Die SVP und ihr Frauenmangel

Sie wird lang und länger – die Liste potentieller SVP-Bundesratskandidaten. Frauen sucht man darauf allerdings vergebens.

SVP-Männer rund um Präsident Toni Brunner singen auf der Bühne die Nationalhymne.

Bildlegende: Männer unter sich? Wahlauftakt der SVP Schweiz in St. Luzisteig, Maienfeld (August 2015). Keystone

Eveline Widmer-Schlumpf macht es spannend: Noch lässt sich die amtierende BDP-Bundesrätin nicht in die Karten blicken, ob sie am 9. Dezember zur Wiederwahl antritt. Nimmt Widmer-Schlumpf sich allerdings aus dem Rennen, dürfte ihr Sitz der SVP zufallen, darin sind sich die meisten Experten einig.

Kein Wunder also, gewinnt das SVP-Kandidaten-Karussell dieser Tage rasant an Fahrt. Heinz Brand, Hannes Germann, Hansjörg Knecht, Guy Parmelin – diese Namen halten sich hartnäckig als mögliche Anwärter auf das Bundesratsamt. Hinzu kommen Parteiexponenten, die sich gleich selbst ins Spiel bringen wie jüngst der Walliser Oskar Freysinger. Auffällig bei den potentiellen Bundesratskandidaten: Es handelt sich um einen reinen Männerclub. Von geeigneten Kandidatinnen ist keinerlei Rede.

«Es fehlt schlicht die Basis»

Für den Politikwissenschafter Adrian Vatter von der Universität Bern ist das nicht weiter erstaunlich. Bei einer rechtsbürgerlichen Partei wie der SVP seien zwangsläufig nur wenige Frauen in den Räten. Tatsächlich: In ihrer nun 65-köpfigen Nationalratsdelegation hat die SVP gerade mal 11 Frauen. Am meisten Frauen stellt – als Kontrapunkt – derzeit die SP mit 25 von 43 Nationalräten. «Der SVP fehlt schlicht die Basis», sagt Vatter. So sei man bei der Volkspartei als Frau nach wie vor Exotin, auch in der Fraktion. «Da gehört schon einiges dazu, sich so zu exponieren.»

Frauen, die sich davon nicht abschrecken liessen, habe die Partei durchaus gehabt, ergänzt Rosmarie Zapfl, ehemalige Präsidentin von Alliance F und langjährige CVP-Nationalrätin. Sie führt etwa Brigitta Gadient oder Ursula Haller ins Feld. «Ihnen wurde das Gedankengut der SVP aber zu eng, weshalb sie zur BDP wechselten.» Als Bundesratsanwärter brauche es ein klares Profil, viel Erfahrung, Dossiersicherheit – und durchaus eine gewisse Aufmüpfigkeit. Bei den aktuellen, eher jüngeren, SVP-Parlamentarierinnen erkenne sie diese Eigenschaften nicht.

Sind die Frauen selbst schuld?

Auch Politikwissenschafter Vatter sieht im Moment keine SVP-Politikerin, die sich als Kandidatin anbieten würde. «Bei Magdalena Martullo-Blocher könnte ich mir am ehesten vorstellen, dass sie in die Rolle hineinwächst. Allerdings muss sie sich nun zuerst im Nationalrat beweisen», sagt Vatter.

«  Bei Magdalena Martullo-Blocher könnte ich mir am ehesten vorstellen, dass sie in die Rolle hineinwächst. »

Adrian Vatter
Politologe

Von einem Mangel an valablen Kandidatinnen will Judith Uebersax, Präsidentin SVP Frauen Schweiz, jedoch nichts wissen. Namen werde sie zwar keine nennen, «aber es laufen entsprechende Gespräche». Dass auf der (inoffiziellen) Liste potentieller Bundesratskandidaten nur Herren zu finden sind, führt Uebersax vielmehr auf weibliche Zurückhaltung zurück. «Während Männer sich über ihre Netzwerke selbst ins Spiel bringen, warten Frauen darauf, gefragt zu werden.» Als Bundesratskandidat gehandelt zu werden, komme für einen Mann einem Karrieresprung gleich. «Frauen sind vorsichtiger und fürchten die Folgen, sollten sie nominiert und schliesslich nicht gewählt werden», ist Uebersax überzeugt.

An Wählerinnen mangelt es jedenfalls nicht

Fest steht: Die Schweizer Volkspartei verspürt von aussen wenig Druck, zwingend eine Kandidatin aufs Tapet zu bringen. «Nach Phasen mit vier und nun drei Bundesrätinnen hat das Thema in der Öffentlichkeit an Brisanz verloren», sagt Politikwissenschafter Vatter. Das beste Beispiel dafür seien die Parlamentswahlen vom vergangenen Sonntag. «Laut Umfragen wurde die SVP etwa gleich stark von Männern wie von Frauen gewählt.» Dass die Förderung von Politikerinnen bei der Partei nicht oberste Priorität geniesse, störe viele Wählerinnen also offenbar nicht.

Definitiv nominieren wird die SVP ihre Bundesratskandidaten am 20. November.

Mögliche SVP-Kandidaten Bundesratswahl

Name
Funktion
Heinz Brand
Nationalrat GR
Hannes Germann
Ständerat SH
Hansjörg Knecht
Nationalrat AG
Albert Rösti
Nationalrat BE
Thomas de Courten
Nationalrat BL
Guy Parmelin
Nationalrat VD
Pierre Rusconi
abgewählter Nationalrat TI
Yves Nidegger
Nationalrat GE
Thomas Hurter
Nationalrat SH
Oskar Freysinger
Staatsrat VS

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Freysinger will in den Bundesrat

    Aus Tagesschau vom 21.10.2015

    Der Walliser SVP-Staatsrat Oskar Freysinger hat in einem Radio-Interview sein Interesse an einer Bundesratskandidatur bekundet. Freysinger war zwölf Jahre im Nationalrat und ist seit 2013 Mitglied der Walliser Regierung.

  • Alt-Bundesrat Christoph Blocher verfolgt die Wahlen am 18. Oktober 2015.

    Blochers Jobprofil für Bundesratskandidaten

    Aus Echo der Zeit vom 20.10.2015

    Nach ihrem Wahlsieg steht für die SVP erst recht fest: sie will einen zweiten Sitz im Bundesrat. Chefstratege Christoph Blocher kündigt nun an, man werde einen Kandidaten präsentieren, der nicht zu sehr polarisiert. Mehr noch: die SVP werde zwei solche Kandidaten zur Auswahl stellen.

    Das sind neue, sanftere Töne.

    Elisabeth Pestalozzi