Die Chemiefabrik Lonza prägt das Oberwallis seit über 100 Jahren

Die Lonza ist mit 2500 Stellen mit Abstand der grösste Arbeitgeber der Region. Seit über 100 Jahren prägt die Chemiefabrik, so gross wie 120 Fussballfelder, das Ortsbild von Visp. Doch was genau passiert eigentlich hinter diesen hohen Zäunen und wer arbeitet dort?

Das Areal ist riesig, über 100 Werkhallen, Labors, Verwaltungsgebäude und Lagerräume. Überall dröhnt oder zischt es. Ein Gewirr von Leitungen und Röhren. Mittendrin steht ein unscheinbares niedriges Gebäude, die Metallwerkstatt.

Drinnen steht Anton Zeiter. Er ist eines der vielen Gesichter der Lonza: Seit über 30 Jahren arbeitet er hier: «Ich bin 48-jährig, Familienvater von drei Kindern und wohne sehr nahe der Lonza.»

Viele sind lebenslang mit der Lonza verbunden

Seine Biografie ist typisch für viele in der Region: Sie sind ein Leben lang eng mit der Lonza verbunden. Die Werkstatt ist ein zentraler Bereich für den Betrieb. Hier werden die vielen Rohre auf Mass genau angefertigt, durch welche überall im Werk die Chemikalien fliessen.

Anton Zeiter steht an einer grossen blauen Maschine. Die Maschine hat einen kräftigen Roboterarm, dieser ergreift die Metallrohre und biegt sie so zurecht, dass sie danach in die Fertigungsanlagen passen. Mehr als 250 Produkte für die chemische Industrie und die Pharma stellt die Lonza in Visp her. Die meisten sind Zwischenprodukte für andere Hersteller. Nur ganz wenige tragen am Ende den Namen Lonza.

«  Früher musste man die Leistung auch bringen, aber der Druck war kleiner. »

Anton Zeiter
Lonza Mitarbeiter

In der Metallwerkstatt beobachtet Anton Zeiter, wie sich im Werk vieles verändert hat, seit er hier die Lehre gemacht hat. «Es ist alles komplexer geworden und der Druck ist gestiegen. Früher musste man die Leistung auch bringen, aber der Druck war kleiner.»

Trotz des grösseren Drucks: Anton Zeiter will bei der Lonza bleiben. Eben hat sich auch sein Sohn für eine Lehrstelle im Grossbetrieb beworben.

Neues Krebsmedikament

Ein anderes Gesicht der Lonza ist Doktor Stefan Benkel. Er leitet in einem modernen Laborgebäude die Produktion von Konjugaten. Konjugate sind neuartige Krebsmedikamente, bei denen Gifte, sogenannte Toxine, direkt in die Krebszellen geschleust werden. «Das Konjugat wird in die Krebszelle eingelassen, die Krebszelle schliesst sich. Das Toxin wird hier nun freigesetzt und kann die Krebszelle von innen töten, ohne gesundes Gewebe zu schädigen», erklärt Benkel.


Herausforderung starker Franken

15 min, aus Echo der Zeit vom 11.09.2015

Die neuen Krebsmedikamente enthalten gefährliche Gifte, deshalb sind die Produktionsräume hermetisch abgeriegelt. Benkel zeigt durch eine dicke Glasscheibe auf einen Stahlkessel, wo in einem Behälter die wässrige Lösung des Medikamentes steht.

Von diesen modernen Krebsmedikamenten verspricht sich Lonza viel. Und deshalb sind für die Firma auch die 300 hochqualifizierten Fachkräfte aus dem Ausland so wichtig.