Kurt Fluri – Der Networker erster Güte im Bundeshaus

Legislaturende bedeutet auch Rückblick. Die SRF Tagesschau hebt anhand von Smartvote-Daten die Superlative aus dem Bundeshaus hervor. Der Vernetzteste Parlamentarier ist FDP-Nationalrat Kurt Fluri. Aber: Auch wenn man es meinen könnte, seine Partei schwingt bei den Top-10 nicht obenaus.

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Kurt Fluri – Der Netzwerker im Bundeshaus

3:06 min, aus Tagesschau vom 17.7.2015

Parlamentarier jeder Couleur vertreten unter der Bundeshauskuppel Interessen, die sich aus ihren Nebenbeschäftigungen ergeben. Mit 33 Mandaten führt der Solothurner FDP-Nationalrat Kurt Fluri die Liste mit den meisten Interessenverbindungen an. «Das nehme ich so zur Kenntnis.» Es gehe ihm nicht darum einen Spitzenplatz zu belegen, fügt Fluri an. «Mir geht es bei diesen allen Mandaten darum, im öffentlichen Interesse zu handeln.»

Der Solothurner muss somit die meisten Interessen abwägen, wenn er den Abstimmungsknopf drückt. Von Käuflichkeit will er aber nichts wissen. «Nein, das bin ich nicht. Wenn man meine Einkommensverhältnisse ansieht, dann sieht man, dass sehr viele Mandate unentgeltlich sind», betont Fluri. Zudem würden die anderen Mandate «wie das bei öffentlichen Mandaten üblich ist» sehr bescheiden entlöhnt.

Und weil er immer wieder mit seiner hohen Anzahl von Interessenbindungen konfrontiert wird, habe er «quasi» immer seine Steuererklärung dabei. Dort sei alles feinsäuberlich aufgelistet: «Meine Lohnabrechnung gemäss Steuerabrechnung vom letzten Jahr beläuft sich insgesamt auf 320‘000 Franken.»

Der Gebundenste mag es ruhig

Aber woran orientiert sich denn der auf so vielen Hochzeiten Tanzende? Entscheidet Fluri, der auch Solothurner Stadtpräsident ist, wirklich unabhängig von Lobbyisten und wirtschaftlichen Interessen? Darauf hat er eine einfache Antwort: Er sei der Auffassung, dass die Wahrung der Interessen der Wirtschaft nichts Negatives sei. «Daraus entsteht unser Wohlstand,» erklärt Fluri weiter.

Fluri, der Gebundenste, weiss auch, wo er im Bundeshaus der Betriebsamkeit des Parlaments entrinnen kann. «Wenn man sich etwas zurückziehen will, dann ist das im oberen Stock eher möglich als unten,» so der FDP-Mann. Hier sei es etwas ruhiger.

Glaubwürdigkeit liegt Fluri am Herzen

Ruhig, gar ohne Worte, mag es Fluri auch im Film – im Stumm-Film: Sein Lieblings-Schauspieler ist Charlie Chaplin. «Das berührt mich, neben allem Witz, der dahinter ist.»

Parallelen sieht er aber nicht unbedingt. Er halte sich nicht für sehr witzig, allerdings für tiefgründig. «Das glaube ich, bin ich schon.»

FDPler sind nicht unbedingt Mandate-Sammler

Dem «Schwerarbeiter» im Bundeshaus liegt aber die Glaubwürdigkeit am Herzen. Er hoffe, dass man in vier Jahren, wenn er denn gewählt würde, von ihm sagt: «dass ich glaubwürdig geblieben bin».

Auch wenn man Fluris Partei nachsagt, die FDP-Mitglieder seien Mandate-Sammler. Die Top-10-Liste kann diesen Eindruck nicht bestätigen. Nur drei von zehn Nationalräten sind Angehörige der FDP. Genau gleichviel sind es bei der CVP und der Drittplatzierte ist der Sozialdemokrat Jean-François Steiert.

Top 10: Die Nationalräte mit den meisten Mandaten 2011-2015

Platz
Name
ParteiAnzahl Interessenverbindungen
1.Kurt Fluri
FDP33
2.Ruedi Noser
FDP30
3.Jean-François Steiert
SP
29
4.Thomas Aeschi
SVP21
5.Gerhard Pfister
CVP21
6.Roberta Pantani
Lega19
7.Kathy Riklin
CVP18
8.Corina Eichenberger-Walther
FDP17
9.Daniel Fässler
CVP
17
10.Bea Heim
SP17

Kurt Fluri

Kurt Fluri im Porträt.

Der Stadtpräsident von Solothurn, Fürsprecher und Notar, wurde 1955 geboren. Im Parlament ist er seit 2003. Fluri ist verheiratet und hat drei Töchter und zwei Söhne. Seine Hobbys sind Wandern, Reisen und Lesen und ist passionierter Hörer von Dixieland-Jazz.

«Abrechnung im Bundeshaus»

In der 7-teiligen Serie der «Tagesschau» werden Nationalräte porträtiert, die aufgrund einer Datenauswertung von Smartvote hervorstechen: Wer politisiert am erfolgreichsten? Wer ist am meisten abwesend? Die ganze Serie finden Sie hier.