Zu viele Ausfälle und Störungen – SBB verfehlt Jahresziele

Die SBB hat in der Infrastruktur letztes Jahr nur fünf von 15 vereinbarten Zielen erfüllt. Bezüglich Sicherheit erhielt sie zwar gute Noten, mehrere Vorgaben zur Produktivität verfehlte sie jedoch. Verkehrspolitiker von links bis rechts zeigen sich besorgt.

Zug fährt an Baustelle vorbei.

Bildlegende: Die Schienenfehler sind 2014 deutlich höher ausgefallen als eingeplant. Keystone/symbolbild

Die SBB hat 2014 in der Infrastruktur nur gerade einen Drittel der vorgegebenen Ziele erreicht. Dies geht aus einem unveröffentlichten Bericht über die Leistungsvereinbarung zwischen SBB und dem Bund hervor, über den die «NZZ am Sonntag» berichtete. Die SBB bestätigte die Angaben.

Die Betriebskosten und der Unterhalt des Bahnnetzes kosteten demnach mehr als geplant. Zudem mussten die Passagiere zu häufig wegen Unterhaltsarbeiten auf einen Bahnersatzbus umsteigen: Die SBB setzte auf etwa 0,8% der gefahrenen Kilometer aus diesem Grund Busse ein und verfehlte den Zielwert von 0,19 Prozent damit deutlich.

Auch bei den Schienenfehlern konnte die SBB die Zielvorgabe nicht einhalten: Statt maximal 1489 verzeichnete sie vergangenes Jahr fast 5000 Schienenfehler. Die Kosten für die Erneuerung eines Meters Trassee lagen mit 1808 Franken ebenfalls höher als angepeilt (1486 Franken).

«  Wir können dieses Fass ohne Boden nicht weiter offen lassen. »

Ulrich Giezendanner
SVP-Nationalrat

SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner will dies nicht hinnehmen – er fordert das strikte Einhalten der Zielvorgaben. «Wenn man die Ziele nicht erreicht, dann muss man Massnahmen treffen», sagt Giezendanner. «Es kann sein, dass gewisse Züge gestrichen werden müssen.» Möglich sei auch, dass Strecken geschlossen werden müssen, wo man auf Busse umstellt. «Das ist für mich alles denkbar. Aber wir können dieses Fass ohne Boden nicht weiter offen lassen.»

SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher will nun Antworten von der SBB: «Ich erwarte, dass das Management ganz klar dokumentiert, weshalb diese Ziele nicht erreicht wurden und wo es Verbesserungsbedarf sieht.» Sparmassnahmen auf dem Buckel des Personals und der Sicherheit werde die SP aber nicht akzeptieren.

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SBB verpasst Ziele

0:45 min, aus Tagesschau am Mittag vom 16.8.2015

Zu ehrgeizige Ziele gesetzt

Die SBB erklärte das schlechte Abschneiden damit, dass die Ziele in den Jahren 2009 und 2010 vereinbart worden waren, als man noch nicht gewusst habe, wie gross der Nachholbedarf beim Netz effektiv sei. Einige Ziele hätten sich daher als zu ambitiös erwiesen. Verglichen mit anderen Bahnunternehmen sei die Situation der SBB aber gut.

Gute Noten gab es für die SBB bezüglich der Sicherheit. Lediglich einen Zusammenstoss verzeichnete die SBB vergangenes Jahr – das ist das beste Ergebnis seit der Einführung der Leistungsvereinbarungen. Auch gab es nur eine Entgleisung.

Die Leistungsvereinbarung garantiert der SBB für Betrieb und Unterhalt des Netzes zwischen 2013 und 2016 total 6,6 Milliarden Franken. SBB und Bundesamt für Verkehr (BAV) verhandeln derzeit über die Leistungsvereinbarung für den Zeitraum 2017 bis 2020.