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Wahl-Lokal Altersvorsorge: So fliessen die Milliarden

Über 100 Milliarden Franken zahlen Schweizerinnen und Schweizer pro Jahr in die Altersvorsorge. Ein grosser Teil davon wird umverteilt. Das Geld fliesst etwa von Reichen zu Armen – aber auch umgekehrt. Die Umverteilung ist teils politisch gewollt, zu einem immer grösseren Teil jedoch ungewollt.

Eine älteres Paar sitzt auf einer Bank an einem Bergsee.
Legende: Die Umverteilung von Geld von Jung zu Alt in der zweiten Säule ist politisch nicht gewollt. Keystone

Die 100 Milliarden Franken, die Schweizerinnen und Schweizer pro Jahr in die Altersvorsorge einzahlen, erhalten sie nicht eins zu eins zurück, wenn sie pensioniert werden. Denn viel Geld wird umverteilt. In der AHV, der ersten Säule der Altersvorsorge, ist diese Umverteilung politisch gewollt. Wer viel verdient, zahlt viel ein, wer wenig verdient, zahlt wenig ein.

Die maximale AHV-Rente beträgt derzeit 2350 Franken im Monat. «Das bedeutet, dass Menschen mit einem hohen Lohn sehr viel mehr einzahlen, als sie je kriegen werden», sagt Silja Häusermann, Professorin am Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich und Expertin für Rentenpolitik. Diese Umverteilung sei der Sinn der AHV und deshalb richtig.

Umverteilung von Jung zu Alt

Die Erwerbstätigen zahlen in den AHV-Topf ein, aus dem gleichzeitig die Renten der Pensionierten finanziert werden. Weil wir immer älter werden, verändert sich das Verhältnis zwischen den Erwerbstätigen und den Rentnern. Die Jungen zahlen dadurch tendenziell immer mehr. Damit wird bei der AHV nicht nur von Reich zu Arm, sondern auch von Jung zu Alt umverteilt.

Ein Schild: «Ausgleichskasse und IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden».
Legende: Die AHV ist nicht die einzige Säule der Altersvorsorge, in der Geld umverteilt wird. Keystone

Auch in der beruflichen Vorsorge, der zweiten Säule, fliesst Geld von Jung zu Alt. Diese Umverteilung sei ungewollt, sagt Häusermann. «Die Vorstellung, dass wir unser Geld für die zweite Säule in ein Schliessfach legen und dann mit 65 Jahren dieses Schliessfach öffnen, entspricht nicht der Realität.» Die Pensionskassen müssten heute Renten auszahlen mit dem Geld, das sie jetzt von den Erwerbstätigen bekommen würden. Der Grund dafür ist, dass der Kapitalmarkt – sozusagen der dritte Beitragszahler neben Arbeitnehmer und Arbeitgeber – in den letzten Jahren nicht mehr viel abgeworfen hat.

Viele Umverteilungen

Ausserdem profitieren in der zweiten Säule, anders als in der ersten, Reiche tendenziell mehr als Arme. Das zeigte eine Studie der Grossbank UBS aus dem letzten Jahr. Die Studie hielt zudem fest, dass auch zwischen Männern und Frauen und zwischen Unverheirateten und Verheirateten umverteilt wird, und zwar je nach Säule in die eine oder andere Richtung. Welchen Betrag diese Umverteilungen ausmachen, ist nicht bekannt.

Fest steht jedoch, dass die Umverteilung trotz der aktuellen Rentenreform weitergehen wird. Einzig in der zweiten Säule werden die Erwerbstätigen künftig wohl etwas weniger für die Pensionierten zahlen.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Marlies Artho (marlies artho)
    1948 wurde die AHV eingeführt. Damals bezahlten Arbeitnehmer und Arbeitgeber einen Beitrag an die ältere Generation aus Solidarität, denn die vorherigen Jahrgänge hatten ja damals keine AHV bezahlt. Es war selbstverständlich, dass man die ältere Generation unterstützte. Auch einige Frauen kamen in den Genuss mit 62 Pensioniert zu werden, bei mir war es schon 64 J. Damit hatte ich kein Problem, weil ich Freude an der Arbeit habe, da eine gewisse Herausforderung im Alter auch viel positives hat.
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    1. Antwort von Niklaus Bächler (parteilos!!)
      Gratuliere zu dieser Einstellung! Es zeigt sich auch an ihrem Beispiel, dass menschen, die einspositive Lebenseinstellung haben auch problemlos in der Wirtschaft bestehen können. Nörgler, Besserwisser und Unzufriedene werden als Erste «ausgemustert (manchmal schon mit > 50 Jahren)!
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  • Kommentar von Brigitte Hauenstein (Brigitte Hauenstein)
    An der Renten-Reform 2020 vermisse ich die Reform. Weiteres Beispiel: Eine Änderung des Verteilerschlüssels der Altersgutschriften (BVG) wären ein ausgezeichnetes Instrument, dem Fachkräftemangel in der Schweiz entgegenzuwirken. Müssten Arbeitgeber für 50+ Mitarbeitende nicht rund 12 % mehr an Altersgutschriften gegenüber für junge MA leisten, würden ältere Schweizer/innen mit Sicherheit auch wieder attraktiver für die Wirtschaft. Es fehlt an Politikern mit Sinn für zeitgemässe Veränderungen.
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  • Kommentar von Edwin Habegger (vonwegen)
    Greifen alle diese "Milchbüchlirechnungen" im sog. Generationenvertrag nicht etwas zu kurz ? Schliesslich sind viele Mitglieder der älteren Generation jahrzehntelang dafür aufgekommen, dass ihre Töchter und Söhne heute eine gute Ausbildung haben und gerade dadurch hohe Beiträge an die AHV leisten. Auch geben viele Senioren nicht alles Geld für Wellness und Kreuzfahrten aus. Viele bleiben auch als AHV-Bezüger engagiert in Gesellschaft und Familien.
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