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Zweiter Streik bei SDA «Wir wollen eine neue Stufe zünden»

Die Belegschaft der Schweizer Depeschenagentur verschärft ihren Kampf gegen den Stellenabbau. Das sagt ihr Sprecher.

Legende: Audio Sebastian Gänger: «Es geht nicht darum, die Journalisten zu bestrafen» abspielen. Laufzeit 3:59 Minuten.
3:59 min, aus SRF 4 News aktuell vom 30.01.2018.

Die Belegschaft der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) ist seit dem frühen Morgen erneut im Streik. Diesmal unbefristet. Die Arbeitsniederlegung betreffe die ganze Redaktion, sagt Sebastian Gänger, Sprecher der Redaktionskommission. Die Geschäftsleitung der SDA hat sich noch nicht geäussert.

SRF News: Wie kam der Entscheid zum erneuten Streik zustande?

Sebastian Gänger: Eine Mehrheit von 124 zu 8 Stimmen bei 6 Enthaltungen hat gestern Abend in Bern entschieden, diesen unbefristeten Streik anzutreten. Wir werden diesen erst niederlegen, wenn Zugeständnisse vom Verwaltungsrat der SDA da sind. Diese Forderung ist neu. Bisher haben wir versucht, mit unserem CEO Markus Schwab das Gespräch zu suchen. Das war erfolglos. Wir fühlen uns nicht ernst genommen. Deshalb wollen wir jetzt eine neue Stufe zünden.

Ein Grossteil des geplanten Stellenabbaus soll schon übermorgen in Kraft treten. Erhoffen Sie sich in dieser kurzen Zeit noch einen Umschwung?

Das ist einer der Gründe, weshalb wir heute in den Streik getreten sind. Am 1. Februar wird ein Grossteil der Kündigungen rechtskräftig werden.

Wir haben nie gesagt, dass wir als SDA ein Biotop sind, das in der Medienkrise ganz ungeschoren davonkommt. Auch bei uns gäbe es sehr wahrscheinlich Sparpotenzial.
Autor: Sebastian GängerSprecher der SDA-Redaktionskommission

Wir wollen, dass noch vor diesem Termin ein Umdenken stattfindet im Verwaltungsrat. Wir wollen mit ihnen diskutieren, wie wir diesen Stellenabbau langsamer und überlegter vollziehen können.

Sie sprechen auch von einem Stellenabbau. Aber in einem anderen Ausmass?

Wir haben nie gesagt, dass wir als SDA ein Biotop sind, das in der Medienkrise ganz ungeschoren davonkommt. Auch bei uns gäbe es sehr wahrscheinlich Sparpotenzial. Der Stellenabbau muss aber überlegt kommen.

Es geht nicht darum, die Journalisten zu bestrafen.

Einfach einen Viertel der Redaktionsstellen zu streichen, ohne Idee, wie das Produkt aussehen könnte und was wir künftig produzieren sollen, geht unserer Meinung nach überhaupt nicht.

Wenn die SDA jetzt vorderhand schweigt, bedeutet das, dass es weniger Agenturmeldungen über die Schweiz gibt. Wie lange werden Sie diesen Streik aufrechterhalten?

Wir haben gestern dafür gestimmt, dass wir diesen Streik unbefristet ansetzen. Bis zum Zeitpunkt, wo wir das Gefühl haben, dass ernsthaft mit uns diskutiert wird. Wir sind uns bewusst, dass das für die Redaktionen teilweise grosse Auswirkungen haben wird. Es wird alle, aber ganz besonders die kleineren Redaktionen betreffen. Aus diesem Grund werden wir im Verlauf des Tages eine Hotline einrichten, mit der wir aktiv auf die Redaktionen zugehen und um Verständnis bitten. Es geht nicht darum, die Journalisten zu bestrafen. Es geht darum, den Verlegern, den Chefs, den Verwaltungsräten zu zeigen, was es bedeuten würde, wenn die SDA einen grossen Teil ihres Dienstes nicht mehr erbringen könnte.

Das Gespräch führte Hanna Jordi.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von A. Moser (AM)
    Liebe SDA-Leute, wacht auf und beginnt, über den Tellerrand hinaus zu denken! Sind Eure Informationen noch gefragt? Nein? dann sucht andere Jobs! Oder Ja? Dann rauft Euch zusammen, gründet eine eigene Firma, kündigt alle zusammen - und arbeitet weiter! Diesmal aber ohne teuren VR, CEO und gierige Aktionäre, sondern z.B. als Genossenschaft! Wenn die SDA nicht mehr liefern kann werden auch die Verträge gekündigt - und ihr steht als Alternative bereit! Die Zeiten ändern sich - auch für die SDA!
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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    @srf: zumindest der Unterschied zwischen einem Relativpronomen und einer Konjunktion sollte den Redaktoren bekannt sein: "Wir haben nie gesagt, dass wir als SDA ein Biotop sind, dass in der Medienkrise ganz ungeschoren davonkommt".
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    1. Antwort von
      Danke für den Hinweis. Wir korrigieren das.
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    2. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      @srf: Danke für Ihr Feedback, aber Korrigieren reicht m.E. in solchen Fällen bei Weitem; das Publizieren solcher Details ist nicht nötig. Anders verhält es sich, wenn durch Typos oder grammatikalische Fehler Missverständnisse und Fehlinterpretationen entstehen können. Meist haben bis zum Eintreffen von Korrekturvorschlägen schon viele Leute den Artikel gelesen.
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  • Kommentar von Roger Eichelberger (Allesroger)
    ... der Arbeiter in der Privatwirtschaft muss für immer weniger Geld mehr Leisten und darf zum Dank mehr Steuern, KK und Miete bezahlen. Da jammern einige auf sehr hohem Niveau!
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