Arme Wähler, reiche Parlamentarier

Die Interessen der Reichen sind in der Schweizer Politik besser vertreten als jene der mittleren und unteren Einkommen. Auch mit dem neu gewählten Parlament dürfte sich das laut einer Studie kaum ändern. Dabei hätte es das Volk in der Hand.

Roger Köppel von unten, mehrere Mikrofone vor seinem Gesicht, an der Decke ein Spotlicht.

Bildlegende: Stimmen von Reich und Arm? Roger Köppel, Verleger, Chefredaktor und neu SVP-Nationalrat, erzielte ein Rekordergebnis. Keystone

Forscher von Crema, dem Zürcher Forschungszentrum für Wirtschaft, Verwaltung und Kunst, haben untersucht, wie die unteren, mittleren und oberen Einkommensklassen in den Volksabstimmungen seit 1996 abgestimmt haben. Dies verglichen sie damit, wie die Parlamentarier zuvor bei den gleichen Vorlagen abgestimmt hatten.

Dabei zeigte sich laut dem Mitautor der Studie, Volkswirtschafts-Professor David Stadelmann, Folgendes: «In der Tendenz werden die ärmeren Wähler etwas schlechter vertreten als die reicheren Wähler.» Der Unterschied sei nicht riesig. «Er beträgt ungefähr vier Prozentpunkte.» Und er gelte für die Politiker aller Parteien: «Für die Rechten, die in der Mitte wie auch für die Linken.»

Reiche stimmen nicht gegen eigene Interessen

Das Parlament stimmt also eher im Sinne der Reicheren, so die Studie des renommierten Zentrums. Das habe verschiedene Gründe, sagt Stadelmann. Einer davon sei, «dass Politiker tendenziell selber zur wohlhabenden Schicht gehören». Daher sei klar, dass sie nicht vollständig gegen ihre eigenen Interessen stimmten.

Das dürfte auch im neu gewählten Parlament nicht anders sein, da sich auch dieses mehrheitlich aus Akademikern, Juristinnen, Unternehmern oder Berufspolitikerinnen zusammensetzt – und damit aus eher gut verdienenden Berufsgruppen. Angestellte, Lehrerinnen oder Handwerker – also Angehörige der mittleren und unteren Einkommensklassen – sind nur wenige vertreten.

Das Stimmvolk bestimmt seine Vertreter selbst

Ein zweiter Grund ist laut Stadelmann: «Die Reicheren sind alleine schon deswegen besser vertreten, weil sie eher abstimmen und wählen gehen und die Politiker dementsprechend reagieren.» Er und seine Forscherkollegen kommen deshalb auch zum Schluss, dass kein dringender Handlungsbedarf bestehe.

Denn das Stimmvolk hätte es selbst in der Hand: Es könne andere Abgeordnete wählen oder bei Abstimmungen öfters zur Urne gehen.