Sparen bei der Bildung Zahlen lügen nicht – oder vielleicht doch?

  • In mehreren Städten gehen heute Schüler auf die Strassen.
  • Dreh- und Angelpunkt der Schülerdemos ist Luzern. Dort gibt es seit letztem Jahr Zwangsferien, die die Schulen billiger machen sollen.
  • Wird der Rotstift tatsächlich zunehmend bei der Bildung angesetzt?

Von wegen Sparen bei der Bildung: Die Statistik spricht eine andere Sprache. Seit Jahren gibt die Schweiz jedes Jahr aufs Neue mehr aus fürs Lernen. In absoluten Zahlen, aber auch gemessen daran, wofür das Land sonst noch Geld aufwendet. Martin Fischer vom Staatssekretariat für Bildung sagt denn auch:

«  Sparen würde bedeuten, dass man weniger ausgibt. Aber das ist in den meisten Fällen nicht der Fall. »

Martin Fischer
Staatsekretariat für Bildung

Auch im Vergleich mit dem Ausland werde bei der Bildung nicht geknausert: «Wenn man den Daten glaubt, gibt die Schweiz pro Kopf am meisten für Leute in der Ausbildung aus.» Rund 19‘000 Franken sind es in der Schweiz, in Deutschland sind es etwa 11‘500.

Öffentliche Bildungsausgaben im internationalen Vergleich Ausgaben für Bildung im Vergleich zum Bruttoinlandprodukt (BIP) und den öffentlichen Gesamtausgaben (ÖGA) von 2013 (Neuste Zahlen).

Höhere Ausgaben, weniger Leistung

Franziska Peterhans, Zentralsekretärin des Lehrerverbands, widerspricht: Wenn man die Bildungsausgaben einfach summiere, seien die Ausgaben tatsächlich höher. Aber der Auftrag sei heute viel grösser als früher:

«  Gemessen am heutigen Auftrag findet ein Abbau statt. Lehrpersonen, Kinder und Eltern haben die schlechteren Bedingungen als früher. »

Franziska Peterhans
Zentralsekretärin des Lehrerverbands

Die Schule müsse heute mehr bieten, sagt Peterhans: Sie müsse zum Beispiel schwächere Kinder einbeziehen. Dafür bekomme sie zwar mehr Geld, aber eben nicht genug. Die Folge seien weniger Wahlfächer, vollere Klassenzimmer, Zwangsferien. In fast allen Kantonen.

Der Kuchen wird grösser, aber...

Peterhans macht klar: «Wir reden ganz klar von Abbau und nicht von Sparen.» Der Abbau sei sogar noch schlimmer als befürchtet, belaufe sich schweizweit inzwischen auf weit über eine Milliarde Franken.

Mehr Geld für Bildung, weniger für die Volksschule. Das geht durchaus zusammen: Der Kuchen der Bildungsausgaben wird zwar jedes Jahr grösser, aber immer mehr Leute wollen ein Stück davon. Das Resultat: Das Kuchenstück wird immer kleiner.

Es gibt mehr Uni-Absolventen und mehr Bildungsinstitutionen, von Fachhochschulen bis zu pädagogischen Hochschulen. Deren Personal verdient gut, das alles kostet. Auch die Volksschule – deshalb demonstrieren deren Schüler heute.

#KeLoscht auf Bildungsabbau: Die Tweets

Demos in verschiedenen Städten

Ausgehend von Sparübungen in Kanton Luzern rufen Schülerorganisationen heute zu Protestkundgebungen auf. In Luzern, Basel, Zürich, Genf und Aarau gehen Schüler auf die Strasse.