Hat da jemand Frankenstärke gesagt?

Der Kaffeemaschinenhersteller Jura gibt sich ob der Frankenstärke wenig beeindruckt. Er setzt darauf, dass immer mehr Menschen guten Kaffee trinken wollen. Selbst wenn sie dafür den Umweg über die Konkurrenz nehmen.

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Jura-Chef Probst: «In unseren Märkten läuft die Konjunktur gut»

6:12 min, vom 5.6.2015

Nicht alle Firmen trifft die Frankenstärke gleich stark. Obwohl Emanuel Probst, langjähriger Chef von Jura, über den Entscheid der Nationalbank erst geflucht hat, ist er für die Zukunft optimistisch. Seine vollautomatischen Kaffeemaschinen werden ihr Publikum finden, sagt er am Swiss Economic Forum.

SRF-Wirtschaftsexperte Reto Lipp: Der Frankenschock ist das grosse Thema am Swiss Econmic Forum. Beschäftigt er auch Sie?

Emanuel Probst: Er beschäftigt uns seit Januar sehr stark, aber wir haben den Vorteil, dass wir uns in einer guten Ausgangslage befinden. Der Markt, auf dem wir unsere vollautomatischen Kaffeemaschinen verkaufen, läuft sehr gut. Dazu haben wir eine starke Bilanz und ein gutes Produkteportfolio.

Dennoch haben Sie geflucht, als Nationalbankpräsident Thomas Jordan den Entscheid bekannt gab, den Franken-Mindestkurs aufzuheben.

Ja, was bleibt einem denn anderes übrig. Aber dann haben wir uns in Erinnerung gerufen, dass wir eigentlich gut aufgestellt sind. Nun ist’s, wie’s ist.

Dann sind Sie Herrn Jordan nicht mehr böse?

Das Problem ist nicht der Euro, sondern der Schweizer Franken, der falsch bewertet ist. Er ist Opfer seines eigenen Erfolgs. Das andere ist die Spekulation. Der Schweizer Franken hat heute sozusagen die Rolle des Goldstandards.

Wie haben Sie auf die Frankenstärke reagiert? Mussten Sie in den Exportmärkten die Preise senken?

Wir haben die Preise in Euro und Rubel angepasst, das war der erste Schritt. Der zweite Schritt ist, dass wir die neuen Produkte, die jetzt herauskommen, in der richtigen Währungsrelation herausgeben.

Ist es bei Jura zu Entlassungen gekommen?

Wir haben zum Glück genug Arbeit und sind voll ausgelastet. In der Schweiz sind bei uns die Entwicklung und das Marketing zentral – diese Arbeit ist wegen der Frankenstärke nicht weniger geworden. Wir haben im Gegenteil mehr Arbeit, weil der Verkauf gut läuft.

Die Nachfrage nach vollautomatischen Kaffeemaschinen ist also gut?

Ja. Der grosse Unterschied zur Frankenstärke von 2011 ist, dass wir in jenen Märkten tätig sind, in denen die Konjunktur gut läuft: In Deutschland brummt die Wirtschaft, das Land ist Exportweltmeister. In den USA sind wir in den ersten fünf Monaten in der Lokalwährung um 25 Prozent gewachsen. Dort kommt uns zugute, dass der Dollar an Wert gewinnt.

Sie haben sich explizit dagegen entschieden, Kapselmaschinen zu verkaufen. Schadet Ihnen das nicht, wo dieser Markt doch am Wachsen ist?

Wir stehen ganz klar für frisch gemahlenen Kaffee. Nun könnte man sagen, Konkurrenz ist schlecht fürs Geschäft. Aber das Kapselsystem hilft uns, das weltweite Bewusstsein für guten Kaffee zu steigern.

Sie hoffen, dass die Leute vom Kapselsystem zu den vollautomatischen Kaffeemaschinen umsteigen?

Es gibt Leute, die früher Kapseln gekauft haben, und die jetzt doch lieber auf einen Knopf drücken und das Mahlgeräusch hören, das für die Frische spricht.

Ihr grosser Markenbotschafter ist Roger Federer, der Vertrag mit ihm läuft noch bis 2016. Werden Sie jetzt, wo man sparen muss, den Vertrag beenden?

Es wäre falsch, dort zu sparen. Roger Federer ist seit 2006 unser Botschafter. Von unserer Seite aus möchten wir die Zusammenarbeit sicher weiterführen. Die Beliebtheit von Roger Federer ist weltweit unerreicht. Wir haben aber noch nicht über die Weiterführung des Vertrags gesprochen.