«Die Mitte muss zusammenrücken»

Eines ist für die Mitte-Parteien klar: Das werden vier harte Jahre. CVP, BDP und Grünliberale werden nicht darum herumkommen, noch enger zusammenzuarbeiten, um ihre Linie zu verteidigen. Doch sind sie auch bereit dazu?

Der Grünliberale Bäumle (links), Darbellay von der CVP und BDP-Mann Landolt (von rechts). In der Mitte die SRF- resp. RTS-Moderatoren Projer und Morard.

Bildlegende: Müssen zusammenspannen: Bäumle (GLP), Landolt (BDP) und Darbellay (CVP) in der Elefantenrunde. Keystone

CVP-Nationalrat Martin Candinas appelliert an das Pflichtbewusstsein von BDP und Grünliberalen. Diese beiden kleinen Mitte-Parteien täten seiner Meinung nach gut daran, die Zusammenarbeit mit der CVP zu suchen.

Sein eigenes Süpplein zu kochen, werde für die Parteien in der Mitte in der nächsten Legislatur schwierig, so Candinas: «Wir haben den anderen kleinen Parteien verschiedentlich Hand geboten für eine noch engere Zusammenarbeit. Vor allem die anderen Mitte-Parteien müssen sich nun Gedanken darüber machen, wenn sie nicht ganz von der Bühne verschwinden wollen.»

Candinas sieht Federführung bei CVP

Denn bald gehe es im Parlament um sehr wichtige Themen wie die Energiepolitik, das Verhältnis zur EU und die Altersvorsorge. Da habe die Mitte mitzureden. Und sie müsse geeint auftreten, sagt Candinas – allerdings mit einer klaren Hierarchie.

«Eines ist klar: Die CVP ist die stärkste Partei in der Mitte. Damit ist auch klar, dass die CVP die Federführung haben muss», ist Candinas überzeugt. Die CVP betont ihren Leaderanspruch am Tag nach den Wahlen – die BDP zeigt sich hingegen in nachdenklicher Stimmung.

Bisherige Zusammenarbeit verstärken

Man müsse jetzt in der Mitte zusammenrücken, sagt BDP-Fraktionschefin Rosmarie Quadranti, deren Truppe von neun auf sieben Mitglieder verkleinert wurde. Als Mitte-Parteien habe man bisher gut kooperiert, so Quadranti. «Zusammenrücken bedeutet aber, verstärkt zusammenzuarbeiten. Vielleicht noch sichtbarer, als wir dies jetzt schon getan haben.»

Grossen: Differenzen nicht totschweigen

«Moment!», sagen da die Grünliberalen. Es gebe nach wie vor klare politische Differenzen zwischen CVP, BDP und GLP. Die könne man jetzt nicht einfach der Mitte zu Liebe totschweigen, sagt der wiedergewählte Berner Nationalrat der Grünliberalen, Jürg Grossen.

Zwar habe die Grünliberale Partei bei den Wahlen am Sonntag Federn gelassen und von zwölf Sitzen fünf verloren. «Doch deswegen haben wir jetzt nicht den Eindruck, dass wir uns von einer anderen Partei vereinnahmen lassen sollten», sagt Grossen.

Grünliberale wollen eigenständig bleiben

«Wir möchten unsere eigenständige Politik weiter betreiben. Das wird sich in vier Jahren dann wieder ausbezahlen», davon sei er überzeugt, so Grossen.

Die GLP will also weiterhin das Zünglein an der Waage spielen – und je nach Geschäft – entweder mit den rechtsbürgerlichen Parteien, den Mitte-Parteien oder der Linken politisieren. Nach geeinter Mitte klingt das nicht.

«Union» mangelhaft

«Union» mangelhaft

CVP-Präsident Christophe Darbellay sieht den Grund für die mässigen Resultate seiner Partei bei der gescheiterten «Union der Mitte». Im Echo der Zeit sagte er: «Die Zusammenarbeit der Mitte-Parteien war mangelhaft. Ich denke, wir müssen jetzt wieder einen Anlauf nehmen. Die Mitte muss zusammenarbeiten, oder sie wird verschwinden.»