Turbulenzen auf der SVP-Liste: ein Erklärungsversuch

Neuling Roger Köppel stürmte von weit hinten an die Spitze, Christoph Mörgeli fiel von weit vorne auf Rang 20. Keine andere Liste im Kanton Zürich ist bei den Nationalratswahlen derart durcheinandergeraten wie jene der SVP. Das «Regionaljournal» sucht nach Erklärungen.

Das Logo der SVP - mit dem Zusatz «Liste 1».

Bildlegende: Die Zürcher SVP-Wählerinnen und -Wähler haben die Reihenfolge auf der Parteiliste ziemlich durcheinandergebracht. SVP

Christoph Mörgeli, Hans Fehr und Ernst Schibli: Drei altgediente Zürcher SVP-Nationalräte, die alle dasselbe Schicksal ereilte. Sie wurden am Sonntag abgewählt – dies, obwohl die SVP infolge von Rücktritten zwei Sitze neu zu besetzen hatte und einen Sitz dazugewann. So etwas kommt selten vor.

Am härtesten getroffen hat es Christoph Mörgeli – er, der über lange Jahre als Strategiechef der SVP galt und zu jenen Parteivertretern gehört, die bei früheren Wahlen mit Spitzenresultaten glänzten. Von Platz zwei stürzte er auf Platz 20 ab, weit weg von einem Nationalratssitz.

Abgewählte von eigenen Wählern abgestraft

Bei der SVP kann man sich dieses Phänomen nicht erklären, wie es auf Anfrage des «Regionaljournals» heisst. Und auch Statistiker Peter Moser hat keine einfache Erklärung. Sicher ausschliessen kann er aber, dass Wählerinnen und Wähler von anderen Parteien ihre Hände im Spiel hatten: «SVP-Kandidaten erhalten kaum Stimmen von aussen.» Die grossen Bewegungen auf der SVP-Liste seien eine parteiinterne Geschichte.

So seien etwa Roger Köppel und Natalie Rickli häufiger kumuliert als gestrichen worden. Das Umgekehrte gilt für Christoph Mörgeli. Das bedeutet: Die drei abgewählten Nationalräte wurden von der eigenen Wählerschaft abgestraft und aktiv gestrichen.

Affären Mörgeli und Fehr als mögliches Verhängnis

Möglich, dass Christoph Mörgeli sein Verhalten im Zusammenhang mit seiner Entlassung an der Universität Zürich zum Verhängnis geworden ist. Für Schlagzeilen hatte auch Hans Fehr gesorgt – die «Putzfrauen-Affäre» hat ihn wohl auch Stimmen gekostet. Bei Fehr kommt hinzu, dass er der in der Partei geltenden Altersguillotine nur knapp entkommen ist. Er hat das nötige Zwei-Drittel-Quorum, das über 65-Jährige für eine Wiederwahl erreichen müssen, nur mit Mühe erfüllt.

Ernst Schibli schliesslich hat die Wahl schon vor vier Jahren nicht mehr geschafft. Er ist nur deshalb wieder in den Nationalrat eingezogen, weil er nachrutschen konnte. Die Partei hatte ihm damals nahegelegt, zu Gunsten eines jüngeren Parteimitglieds zu verzichten.