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Wahl-Lokal Rentenalter 67 ist kein Tabu mehr

Eine knappe Mehrheit der Nationalratskandidaten sagt Ja zu einer Erhöhung des Rentenalters auf 67. Dies geht aus Daten der Online-Wahlhilfe Smartvote hervor. Noch vor vier Jahren lehnte eine Mehrheit eine Erhöhung ab. Allerdings bleiben die Unterschiede zwischen links und rechts auffallend gross.

Für die Sicherung der künftigen Altersvorsorge stehen drei Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Das Rentenalter auf 67 erhöhen
  • Die AHV-Renten senken
  • Die Renten durch die Mehrwertsteuer finanzieren

Bereits Bundesrat Pascal Couchepin hatte vor über zehn Jahren den Vorschlag für ein Rentenalter 67 gemacht. Er fand damit im Parlament kein Gehör. Auch das Volk verwarf eine Erhöhung mehrmals.

Das war einmal: Wie eine Auswertung der Online-Wahlhilfe Smartvote, Link öffnet in einem neuen Fenster zeigt, ist eine knappe Mehrheit von 50,4 Prozent der Nationalratskandidaten, welche sich am 18. Oktober der Wahl stellen, für ein höheres Rentenalter von 67 Jahren.

«Diese Erhöhung ist tatsächlich bemerkenswert», sagt Politikwissenschaftlerin Silja Häusermann von der Universität Zürich. «Die demografische Bedrohung war bereits in den 1990er-Jahren vorhanden. Das Problem hat sich nicht verschärft seit der gescheiterten Reform 2003», gibt Häusermann zu bedenken. Eine Möglichkeit sei, dass das Thema wohl prominenter auf der Agenda sei als noch 2003.

Aufwärtstrend bei allen Parteien

Am geschlossensten für die Erhöhung des Rentenalters sind die FDP und die GLP. Die freisinnigen Kandidaten sagen mit 91,1 Prozent «Ja» oder «eher Ja» zu einem höheren Rentenalter, die grünliberalen mit 89,1 Prozent.

Und was sagt die politische Linke dazu? Bei den Kandidierenden der Grünen wird ein Rentenalter von 67 Jahren wuchtig abgelehnt. Doch auch bei den Grünen hat das Ja-Lager an Boden gewonnen. 2003 sprachen sich nur 4 Prozent der Grünen-Kandidaten dafür aus, heute sind es bereits 17,6 Prozent.

Die Zustimmung nahm auch in der SP zu – wenn auch weniger stark. «Bei allen Parteien scheint die Akzeptanz gestiegen, bei den linken Parteien jedoch auf viel tieferem Niveau», betont Häusermann.

Röstigraben öffnet sich

In Bezug auf die Sprachregionen gibt es beträchtliche Unterschiede: In der französisch- und italienischsprachigen Schweiz ist eine Erhöhung des Rentenalters auf 67 nicht mehrheitsfähig.

Zustimmung nach Sprachregionen

Deutsche Schweiz
Französische Schweiz
Italienische Schweiz
52.8 %
42.8 %
39.7 %

Grosse Unterschiede gibt es bei den Kandidaten der linken Parteien und der SVP zwischen der West- und der Deutschschweiz – nicht aber bei den bürgerlichen Parteien. 2015 sprachen sich die SVP-Kandidaten in der Deutschschweiz zu 68,9 Prozent dafür aus. In der französischen Schweiz lag der Wert bei 57,5 Prozent. Bei den SP-Kandidaten in der Deutschschweiz sind 7,1 Prozent dafür, während in der SP der Westschweiz nur gerade 4 Prozent für eine Erhöhung sind.

«Bei den linken Parteien entspricht dies den Erwartungen, da die Parteien in der Westschweiz einen stärker ausgebauten Sozialstaat befürworten», sagt Silja Häusermanns Kollegin Denise Traber. Dass der Unterschied auch bei der SVP so gross ist, sei bemerkenswert, vor allem im Vergleich zur CVP und FDP, wo die Unterschiede zwischen den Politikern der beiden Sprachregionen minim sind.

Ältere Generation will nicht länger arbeiten

Mit Blick auf das Alter der Kandidaten zeigt sich: Die Zustimmung für eine Erhöhung des Rentenalters auf 67 ist vor allem bei den 40- bis 49-Jährigen im Schnitt mit 55,7 Prozent hoch. Wer allerdings 50 und älter ist, hält nicht viel davon, länger als bis 65 zu arbeiten.

Erstaunt ist die Politologin über den Wert bei den über 66-jährigen Kandidaten. Die Zustimmung ist bei dieser Altersgruppe bei allen Parteien ausser der SP und den Grünen bei über 80 Prozent.

Offenbar sind die Parlamentarier anderer Ansicht als ihre Wähler: «Jüngste Umfragen in der Bevölkerung zeigen, dass ältere Personen sich eher gegen eine Erhöhung ausprechen», so Häusermann. Bei den Kandidaten spiele wohl die Partei-Ideologie eine grössere Rolle als das eigene Bedürfnis.

So wurde ausgewertet

Die Auswertungen beruhen auf den Antworten der Kandidierenden der Nationalratswahlen von 2003 bis 2015 bei der Online-Wahlhilfe Smartvote. 2003 haben gut 50 Prozent, 2007 rund 84 Prozent und 2011 haben insgesamt rund 85 Prozent der Kandidierenden an der Befragung teilgenommen. 2015 liegt die Teilnahme derzeit bei rund 80 Prozent der über 3700 Kandidierenden (Stand: 07. September 2015). Für die Grafiken wurden «Ja»- und «Eher Ja»-Antworten ein Wert von 100 und «Nein»- und «Eher Nein»-Antworten ein Wert von 0 zugeteilt. Danach wurde die Zustimmung der Kandidierenden nach Parteien ermittelt. Je näher die so berechnete Zustimmung bei 100 liegt, umso stärker ist die Zustimmung zur entsprechenden Frage.

Die Smartvote-Anwendungen

Silja Häusermann

Silja Häusermann ist Professorin für Schweizer Politik und Vergleichende politische Ökonomie am Institut für Politikwissenschaften an der Universität Zürich (IPZ). Sie hat ihre Schwerpunkte unter anderem im Bereich Parteien- und Verbändesysteme.

SRF lädt ins Wahl-Lokal

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Das Thema Altersvorsorge steht am 18. September in Bern einen ganzen Tag lang zur Debatte. Alles zum Wahl-Lokal finden Sie hier.

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37 Kommentare

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  • Kommentar von U.E. Romer (romeru)
    Zur SRF-News Redaktion: Immer das gleiche Sujet von Rentnerbildern: Nichtstun auf dem Bänkli hocken und auf die AHV warten. Die Rentnerinnen und Rentner sind heute selbstbewusste, aktive Menschen und leisten einen beträchtlichen Teil der Freiwilligen-Arbeit und sorgen mit ihren Steuern für gute Schulen und Ausbildungsinstitutionen.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Es gibt immer wieder Leute die meinen, dass die Reichen den Armen entgegenkommen oder auf ihren Teil verzichten sollten. Egal wo so etwas erzwungen würde, der Schuss würde bestimmt hinten hinaus gehen. Die Linken haben ja sowieso das Gefühl, dass jemand der nur ein paar Franken mehr als sie haben, gleich schon reich ist +teilen muss. Wenn nun die Reichen zu einem Verzicht gezwungen würden, würden sie sich einfach an anderer Stelle nicht mehr einsetzen + z.B. kein Geld +keine Zeit mehr spenden.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (Future)
    Das Rentenalter der lohndiskrimierten Schweizer Frauen erhöhen: Eine bodenlose, respektlose Frechheit ausgerechnet derer, welche das Volk abzocken/ausbeuten mit lukrativen politischen Posten, Spesengeldern, VR-Mandaten, einer "fetten" Abgangsentschädigung und lebenslangen, hohen Rente!!! Das ist eine Unverschämtheit "par excellence"!! " leere Wahlversprechen: Freiheit, Sicherheit, Wohlstand, etc, etc für das VOLK"!! Wann handelt das Volk endlich???
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