In der Romandie scheiterte die SVP an Personalproblemen

Des einen Leid, des anderen Freud: In der Westschweiz gewinnen zwar auch die Bürgerlichen die Wahlen. Hier ist es aber nicht die SVP, sondern die FDP. Auch ein Kommunist wird wieder ins Parlament gewählt – anstelle eines Grünen. Die Analyse mit SRF-Korrespondent Sascha Buchbinder.

Eine Frau geht vor Wahlplakaten durch.

Bildlegende: Wahlkampf in der Romandie: Die FDP hat mehr zulegen können als die SVP. Keystone

SRF News: In der Romandie tut sich die SVP schwer. In Genf legt sie zwar stimmenmässig zu, schafft aber keinen Sitz. In der Waadt verliert sie sogar. Woran liegt das?

Sascha Buchbinder: Es ist vor allem ein Personalproblem der Partei. Sie ist stark gewachsen und in dieser Grösse noch relativ jung. Am deutlichsten sieht man es in der Waadt. Hier hat die SVP die Quittung für ihr frivoles Sommertheater erhalten. Die Parteispitze bekämpfte sich gegenseitig mit Intrigen und Bettgeschichten, anstatt den Wahlkampf zu führen. Es ist eine sehr zerrissene Partei, die die Wähler so nicht überzeugen konnte. Hinzu kommt, dass sich die UDC, wie die SVP in der Romandie heisst, am 9. Februar ganz klar isoliert hat. Der Bürgerblock wollte nichts mehr mit ihr zu tun haben.

Wer ist der grosse Gewinner in der Romandie?

Das ist die FDP. Die Romandie sorgt sich wirklich um das wirtschaftliche Wohlergehen. Aktuell ist das die Diskussion um die Unternehmenssteuerreform III. Die Steuerregimes waren in der Romandie in den letzten Jahren sehr wichtig. In der Romandie hat sich die FDP ganz klar von der SVP abgegrenzt, und offensichtlich hat das der Partei nicht geschadet.

«  Die «neue Mitte» ist in der Romandie nie angekommen. »

National haben die Mitteparteien deutlich verloren. Spiegelt sich das in der Romandie wider?

Die «neue Mitte», von der in der Deutschschweiz jetzt vier Jahre lang gesprochen wurde, die ist in der Romandie nie angekommen, auch nicht mit Verzögerung. Christine Bussart, die Gründerin des Marche Blanche, sollte in der Waadt erstmals einen Sitz für die BDP gewinnen. Die Frau ist populär, sie ist eigentlich eine Art Anti-Politikerin, die erklärt, sie misstraue allen Politikern. Aber dieses Rezept brachte ihrer Partei gerade ein Prozent Wählerstimmen. Politikverdrossenheit als Programm zieht in der Romandie nicht.

Die Romandie tickt ja oft ein bisschen linker als die Deutschschweiz. Wie sieht es bei SP und den Grünen aus?

Die Romandie ist überhaupt nicht losgelöst vom Rechtstrend. Der linke Block ist geschwächt. Interessant scheint mir aber, dass die Grünen in Genf verlieren, wo ihr bisheriger Nationalrat Ueli Leuenberger abgetreten ist. Sie schaffen es aber bei den Ständeräten, in Genf Robert Cramer und in der Waadt mit Luc Recordon, dem Trend zu trotzen und ihre Sitze zu verteidigen. Das zeigt, wie wichtig die Personalfrage ist.

Haben die Linksalternativen in der Westschweiz Sitzgewinne gemacht?

In Neuenburg haben es die Alternativen geschafft, den Grünen einen Sitz abzuknöpfen. Mit Denis De la Reussille von der Partei der Arbeit, dem Stadtpräsidenten von Le Locle, haben sie einen Kandidaten gebracht, der deutlich links der SP und deutlich links der Grünen steht. Er ist regional aber sehr stark verankert. Er gewinnt einen Sitz des bisherigen rot-grünen Lagers, das jetzt rot-rot sein wird.