Bern - oder die Suche nach der Langsamkeit beim Stimmenzählen

Die Stadt Zürich hat mehr als doppelt so viel Einwohner und war dennoch viel schneller mit Auszählen der Wahlzettel als die Stadt Bern. Offenbar wegen eines Fehler wurde es kurz vor Mitternacht, bis die Nationalratsresultate verlässlich vorlagen. Was macht Zürich anders?

wartende Leute

Bildlegende: Politiker, Journalisten und Interessierte mussten am Sonntag im Berner Rathaus lange auf die Resultate warten. Christian Liechti/SRF

Ob in Bern oder in Zürich: vieles läuft in beiden Städten gleich. Die Vorbereitungsarbeiten beginnen in Zürich bereits am Samstag. So auch in Bern.

In Zürich waren 1800 Personen mit dem Auswerten der Wahlzettel beschäftigt. In Bern waren es vergleichbar viele. In Zürich sollen allfällige Fehler so früh wie möglich erkannt werden. Auch in Bern setzt man grossen Wert auf Kontrolle.

Was also führt zum Eindruck, das Auszählen der Stimmen von Wahlen dauere in Bern häufig länger als anderswo? Das lange Warten hat für Kopfschütteln und Reaktionen gesorgt - auch auf Twitter.

Die Unterschiede könnten am finanziellen Anreiz liegen. Stimmenzähler in der Stadt Zürich erhalten beim Einsatz für die Demokratie Geld.

30 oder je nach Aufwand sogar 40 Franken gibt es für die Zürcher Stimmenzähler pro Stunde. Die Folge davon: Viele engagieren sich mehrmals und bringen so jeweils eine gewisse Erfahrung mit.

«  Unsere Leute haben weniger Erfahrung. »

Jürg Wichtermann
Stadtschreiber Bern

In Bern ist das anders. Da werden sehr viele Laien eingesetzt, die nur an einem Wahlsonntag im Einsatz sind. Stadtschreiber Jürg Wichtermann räumt ein, dass die Berner Stimmenzähler weniger Erfahrung haben. «Es ist natürlich auch eine Kostenfrage.» Bern will oder kann sich also ein schnelleres Auszählen nicht leisten.