Solothurner Ständerat: Marianne Meister zieht sich zurück

Mit einer flammenden Rede an der FDP-Parteiversammlung erklärte die Bucheggbergerin am Montagabend, dass sie für den zweiten Wahlgang nicht zur Verfügung steht. Damit kommt es zum Duell zwischen Walter Wobmann (SVP) und Roberto Zanetti (SP, bisher). Zanettis Wiederwahl ist so gut wie sicher.

Frau auf Stuhl blick gelassen zur Bühne in einer Mehrzweckhalle

Bildlegende: Marianne Meister verzichtet auf einen zweiten Wahlgang: «Ich tue mir nicht an, noch den Looser-Stempel zu holen.» SRF

Im Rennen um den zweiten Solothurner Ständeratssitz am 15. November kommt es zum Zweikampf.

Der bisherige Roberto Zanetti (SP) wird nur von SVP-Nationalrat Walter Wobmann herausgefordert.FDP-Kandidatin Marianne Meister, die im ersten Wahlgang auf dem letzten Platz landete, gab an der Parteiversammlung am Montagabend in Härkingen ihren Rückzug bekannt:

«  Wenn ich wieder antrete, will ich eine Chance haben. Die habe ich nicht. »

Marianne Meister (FDP)

Saal mit Leuten, die Hände in die Höhe halten

Bildlegende: Einstimmig beschlossen die FDP-Delegierten, dass sich die Partei aus dem Ständeratswahlkampf zurückzieht. SRF

Roberto Zanetti habe die Wahl im ersten Wahlgang nur knapp verpasst, zudem hätten Walter Wobmann und sie einen rechten Abstand, rechnete Meister den Freisinnigen im Saal vor und bilanzierte nüchtern: «Es tut mir leid, aber es ist eine Tatsache: Wir haben keine Chance, diesen Ständeratssitz im Jahre 2015 zu holen».

Die FDP-Versammlung sah dies ebenso und verzichtete darauf, einen neuen Kandidaten ins Rennen zu schicken. Ohne Diskussion und einstimmig wurde der Rückzug aus dem Ständeratswahlkampf beschlossen. Marianne Meister wurde mit einer Standing Ovation für ihr Engagement gedankt.

Wobmann ist der FDP «zu extrem»

Unterstützen will die FDP aber keinen der beiden übrigen Kandidaten im zweiten Wahlgang. Grossmehrheitlich beschloss die Parteiversammlung auf eine Wahlempfehlung zu verzichten.

«  Walter Wobmann ist nicht wählbar. Er ist unliberal und extrem. »

Christian Scheuermeyer
Präsident FDP Kt. Solothurn

Für den SVP-Kandidaten hatte FDP-Präsident Christian Scheuermeyer keine netten Worte übrig: «Walter Wobmann ist nicht wählbar.

Er ist unliberal und extrem», rief Scheuermeyer in den Saal und erntete keinen grossen Widerspruch.

Bei der Solothurner SVP stösst diese Haltung auf Unverständnis. Parteipräsident Silvio Jeker hätte sich gewünscht, die FDP würde die einzige verbleibende bürgerliche Kandidatur unterstützen, wie er am Dienstagvormittag gegenüber Radio SRF sagte.

«  Ich bin enttäuscht vom Solothurner Freisinn »

Silvio Jeker
Präsident SVP Kt. Solothurn

Im «aktuellen politischen Umfeld» sieht Silvio Jeker die SVP und damit auch Walter Wobmann klar im Auftrieb. Er sei daher optimistisch für den zweiten Wahlgang, so Jeker. Die Wähler hätten die Wahl zwischen einem linken und einem bürgerlichen Kandidaten.

Zanetti war am «Solothurner Mehr» gescheitert

Neben der FDP haben am Montagabend auch SVP und SP entschieden, ob und mit wem sie im zweiten Wahlgang antreten. Weil der zweite Wahlgang bereits am 15. November stattfindet, müssen die Parteien bereits am Dienstag ihre Kandidaturen bekannt geben.

Für die SVP-Parteileitung war klar, dass sie ihren Spitzenkandidaten Walter Wobmann nochmals in Rennen schickt. Und auch bei der SP-Delegiertenversammlung gab es keine Diskussionen. Dass man den bisherigen Ständerat Roberto Zanetti für den zweiten Wahlgang anmelde, sei reine Formsache gewesen, teilte die Partei am Montagabend mit.

Zanetti hatte am Sonntag das absolute Mehr nur um 1800 Stimmen verpasst. Im Kanton Solothurn liegt die Hürde des absoluten Mehrs höher als in anderen Kantonen, weil hier auch die leeren Stimmen mitgezählt werden. Wäre dies nicht der Fall, hätte es der bisherige SP-Ständerat locker im ersten Wahlgang geschafft.

And the Winner is... Zanetti

Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass Roberto Zanetti das Duell im zweiten Wahlgang für sich entscheiden kann.

Mit 48 Prozent der Stimmen hat der SP-Ständerat im ersten Wahlgang bewiesen, dass er weit über die eigenen Reihen hinaus Stimmen holen kann.

Demgegenüber blieb Walter Wobmann mit 34 Prozent der Stimmen nur wenig über dem Wert, den seine SVP bei den Nationalratswahlen erzielte. Ohne Unterstützung der FDP wird es für Wobmann schwierig, den grossen Rückstand auf Zanetti aufzuholen.

(Regionaljournal Aargau Solothurn, 6:32 Uhr, 17:30 Uhr)