Wenn nichts bekannt ist, muss halt irgend jemand anderes entscheiden. Muss ja auch nicht schlecht sein, aber gelegentlich vielleicht nicht das was der Patient gewollt hätte.
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  • Kommentar von Herbert Holliger (H. Holliger)
    Ich stimme Frau Aebi-Müller - aufgrund unserer Erfahrungen in den letzten Monaten vor dem Tod unserer 97-jährigen Mutter vor wenigen Tagen - ganz zu. Auch nach jahrelanger Beschäftigung mit dem Thema 'Patientenverfügung' pflichte ich ihr vorbehaltlos bei: "Man kann sich nicht drauf verlassen, ob das wirklich das wiedergibt, was der Patient in dieser Situation will." Umso wichtiger ist die erwähnte Vorsorgevollmacht, die von den Bevollmächtigten möglichst oft und genau angesprochen werden sollte.
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    1. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      die Vorsorgevollmacht,die Sie ansprechen Herr Holliger, istfast wichtiger als die Patientenverfügung. Dabei können Sie Familienmitglieder einsetzen, die für die Einhaltung der Patientenverfügung, die Aufsicht übernehmen. Es muss aber von einem Anwalt beglaubigt sein. Ich habe gerade jetzt eine meiner Patientenverfügung beigefügt. Formulare zum Ausfüllen kann man auch im Internet runterladen und handschriftlich!! ausfüllen.
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    2. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Nachtrag: www.Erwachsenenschutz.CH. Falls sich jemand interessiert. Wichtig auch für die Kesb, wer Ihre Angelegenheiten regelt.
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    3. Antwort von Herbert Holliger (H. Holliger)
      Danke, Frau Würstner, für Ihre Reaktion, aber von einem Anwalt muss meines Wissens weder eine Patientenverfügung noch eine Vorsorgevollmacht beglaubigt sein. Mit der Unterschrift der beteiligten Personen ist die Rechtsverbindlichkeit absolut gegeben! So haben wir es soeben bei unserer Mutter im Spital erlebt. Der Oberarzt sagte, dass er sich strafbar machen würde, wenn er sich nicht an die Patientenverfügung und das neue Erwachsenenschutzrecht halten würde.
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    4. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Herr Holliger die Patientenverfügung nicht, aber die Vorsorgevollmacht. War gerade letzte Woche bei einem Anwalt, der sie mir beglaubigt hat. Vorher hatte er mir am Telefon noch gesagt, es muss abder handschriftlich sein....ich finde es sowieso schrecklich, dass sogar der Tod noch geregelt werden muss.Aber man könnte ja auch mal einen schweren Unfall haben und mit dem Leben nicht mehr weiter leben möchte. Aber das sind so pers. Angelegenheiten und Entscheide, die jeder allein treffen muss.
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