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Billette-App im Test Zuerst fahren, dann bezahlen: Die Zukunft im ÖV?

Die automatische Abrechnung von Reisen wird sich durchsetzen, ist Experte Christian Laesser überzeugt.

Legende: Audio Christian Laesser: «Die App ist schlichtweg bequemer» abspielen. Laufzeit 01:24 Minuten.
01:24 min, aus HeuteMorgen vom 05.07.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • SBB, BLS und Postauto testen eine App, die Fahrten aufzeichnet und erst am Ende des Tages abrechnet.
  • Die Billette-App sorgt für heftige Diskussionen, doch Touristik-Professor Christian Laesser ist überzeugt, dass sie sich bei den Kunden durchsetzen wird.
  • Es brauche allerdings weiterhin auch die bisherigen Systeme, etwa für Kunden mit Datenschutz-Bedenken.
  • Die Zukunft der Zugbegleiter sieht Laesser daher nicht gefährdet, auch wegen der Sicherheit der Fahrgäste.

«Die Billette-App wird sich durchsetzen», sagt Touristik-Professor Christian Laesser von der Universität St. Gallen. Es sei schlicht und einfach bequemer, eine Fahrt automatisch abrechnen zu lassen, als Billette im Voraus an Automaten oder Schaltern zu lösen. «Die App muss einfach sicherstellen, dass der Kunde jederzeit nachvollziehen kann, wofür er wie viel bezahlt.»

Kulanz bei leeren Akkus

Ein Problem ortet Laesser bei den Handy-Akkus. Die App zeichnet die Fahrten in Echtzeit auf, was viel Strom braucht. Wäre der Akku bei einer Kontrolle im Zug oder Bus leer, könnte der Reisende nicht beweisen, dass er die App aktiviert hat.

«Das könnte hinderlich sein, allerdings nur kurz- und mittelfristig, weil die Akkus natürlich auch immer besser werden.» Das Personal der Verkehrsunternehmen müsste daher kulant sein, wie Laesser fordert.

Herkömmliche Billette weiterhin gefragt

Keine Bedenken hat der Verkehrsexperte beim Datenschutz: «Wenn ein Kunde dieses System nutzt, ist er damit einverstanden, dass man verfolgen kann, wohin er fährt.»

Eine Frau bezahlt ein Billett an einem Automat.
Legende: Billett-Automaten soll es weiterhin geben – auch für Kunden, die ihre Reise nicht nachverfolgen lassen wollen. Keystone

Und die Kunden, die nicht wollen, dass die Verkehrsunternehmen detailliert über ihr Reiseverhalten Bescheid wissen?

Trotz der Beteuerungen von SBB, BLS und Postauto, dass der Datenschutz gross geschrieben werde und die gespeicherten Daten beispielsweise nicht an Dritte weitergegeben würden, brauche es für solche Kunden weiterhin alternative Systeme, so Laesser.

Der Touristik-Professor ist überzeugt, dass SBB, BLS und Postauto nicht gleich sämtliche Billett-Automaten abbauen, Schalter schliessen und Zugpersonal entlassen. Gerade auch mit Blick auf die Sicherheit brauche es auch in Zukunft Zugbegleiter.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
    Google, apple und andere verdienen für das Einstellen der app und für jede Finanztransaktion über die apps. Das heisst: Diese 1- 3 % werden die SBB und andere ÖV Anbieter letztlich auf den Bilettpreis draufschlagen. (Ich gehe nicht davon aus, das die Verwaltungsräte diese Beträge von ihren pers. Löhnen bezahlen). Diese Geld muss anderswo eingespart werden (Stellenabbau) und ausländische Grosskonzerne ziehen sehr viel Geld aus dem Land ab ohne eigentliche Leistung für das Land.
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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Wieso soll es schlimm sein, wenn meine Reisedaten aufgezeichnet werden? Warum soll es gar meine Freiheit beeinflussen? Warum soll ich unbequem und unpraktisch hinnehmen, um ein paar Datenschutz-Extremisten zu gefallen? Super Idee und ich würde nichts anderes mehr nutzen. Diese Problemsucherei ist doch kindisch. Google weiss sowieso wie wir uns bewegen, sobald ich Maps auf dem Handy habe. Warum soll ich SBB fürchten?
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    1. Antwort von Martin Steffen (/\o/\)
      @ Harald Buchmann: Bezeichnenderweise kommen Ihre Kommentare aus China?! Das Aufzeichnen von Daten beeinflusst sehr wohl meine Freiheit! Ein Mensch unter ständiger Beobachtung ist niemals frei! Und Google weiss nicht, wie ICH mich bewege - glauben Sie mir! Digitalisierung macht uns gläsern - und Google & Co., Behörden und Kriminelle haben dadurch Zugriff auf gigantische Datenberge! Nur die Gutgläubigen und Bequemen glauben, nichts zu verbergen zu haben - und werden manipuliert und fremdbestimmt!
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  • Kommentar von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
    Gute Idee! Dann können endlich Aktionen, Vergünstigungen, bezahlen mit Reka checks etc gestrichen werden. Ein Preisvergleich wird unnötig, am Abend zahle ich dann einfach, weil ich muss, weils so bequem ist und weil es nur noch einen Preis gibt! Freue Dich du Nutzer des ÖV's. Und über die Bahnhöfe und Schalter die in der Folge geschlossen werden und Stellen die abgebaut werden müssen wir auch nicht debatieren, es ist dann halt so, siehe Post. Wie herrlich bequem wird unsere Zukunft.
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    1. Antwort von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
      Hoffentlich. Ich fürchte das wird wieder Jahre dauern, bis es umgesetzt wird.
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