Kandidatenflut für Nationalratswahl

Lega und SVP haben sich nach anhaltenden Streitigkeiten auf eine Listenverbindung einigen können. Nicht so die SP und die Grünen.

ti Verteilung der Tessiner Nationalratssitze Der Kanton Tessin hat insgesamt 8 Nationalratssitze.

123 Kandidaten bewerben sich 2015 um die acht Tessiner Sitze im Nationalrat. Für den Ständerat treten sieben Politiker an. Im Jahr 2011 liessen sich im Tessin nur 68 Politiker für die Nationalratswahlen aufstellen. Insgesamt wurden in diesem Jahr 18 Kandidatenlisten für den Nationalrat eingereicht, 2011 waren es noch 11.

Zwei Listenverbindungen wurden der Tessiner Staatskanzlei gemeldet, wie diese mitteilte. Lega und SVP spannen zusammen, um die drei Nationalratssitze von Roberta Pantani und Lorenzo Quadri (beide Lega) sowie Pierre Rusconi (SVP) zu verteidigen.

Streitigkeiten zwischen SVP und Lega

Dem vorausgegangen waren anhaltende Streitigkeiten zwischen den beiden Parteien. Bei den kantonalen Wahlen war die SVP frontal gegen die Lega angetreten, hatte ihr Stimmen weggenommen und dennoch verloren. Die Lega war vor den Kopf gestossen.

Ein Machtwort aus Bern hat den Alleingang der Tessiner SVP schliesslich beendet: Im Radio der italienischsprachigen Schweiz bedauerte SVP-Präsident Toni Brunner das schlechte Abschneiden der Tessiner SVP bei den kantonalen Wahlen. «In Frage kommt nun nur eine Listenverbindung zwischen Lega und SVP. Damit keine einzige Stimme verlorengeht, damit wir den Tessiner SVP-Sitz halten können. Und auch die zwei Sitze der Lega, die zur SVP-Fraktion zählen.» Kleinigkeiten und persönliche Befindlichkeiten zählten nicht. Wichtig seien die übergeordneten Interessen, so Brunner.

Zerwürfnis zwischen SP und Grünen

Bei den übrigen Parteien geht nur die CVP eine Verbindung ein. Sie tritt mit ihren beiden Juniorparteien im Sotto- und Sopraceneri sowie den «Tessinern in der Welt» auf einer gemeinsamen Liste an.

Ein Tessiner Sonderfall ist das Zerwürfnis zwischen der SP und den Grünen. Die Auseinandersetzung ist ausgesprochen gehässig, inhaltlich wie persönlich. Mit ihrem Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative und ihren zuweilen populistischen Angriffen gegen die EU hatten die Tessiner Grünen bei Rot-Grün-Wählern viele Stimmen verloren. Die politischen Gemeinsamkeiten zwischen Rot und Grün sind kleiner als anderswo in der Schweiz.

Die Grünen hatten 2011 die Listenverbindung mit der SP aufgekündigt. Lachende Dritte waren damals Lega und SVP, die einen der bis dahin zwei SP-Sitze im Nationalrat erbten. Die Grünen verfehlten ihr Wahlziel, einen Sitz im Nationalrat zu ergattern, nämlich bei weitem. Ebenso gehörten sie bei den kantonalen Wahlen im April 2015 zu den deutlichen Verlierern. Der Schwenk nach rechts und hin zum Populismus hat sich an der Urne nicht ausbezahlt.

FDP – die grosse Unbekannte

Eine Listenverbindung zwischen SP und Grünen gibt es auch bei den nationalen Wahlen diesen Herbst nicht. Deshalb ist wahrscheinlich, dass die Verteilung der Tessiner Sitze im Nationalrat gleich bleibt wie 2011: Drei Sitze für Lega und SVP, zwei für die FDP, zwei für die CVP und einen Sitz für die SP. Spannung verspricht einzig das Abschneiden der FDP: Legt sie zu – wie bei den kantonalen Wahlen – so könnte sie einen dritten Sitz auf Kosten von Lega und SVP ergattern.

Neben den klassischen Tessiner Parteien FDP, CVP, SP, Lega, Grüne und SVP bewerben sich auch kleine Gruppierungen wie «Montagna Viva», die sich für die Förderung der Bergtäler im Südkanton einsetzt, um einen Sitz in der grossen Kammer.

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