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Begehrte Fernverkehrsstrecken Zwischen SBB und BLS droht ein Streit bis vor Bundesgericht

Darf die BLS Fernstrecken der SBB übernehmen, will sich SBB-Chef Meyer allenfalls bis vors höchste Gericht wehren.

Legende: Audio «SBB-Chef Andreas Meyer verteidigt Monopol» abspielen. Laufzeit 1:55 Minuten.
1:55 min, aus SRF 4 News aktuell vom 09.09.2017.

Derzeit betreibt die SBB etwa 30 Fernverkehrslinien. Einige davon sind lukrativ, und darum möchte sich auch die Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS) ein Stück vom Kuchen abschneiden. Am Freitag hat sie deshalb ein Konzessionsgesuch für fünf Fernverkehrslinien eingereicht.

Doch davon hält die SBB nichts und wehrt sich dagegen. Sollte die BLS eine Teilkonzession bekommen, schliesst SBB-Chef Andreas Meier einen gerichtlichen Weiterzug bis zum Bundesgericht nicht aus. Das sagte er in der «Samstagsrundschau» von Radio SRF. Für den SBB-Chef ist Konkurrenz für das Schweizer Fernverkehrsnetz eben nicht der Stachel im Fleisch, der mehrere Anbieter zu Bestleistungen im Service treibe.

Das Bahnsystem in der Schweiz bestehe aus einem Drittel profitabler Linien und zwei Drittel unprofitablen, so Meyer. Wenn nun einige gewinnbringende Strecken herausgebrochen und an einen anderen Betreiber vergeben würden, komme das ganze System ins Wanken.

Kunden als Verlierer

Die Bahnreisenden wären, so Meyer, also nicht der Gewinner, sondern unter dem Strich gar die Verlierer. Denn Meyer ist überzeugt, dass die Aufteilung der Fernverkehrsstrecken unter mehreren Betreibern den Kundenservice nicht verbessern würde. Denn BLS und SBB böten denselben Service, mit ungefähr gleichem Rollmaterial zu den gleichen Preisen.

Dennoch schliesst SBB-Chef Meyer eine Zusammenarbeit mit der BLS im Fernstreckenbereich für die Zukunft nicht aus. Ob es allerdings dazu kommt, ist fraglich. Die entsprechenden Verhandlungen in den letzten Monaten liefen auf.

Darum ist der Entscheid, den das Bundesamt für Verkehr bis im Dezember fällen muss nicht nur ein Systementscheid, sondern auch ein Schiedsspruch im Streit der kleinen BLS gegen den Schweizer Bahn-Goliath SBB.

30 Kommentare

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  • Kommentar von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
    Noch nie hat Konkurenz im Markt dem Bürger etwas gebracht. Es wird dann nur noch um Gewinn gestrebt. Was passiert mittel und langfristig mit den Randregionen? Die bringen nie einen Gewinn.Somit werden diese länger je mehr abgehängt, und so zerfällt letztlich die ganze Schweiz.Ich verstehe nicht, wieso der Bund dieses absehbare Risiko so einfach hinnimmt. Wir sind zwar nicht in der EU, wenns um Gewinn für wenige geht übernehmen wir aber die ganzen Fehler dieser EU. Ade stolzes Land der Zugfahrer.
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Selbst wenn beide Firmen konkurrieren, DAS ist keine Konkurrenz. Typisch Schweizerisch nenne die sich zwar Konkurrenten, aber hier geht es einmal mehr um Preisabsprachen und planwirtschaftliche Aufgabenverteilung! In der EU würde die Schweiz als Kartell abgestraft. Wischiwaschi und Vetternwirtschaft, aber kein freier Markt!
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  • Kommentar von Manuel Kunz (Manuel Kunz)
    Dann schauen wir mal auf England. Die Katastrophe brach aus, als Private Eisenbahn - Gesellschaften Fernstrecken bedienten: Zugausfälle, unfreundliche Schaffner und latente Unpünktlichkeit! Nein Danke! SBB, kämpft für eure Fernstrecken! Denn mit der BLS habe ich, im Raum Bern mehrheitlich schlechte Erfahrungen gemacht!
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