Zum Inhalt springen

Schweiz Zweitwohnungen: Vor Gesetzesänderung gebaut, jetzt leer

Über Jahrzehnte haben die Bergregionen vom Zweitwohnungs-Boom profitiert, nicht zuletzt zur Freude des lokalen Baugewerbes. Doch seit Anfang Jahr ist der Boom wegen der Zweitwohnungsinitiative vorbei, viele Wohnungen in Tourismusregionen stehen leer.

Chalethäuser am Waldrand, zei Baukräne sind ebenfalls zu sehen.
Legende: Der Bauboom in Grindelwald kannte in den letzten Jahren keine Grenzen. Keystone

Die Lage ist perfekt: Mitten in Grindelwald, nahe von Firstbahn und Skipiste, entsteht die grösste Überbauung der Gemeinde im Berner Oberland. «Bergwelt» wird ein Ferienresort im oberen Preissegment. Es besteht aus edlen Eigentumswohnungen und weiter oben am Hang aus exklusiven Villen. Hinzu kommt ein Fünfsternhotel. Alles ist luxuriös im heimeligen Chalet-Stil gehalten.

Millionenteure Wohnungen

Noch arbeiten Handwerker auf dem Gelände. Erst wenige Wohnungen sind verkauft, die meisten sind noch zu haben. Denn sie sind nicht gerade billig, wie Gemeindepräsident Christian Anderegg erklärt. Für eine Wohnung muss zwischen 1,5 und 2,5 Millionen Franken bezahlt werden, die Chalets kosten zwischen 4 und 6 Millionen Franken.

Anderegg steht in seiner blauen Jacke auf dem Balkon einer dieser Wohnungen. Zwar ist die Eiger-Nordwand wegen dicken Nebels nicht zu sehen, doch der Gemeindepräsident kennt die imposante Aussicht bei schönem Wetter. Es sei traumhaft, hier zu stehen und die Bergwelt anzuschauen, sagt er.

Bauboom nach Annahme der Initiative

Er hat als Bauunternehmer am Zweitwohnungsboom der letzten Jahrzehnte in Grindelwald mitverdient. Auch in den letzten zwei, drei Jahren sei das Geschäft noch gut gelaufen, sagt Anderegg. Denn nach der Annahme der Zweitwohnungsinitiative im März 2012 wurden alle Wohnungen, die bereits bewilligt waren, noch rasch gebaut.

Anderegg hat keine Angst, dass diese Neubauten nun keine Käufer finden. «Die werden in den nächsten ein, zwei Jahren verkauft», zeigt er sich zuversichtlich. Und weil die Nachfrage durchaus vorhanden sei, weitere Neubauten aber nicht mehr erstellt werden können, erwartet der Gemeindepräsident und Bauunternehmer tendenziell sogar steigende Preise.

Einheimische wenig begeistert

Anders tönt es bei den Passanten auf der Dorfstrasse: «Zu teuer», «unmöglich für Normalsterbliche», «der Preis ist jenseits» oder: «der Bedarf an solchen Wohnungen wurde wohl überschätzt», heisst es dort auf Nachfrage. Eine Frau sagt, man müsse nun dafür sorgen, dass nicht noch mehr gebaut werde.

Dies findet auch Adi Bohren vom «Verein gegen die masslose Überbauung von Grindelwald». Klar, Grindelwald brauche die Touristen, betont auch er. «Aber alles im Rahmen.» Und dieser Rahmen sei in den letzten Jahren gesprengt worden. «Die Gäste kommen nicht wegen unseren ‹Grinden› (Köpfen) nach Grindelwald, sondern wegen der ‹Schweizness›. Sie wollen auch mal eine Kuhglocke hören oder eine Ziege sehen», ist er überzeugt.

Noch kommen die Gäste nach Grindelwald und einige interessieren sich auch für eine Zweitwohnung. So etwa die Geschäftsfrau aus Malaysia, die sich überlegt, für ihre Kinder ein Ferien-Apartment zu kaufen: «Die hätten sicher Freude», sagt sie. Zumindest den Gemeindepräsidenten würde dies ebenfalls freuen.

Einschätzung von UBS-Immobilienexperte Claudio Saputelli

Einschätzung des UBS-Immobilienexperten Claudio Saputelli
«Der Bauboom in den Tourismusorten ist endgültig vorbei. Man hat kurz vor der Abstimmung zur Zweitwohnungsinitiative damit begonnen, sehr viel zu bauen. Es wurde sozusagen auf Halde gebaut. Doch die Rechnung ist nicht aufgegangen: Es gibt nun ein Überangebot an Ferienwohnungen und -häusern, zudem ist die Nachfrage gegenüber der Situation vor ein, zwei Jahren etwas zurückgegangen. Mögliche Käufer glauben nicht mehr daran, dass die Preise weiter steigen, entsprechend sind sie derzeit sehr zurückhaltend. Zudem haben viele Tourismusorte vor allem das Luxus-Segment vorangetrieben, doch das geht bei der derzeitigen Wirtschaftslage nicht mehr auf. Die Leute sind derzeit sehr zurückhaltend, denn die Preise sind einfach zu hoch. Entsprechend werden die Preise in den nächsten paar Jahren kaum noch steigen. Sie werden eher herunterkommen, damit wieder eine Nachfrage entsteht – oder die Objekte bleiben vorerst leer.»

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von René Balli (René Balli)
    Der Titel: "Doch seit Anfang Jahr ist der Bauboom wegen der Zweitwohnungsinititive vorbei, viele Wohnungen in Tourismusregionen stehen leer" ist widersprüchlich und unsinnig. Dass Wohnungen leer stehen, hat nichts mit der Inititive zu tun, es besteht ganz einfach ein Überangebot und die Betonköpfe wollen es nicht wahr haben, dass sie die Lage falsch einschätzten. Sie wollten die Inititive ausbremsen und haben sich dabei ins Knie geschossen und nun wird gejammert, einfach nur dumm und dämlich.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Paul Grunder (Zimmermeister)
    Baulobby ? Bitte denken und differenzieren. Der Preis hat mit Baukosten nichts zu tun, sondern mit geldgierigen Grundstückbesitzern, Totalunternehmen, Generalunternehmen und Spekulanten. Die Zweitwohnungsinitiative ist gegen diese gerichtet, trifft aber die arbeitende Bevölkerung. Haben sie das schon bemerkt ?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Man hätte nicht so viel verwässern dürfen an dieser Initiative. Das liegt wohl daran, dass Franz Weber die Leitung seinen Frauen abgegeben hat. Es ist sehr anspruchsvoll eine solche Initiative durchzubringen, Franz Weber konnte das, die Frauen nicht. Leider!!! Es brauchte jemand der auch mal "poltern" konnte, gegen die geldgierige Baulobby und die Politiker. Dem Franz Weber müssen wir aber trotz allem einen grossen Kranz winden, für seine Leistung. Keine einzige Partei hat das fertiggebracht!!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen