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Wahl-Lokal «Es gibt keinen Grund, dass Frauen früher in Rente gehen»

Sie stellen die Weichen für unsere Altersvorsorge, wenn der Nationalrat nächstes Jahr über die Rentenreform entscheidet: SP-Nationalrätin Silvia Schenker und FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. Sie haben im «Tagesgespräch» die Klingen gekreuzt.

Tagesgespräch aus dem Generationenhaus
Legende: SRF-Moderatorin Susanne Brunner (Mitte) im Gespräch mit Christian Wasserfallen und Silvia Schenker. SRF / Severin Nowacki

Mehr AHV für Rentnerinnen und Rentner, dafür Rentenalter 65 auch für Frauen, eine höhere Mehrwertsteuer und mehr Abzug vom Lohn: das hat der Ständerat entschieden, als er sich Anfang Woche mit dem Rentenreformpaket befasst hat.

Der 34-jährige FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen, Link öffnet in einem neuen Fenster und die 61-jährige SP-Nationalrätin Silvia Schenker, Link öffnet in einem neuen Fenster haben über Solidarität zwischen Jung und Alt und zwischen Frau und Mann diskutiert – und sich nichts geschenkt.

  • Der Ständerat hat diese Woche entschieden, die AHV-Rente zu erhöhen. Eine Einzelrente soll demnach um 70 Franken pro Monat steigen. Eine gute Idee?

Christian Wasserfallen versteht diesen Entscheid zum heutigen Zeitpunkt ganz und gar nicht: Angesichts der Fakten, so wie sich die Altersvorsorge in den nächsten Jahren entwickeln werde, begreife er nicht, wie man überhaupt auf so eine Idee kommen könne. «Heute haben wir 3,7 Arbeitnehmende, welche einen Rentner finanzieren. Ab dem Jahr 2030 wird sich dieses Verhältnis deutlich verschlechtern. Dann gibt es zwei Arbeitnehmende auf einen Rentner.»

Schenker widerspricht Wasserfallen: «Frauen in meiner Generation haben oft nur eine AHV oder eine kleine Pensionskasse.» Gerade Frauen müssten dann im AHV-Alter Ergänzungsleistungen beantragen. Sie hätten ihr Leben lang gearbeitet und stünden dann da mit einer Rente, welche nicht einmal die Existenz sichere. «Und dieses Problem müssen wir auch lösen neben der Finanzierung der AHV», betont Schenker. Man nehme immerhin eine Erhöhung des Frauen-Rentenalters in Kauf.

  • Aber ist ein tieferes Rentenalter für die Frauen gerecht?

Es sei überhaupt nicht begründbar, dass Frauen früher in Rente gehen, meint Wasserfallen. «Das ist der einzige Lichtblick in dieser AHV-Revision: dass das Referenzalter für Frauen und Männer auf 65 festlegt wird.»

Mit der Erhöhung des Rentenalters seien es vor allem die Frauen, welche den Preis bei dieser Revision zahlten, erklärt Schenker. «Dafür sollen sie auch eine Gegenleistung erhalten. Von den höheren Renten werden insbesondere die Frauen profitieren.» Zudem sei die Lohngleichheit nach wie vor nicht garantiert. Es gebe also durchaus eine Legitimation für den bisher geltenden Unterschied.

  • Zahlen dann am Schluss die Jungen für die Alten?

Im Jahr 2030 werde der Fehlbetrag in der AHV 8,8 Milliarden Franken betragen, rechnet Wasserfallen vor. Da müsse man die Notbremse ziehen. Das sei unverhältnismässig. «Wir, die Jungen, müssen es dann mit mehr Lohnprozenten wieder ausgleichen», ist der Nationalrat überzeugt.

«Unsere Generation hat einen wichtigen Beitrag geleistet», kontert Schenker. «Ich finde es nicht mehr als recht, dass es auch eine Solidarität der Jungen gegenüber den Älteren gibt.»

3 Kommentare

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  • Kommentar von Marlies Artho (marlies artho)
    Meine Frage betreffend Verzicht auf die AHV Rente wenn man nicht angewiesen ist, habe ich nicht erhalten. Vermutlich weil dies eher auf Freiwilliger Basis ausgeübt werden kann. Die Erbschaftssteuer ist ein anderes Thema. Mir geht es bei dieser Frage mehr, ob die Bereitschaft der Solidarität dieser Wohlhabenden, gegenüber den Menschen, die das Glück nicht haben, durch Vererbung, Börse, Landverkauf, Immobilienkauf/verkauf besteht, oder ob nur das streben nach noch mehr Reichtum besteht (Gier).
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  • Kommentar von Hans Leuenberger (hansle)
    Viele Junge leben heute von der Hand in den Mund: eine kurze Zeit arbeiten, dann reisen gehen, wieder kurz arbeiten, eine Weiterbildung anschliessen usw. So kommt kaum etwas Zählbares für die Zukunft zusammen. Dieser Lifestil deckt nicht einmal die aktuell anfallenden Kosten. Leider verschulden sich dann noch viele junge Menschen und müssen von der Allgemeinheit über Wasser gehalten werden. Es hilft auch hier nur ein Weg: bescheidener werden, gilt für Alt und Jung.
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    1. Antwort von Mike Steiner (M. Steiner)
      Was erwarten sie von leiten, welche von frühester Jugend an die ideale der selbstbedienungsgesellschaft idealisiert bekommt? In einem alter, in welchem man (geben wir es alle zu!) sowieso mehr dem Kommunismus als der leistungsgesellschaft zuspricht...?
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