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Wahlen15 Wahlhilfe Ich verstehe diese Unterlagen nicht

Dieser Tage sind die Wahlunterlagen in den Briefkästen gelandet. Für viele Bewohner in der Schweiz sind diese komplizierten Texte eine hohe Hürde. Sie leiden nämlich unter eine Lese- oder Schreibschwäche.

Eine Frau sitzt vor einem Haufen Wahlunterlagen.
Legende: Viele Schweizer und Schweizerinnen verzweifeln an den komplizierten Wahlunterlagen. Keystone

Tausende Schweizer und Schweizerinnen werden den folgenden Text leider nicht verstehen oder können zumindest keinen Kommentar darüber schreiben. Die Stiftung für Alphabetisierung und Grundbildung Schweiz (SAGS) geht von 800‘000 Menschen in der Schweiz aus, die einen einfachen Text nicht richtig lesen und verstehen, obwohl sie meistens die obligatorische Schulzeit durchlaufen haben.

Porträt
Legende: Elisabeth Derisiotis: «Wir sind zu wenig hellhörig in Bezug auf funktionalen Analphabetismus in der Schweiz.» ZVG

In Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen zeigt sich die SASG-Geschäftsführerin Elisabeth Derisiotis im höchsten Masse besorgt: «Menschen mit einer Lese- und Schreibschwäche wird eine gesellschaftliche Partizipation verwehrt. Es droht auch eine Zweiklassengesellschaft.»

Die kompliziert verfassten Wahlunterlagen lösen bei diesen Menschen ein Gefühl aus: «Ich gehöre nicht richtig zur Schweiz, wenn ich nicht wählen und abstimmen kann.»

Damit solche Versagergefühle überhaupt nicht aufkommen, werden in verschiedenen Kantonen Deutschkurse speziell für Deutschsprachige durchgeführt. Fritz Keller leitet an der Erwachsenenbildung (EB) Zürich den Teilbereich Deutsch für Deutschsprachige.

Im Gespräch zielt er auf den «Politikersprech», dieser eigentümlichen Mischung von Phrasen und Fremdwörtern.

Portrait
Legende: Fritz Keller: «Viele Politikerinnen und Politiker plustern sich sprachlich auf.» ZVG

SRF News: 800‘000 Menschen in der Schweiz haben Mühe mit Lesen und Schreiben. Was sind das eigentlich für Leute?

Fritz Keller: Das sind Menschen aus unserer Mitte, die wenig Kontakt mit der Sprache haben, oftmals verbunden mit einer unglücklichen Lernbiographie. Eine Lese- und Schreibschwäche kann aber auch durch eine Krankheit oder durch einen Unfall auftreten.

Viele Schweizer und Schweizerinnen haben diese Woche die Wahlunterlagen erhalten. Wie reagieren Menschen mit Leseschwierigkeiten darauf?

Die Wahlbroschüren wirken sicher auf viele abschreckend. Politische Sachverhalte sind oftmals kompliziert und viele Politikerinnen und Politiker plustern sich sprachlich zusätzlich auf. Dieser Jargon ist dann nur schwer verständlich. Seit einiger Zeit versuchen Behörden, politische Inhalte in «Leichter Sprache», das heisst in einer vereinfachenden Sprache zu vermitteln

Wie kann man Personen mit einer Lese- und Schreibschwäche zur politischen Teilnahme bewegen?

Unterstützende Bilder sind wichtig, Grafiken zu lesen kann schon wieder zu schwierig sein. Informationen müssen so aufgearbeitet werden, dass sie auch von dieser Zielgruppe verstanden werden. Und gleichzeitig müssen Personen mit Mühe beim Lesen und Schreiben die Möglichkeit haben, ihre Lese- und Schreibkompetenzen in Kursen zu verbessern.

Ich will wählen!

Ich will wählen!

Auf der Website: www.ich-will-wahlen.ch werden Wähler mit einer Lese-oder Schreibschwäche angeleitet

11 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Sand (Jürg Sand)
    Höchst amüsant, wie man um den heißen Brei herumerklärt! Zwischen 2000 und 2010 wurden ca. 500'000 eingebürgert. Das heißt, mindestens 750'000 bis dato (Tempo nimmt zu). Darunter hat es natürlich auch viele, die einer der Landessprachen mächtig sind, aber halt doch viel mehr andere. Ja, und darüber hinaus gibt es natürlich auch noch die "Urschweizer", wie oben beschrieben.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Ist doch wirklich nicht so schwer mit diesen Unterlagen. Für wen man aber stimmen soll ist doch weit schwieriger. 1.Faust-Regel: Wenn man gegen EU-Beitritt ist, dann muss man SVP wählen. 2.Faust-Regel: Wenn man für den EU-Beitritt usw. ist, kann man ja wählen was man will. 3.Faust-Regel: Allerdings, man kann wählen was man will, letztlich machen "sie" doch was "sie" wollen. - Auf den Wahlkampf kann man also getrost verzichten. Da wird viel gesagt, was hinterher kaum mehr jemand interessiert.
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    1. Antwort von Jürg Baltensperger (Baltensperger)
      Lesen Sie doch mal das Parteiprogramm einer anderen Partei als dasjenige der SVP - niemand will in die EU und es stimmt schlicht nicht, dass die CH danke der SVP nicht in der EU ist. Also ersparen Sie uns diese Propaganda-Floskeln, danke. p.s. ich will nicht in die EU und wähle trotzdem nicht SVP. Warum? Weil die Schweiz eine schöne Natur hat, die schützenswert ist und weil wir Arbeitsplätze erhalten wollen. Die SVP ist bekanntermassen höchst umwelt- und wirtschaftsfeindlich.
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  • Kommentar von Fritz Frei (Fritz Frei)
    Unsere geliebte SVP wird bestimmt sofort zur Stelle sein und den 800'000 helfen herauszufinden, welche Liste sie unverändert einlegen sollen.
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