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Schweiz Zu viele Operationen – Krankenkasse empfiehlt digitale Expertisen

Viele der empfohlenen Operationen seien überflüssig. Das sagt die Krankenkasse CSS. Was tun dagegen? Eine Zweitmeinung einholen vor der OP – das geht jetzt einfacher denn je: nämlich online. Doch dies ist nicht ganz unumstritten.

Legende: Video Ärztliche Zweitmeinungen nun online beziehen abspielen. Laufzeit 3:28 Minuten.
Aus 10vor10 vom 20.05.2016.

Eine Operation birgt immer Risiken. Deshalb sind im Vorfeld wichtige Fragen zu klären. Darunter auch diese: Macht die Operation überhaupt Sinn? Zweitmeinungen können in solchen Fällen Klarheit schaffen.

«Etwa die Hälfte der Personen, die eine Zweitmeinung einholt, verzichtet auf eine Operation und wählt stattdessen eine klassische Behandlungsform», sagt Sandra Djordjevic von der CSS. Sie gehe dabei von Zahlen aus, welche der Versicherung vorliegen. Die CSS ist mit 1,6 Millionen Versicherten eine der grössten Krankenkassen der Schweiz.

Es wird zu viel operiert.
Autor: Jürg SchmidliChefarzt für Gefässchirurgie Unispital Bern

Die CSS setzt deshalb auf ein digitales Angebot: Die Krankenkasse ist Partnerin der Plattform «Meine Zweitmeinung, Link öffnet in einem neuen Fenster». Das Start-Up vermittelt Zweitmeinungen im Bereich Orthopädie und neu auch für Gefässerkrankungen. Patienten laden dabei ihre persönlichen Daten und Akten ins Netz. Einige Tage später erhalten sie eine unabhängige Zweitmeinung.

Patient behält Kontrolle

Der CEO und Mitbegründer der Plattform «Meine Zweitmeinung», Richard Etter, sagt, Zweitmeinungen einholen sei heute mühsam. Das digitale Angebot entspreche dem Patientenbedürfnis. Der Unterschied sei, dass der Weg nicht über die Versicherung führe und damit lange dauere. Die Versicherung habe auch keinen vollen Zugriff.

Screenshot der Homepage meine Zweitmeinung
Legende: Die Versicherung CSS setzt auf Zweitmeinungen im Netz. pd

«Bei uns übernimmt die Versicherung die Kosten, aber der Patient behält die Kontrolle. Er erhält innerhalb von zehn Tagen eine unabhängige fundierte Zweitmeinung, die ihm weiterhilft, und er kann nachher selber entscheiden, was er macht», erklärt Etter.

Vereinfachtes Prozedere spart Kosten

Für eine weitere Expertise reiche mitunter eine Zweitmeinung ohne direkten Patientenkontakt, sagt Jürg Schmidli, Chefarzt für Gefässchirurgie am Inselspital Bern.

Schmidli bietet über die neue Plattform Zweitmeinungen an. Dieses vereinfache die Prozedur und spare Kosten. «Es wird zu viel operiert, doch wir wissen nicht genau, wie viel zu viel operiert wird. Diese Plattform kann ein Regulativ sein, um dies einzudämmen.» Auch Schmidli nennt beeindruckende Zahlen. Er sagt, 30 Prozent der Zweitmeinungs-Patienten verzichteten auf eine Operation.

Persönliche Fragen bleiben auf der Strecke

Zweitmeinungen helfen bei der Entscheidung, ob ein Eingriff wirklich nötig ist. Eine Frage, die mitunter Ärzte beantworten, die den Patienten nie zu Gesicht bekommen. Erfolge die Zweitmeinung elektronisch im Internet, schaffe dies noch mehr Distanz zwischen Arzt und Patient, kritisiert Erika Ziltener von der Schweizerischen Patientenstelle.

Eine elektronische Zweitmeinung schafft noch mehr Distanz zwischen Arzt und Patient.
Autor: Erika ZiltenerPräsidentin Schweizerische Patientenstellen

Kein Persönlicher Kontakt zum Arzt sei zudem heikel. «Viele Fragen entwickeln sich im Gespräch», betont Erika Ziltener. Bei einer elektronischen Zweitmeinung könne man persönliche Fragen nicht einbringen. «Sie werden als Mensch nicht voll wahrgenommen», so Ziltener weiter.

«Es ist sicher nicht das gleiche wie der persönliche Kontakt, es soll auch nicht das gleiche sein», entgegnet Jürg Schmidli. Man wolle dem Patienten nur helfen zu bestimmen, ob er auf dem richtigen Weg ist oder nicht.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Holm (Marty)
    Mal wieder eine Pauschalaussage einer Krankenkasse. Ist denn der Profit der CSS zu gering? Wenn ich eine Operation benötige, dann wird diese auch durchgeführt, deshalb muss ich dafür auch höhere Prämien zahlen, was ich aber in Kauf nehme! Es geht doch nur um die garantierte Grundleistung, welche durch das KKV abgedeckt ist, Nichts Anderes! Wofür gibt es über 60 Kassen, wenn das Konkurrenzdenken keine Verbilligungen bringt??? Eben nur Boni an Nichtbeteiligte!!!
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  • Kommentar von Christoph Heierli (help)
    Hier ein Beispiel: Meine Schleimbeutel Entzündung(Grund-Verletzung) dauerte dreiviertel Jahre.Die Behandlung umfasste mehrere Cortison Injektionen.Nach dieser Zeit war die Entzündung soweit fortgeschritten dass vom Arzt eine Operation verordnet wurde. Nebst dieser kostspieligen Operation, hätte das ganze eine längere Arbeitsunfähigkeit zur folge gehabt. Die alternative Chinesische Medizin(Akupunktur) heilte die Verletzung ohne Cortison in 11 einstündigen Behandlungen völlig aus.
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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
    Die Ärzte, Spitäler, Pharma & Krankenkasse werden uns solange als Kunden behandeln, wie wir uns als Konsument benehmen. Verändern wir endlich unser Verhandeln, und werden wir wieder verantwortungsvolle Patienten. Statt jammern, möge jeder sehen was Er zur Kostenreduktion beitragen kann, dazu bedarf es auch ein wenig Eigenkritik.
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    1. Antwort von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
      Es sollte natürlich Verhalten und nicht Verhandeln heissen ;.)
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