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Erster Tag mit der Zertifikats-Pflicht
Aus Tagesschau vom 13.09.2021.
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Zertifikatspflicht So lief der erste Tag mit der Zertifikatspflicht in der Schweiz

Geimpft, getestet oder genesen: An vielen Orten braucht es seit Montag ein Zertifikat. Eindrücke aus dem ganzen Land.

Seit dem frühen Montagmorgen gilt an vielen Orten die Zertifikatspflicht. Das hat schon in den Morgenstunden für Protest gesorgt. Andernorts lief die Einführung problemlos.

Legende: Kontrollen in einem Hallenbad in Zürich Oerlikon. SRF

Unverständnis im Fitnesscenter – mehr Personal im Hallenbad

Die Kontrollen seien mit einem grossen Aufwand verbunden, sagt die Mitarbeiterin am Empfang des Migros Fitnessparks in Opfikon. «Wir führen viele Diskussionen mit Ungeimpften, die kein Verständnis haben.» Die Mehrheit jener, die am Montagvormittag trainieren, befürworten jedoch die Zertifikatspflicht: «Es gibt keine andere Lösung – da müssen wir durch», sagt eine Frau beim Eingang.

Wir führen viele Diskussionen mit Ungeimpften
Autor: Mitarbeiterin Fitnesspark Opfikon

Bei der Migros Tochter «Activ Fitness», die 86 Studios schweizweit betreibt, ist man der Zertifikatspflicht gegenüber skeptisch. Zwischen 20 und 40 Prozent der Kundinnen und Kunden habe man seit März letzten Jahres bereits verloren, sagt Geschäftsführer René Kalt. «Die Zertifikatspflicht kommt für die Fitnesscenter zum unglücklichsten Zeitpunkt.» Denn im Herbst und Winter verkaufe man normalerweise die meisten Abonnemente. Kalt fordert deshalb, dass der Bund die betroffenen Branchen entschädigt.

Dass es nicht zu langen Wartezeiten beim Eingang kommt, wurde im Hallenbad in Zürich Oerlikon zusätzliches Personal aufgeboten. Bisher liefen die Kontrollen reibungslos ab, sagte der Betriebsleiter der SRF Reporterin vor Ort.

Bei der Mehrheit der Badegäste kommt die Zertifikatspflicht gut an. «Ich fühl mich sicherer, dass nur noch Geimpfte, Getestete und Genesene untereinander sind», sagt etwa eine ältere Frau. «Ich begrüsse das sehr. So gewinnen wir wieder Freiheiten zurück», sagt ein Mann.

Legende: Die Studentinnen und Studenten standen vor dem Hauptgebäude der Universität Bern zusammen im gemeinsamen Protest gegen die Zertifikatspflicht. Keystone

Protest vor der Universität Bern

Rund 30 Personen haben sich am Montagmorgen zu einer spontanen Kundgebung vor der Universität Bern versammelt. Dabei waren Studierende der Universität Bern sowie Unterstützer verschiedener Organisationen. Sie protestierten gegen die Covid-Zertifikatspflicht. Die Hochschulen können zusammen mit den betroffenen Kantonen jeweils selber entscheiden, ob sie eine Zertifikatspflicht einführen wollen. Die Universität Bern hatte letzte Woche mitgeteilt, dass sie derzeit eine Pflicht für alle Veranstaltungen prüfe.

Legende: Hanna Girard/SRF

Schlange vor dem Basler Zoo

Am Eingang des Basler Zoos bildete sich bereits am Morgen eine Schlange mit wartenden Besucherinnen und Besuchern. Dennoch sei die Stimmung ruhig, berichtete eine SRF-Reporterin vor Ort. «Alle Besucherinnen und Besucher zeigen ihr Zertifikat.» Der Zoo hat zudem eine Teststation eingerichtet. Diese ist bis im Oktober gratis, wie es danach weitergeht, will die Zooleitung noch prüfen.

Das Bilden einer Schlange habe wohl eher mit dem schönen Wetter zu tun, sagte Sarah Schnell, Mitglied der Corona-Taskforce des Basler Zoos. Für die Kontrollen waren bei den Eingängen mehr Mitarbeitende des Zoos im Einsatz als sonst.

Legende: Wenig Betrieb in diesem Restaurant in Bern. SRF Augenzeuge

Zertifikatspflicht in Restaurants und Cafés

Wer in ein Restaurant oder Café will, muss ein Zertifikat vorweisen. Auffallend leer war es am Montagmorgen in einem Café in einem Berner Warenhaus. «Hier hat es normalerweise am Vormittag mehr Leute», sagte eine Besucherin. Unklar ist, ob es an der Zertifikatspflicht oder eher dem schönen Wetter liegt.

Auch im Churer Café Patschifig war deutlich weniger los als an einem gewöhnlichen Montag. Am Morgen sei das Café normalerweise gut besetzt, sagt Geschäftsführerin, Sandra Christoffel. Zwischen neun und zehn Uhr kämen jeweils ganze Bürobelegschaften zum Kaffeetrinken vorbei. «Heute war das Café praktisch leer. Einige Gruppen haben uns gesagt, dass einzelne von ihnen nicht geimpft seien und sie deshalb ihren Kaffee irgendwo im Freien trinken», so Christoffel.

Dank der Terrasse herrscht Normalbetrieb.
Autor: Franz Sepp Caluori Café Caluori, Chur

Die Terrasse beim Churer Café Caluori hingegen war um die Mittagszeit gut gefüllt. «Courant normal», sagt der Inhaber Franz Sepp Caluori. Wegen der Terrasse werde er heute kaum etwas von der Zertifikatspflicht merken. Caluori ist auch Präsident des Branchenverbands Gastro Graubünden. Je nachdem, wie ein Restaurant aufgestellt ist, mit oder ohne Terrasse, fokussiert auf Abendessen oder nicht, würden die Gastronomen das neue Regime unterschiedlich spüren. Er rechne mit einer Einbusse von 20 bis 30 Prozent am Anfang. «Nachher wird sich das einpendeln», glaubt Caluori.

Legende: Wirtin Regula Dörig mit ihrem neuen Smartphone. SRF

Smartphonekauf wegen Kontrollen

Die Wirtin des Restaurants Linde in Appenzell, Regula Dörig, hat sich für die Zertifikats-Kontrollen zum ersten Mal in ihrem Leben ein Mobiltelefon gekauft. Sie stelle zwar fest, dass am Montagmorgen weniger Gäste kamen als sonst, jedoch hätten alle Gäste, die da waren, ein gedrucktes Zertifikat mitgebracht. Etwas verunsichert ist die Wirtin, weil bereits mehrere Vereine angekündigt haben, dass sie aufgrund der Zertifikatspflicht bis auf Weiteres nicht mehr kommen würden.

Legende: Weil der ZHB Luzern aktuell das Personal fehlt, um jedes einzelne Covid-Zertifikat zu kontrollieren, gilt vorerst noch Maskenpflicht. Beat Vogt / SRF

In Luzerner Bibliothek erst Stichproben

Von der Zertifikatspflicht betroffen sind auch die Innenbereiche öffentlicher Einrichtungen wie Bibliotheken. Bei der Zentral- und Hochschulbibliothek an der Sempacherstrasse in Luzern wird seit Montag auf einem Infoscreen und mit Plakaten beim Eingang darauf hingewiesen. Der Direktor Benjamin Flämig ergänzt, dass sie anfangs nur Stichproben machen werden, da ihnen aktuell das Personal fehle, um jedes einzelne Zertifikat zu überprüfen. Deshalb gelte vorerst eine zusätzliche Maskenpflicht. Ab nächster Woche stehe dann zur Kontrolle der Zertifikate zusätzliches Security Personal zur Verfügung.

Auch sonst ist Flämig nicht wirklich zufrieden mit der neuen Regelung. Er erachte es als fragwürdig, dass Bibliotheken als öffentliche Bildungseinrichtungen ab heute nicht mehr allen Menschen zugänglich seien. «Gerade in diesen anspruchsvollen Zeiten, sind viele Menschen verunsichert. Es wäre schlau gewesen, bei Orten mit zuverlässigen Informationen den Zutritt nicht einzuschränken.»

Quelle: Bundesrat, 08.09.2021 Wo braucht es neu ein Covid-Zertifika t ? Gastronomie drinnen Kultur, Sport und Freizeit drinnen Veranstaltungen drinnen *Ausnahmen: Proben und Trainings in fixen Gruppen (max. 30 Personen), religiöse Veranstaltungen, Veranstaltungen der politischen Meinungsbildung und Selbsthilfegruppen (max. 50 Personen). Discos und Tanzlokale Freizeitbetriebe Casinos Musik- und Theaterproben Private Anlässe auswärts (z.B. Hochzeitsfeste) Trainings Restaurants und Bars Museen und Bibliotheken Fitnesscenter und Sportbetriebe Hallenbäder und Aquaparks Theater- und Kinovorstellungen Konzerte Veranstaltungen mit mehr als 1‘000 Personen Sportanlässe Zoos Grossveranstaltungen draussen Arbeitsplatz Hochschulen Arbeitgeber dürfen das Zertifikat unter Umständen und nach Konsultation der Arbeitnehmenden in ihr Schutzkonzept integrieren. Über eine Zertifikatspflicht entscheiden die Kantone und Hochschulen.

HeuteMorgen, 13.9.2021, 6:00 Uhr

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245 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Kotthaus  (Alcheringa)
    Ich finde es ein Unding das nun die Hochschulen nun die Studierenden der Art unter Druvk setzten nur noch einen Zugang mit Zertifikaten zu erlauben! Der Zugang zu Bildung muss auch ohne Zertifikat erhalten bleiben! Die ETH verlangt dazu noch einen sehr teuren PCR Test.
    Das gleicht einem Impfzwang den alle Politiker bisher ausgeschlossen haben!
    Auf das Restaurant kann man verzichten, aber nicht auf Beruf und Bildung.
    Ich bin bei den Protestierenden Studenten.
    1. Antwort von Dominic Müller  (Domi3)
      Ist die Selbstbezahlung bei Tests nicht auf den Freizeitbereich beschränkt? Ich dachte, bei der Arbeit müsse der Arbeitgeber die Tests bezahlen?
  • Kommentar von Rolf Gisler  (Rolfgi)
    Seit März 2020 habe ich mich, ausser Job, von dieser Gesellschaft zurückgezogen. Ich brauche sie schlicht und einfach nicht mehr. Ich kann kochen, meine Weinkeller ist gut assortiert, Fitness gibt es in der Natur und Kultur liefert mir das Internet in bester Qualität auf den Grossbildschirm. Ist es mir nach Gesellschaft, lade ich meine Familie zum Essen ein. Aber die Masse der Gesellschaft brauche ich definitiv nicht mehr!
  • Kommentar von Bruno Schelker  (4435Lord)
    Auch Politiker, National -, Ständerat -, Landrat usw. sollten Zertifikate vorweisen müssen und Tests selber berappen. Sonst kommen sich die Normalbürger verarscht vor.