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Wahlbarometer Bundesratswahl: Volk will Status quo

Bleibt Eveline Widmer-Schlumpf Bundesrätin? Oder wird sie von einem SVP-Kandidaten verdrängt? Im Auftrag der SRG hat das Forschungsinstitut gfs.bern die Stimmbürger zur Bundesratszusammensetzung befragt. Der Status quo schneidet dabei am besten ab.

Nach der Wahl ist vor der Wahl: Wenn am 18. Oktober die Wähleranteile feststehen, kommt es unweigerlich zur Diskussion über die Zusammensetzung des Bundesrates. Bleibt Eveline Widmer-Schlumpf im Amt? Oder wird sie von einem SVP-Kandidaten verdrängt? Auch eine Rückkehr zur Zauberformel ist denkbar.

«Wie sollte ihrer Meinung nach der Bundesrat nach den nächsten Parlamentswahlen parteipolitisch zusammengesetzt sein?» – Im Auftrag der SRG hat das Forschungsinstitut gfs.bern die Stimmbürger zu den folgenden fünf Szenarien für die Gesamterneuerungswahl des Bundesrats befragt:

  • Status quo: 2 SP, 2 FDP, 1 SVP, 1 CVP, 1 BDP
  • Alle grossen Parteien: 2 SVP, 2 SP, 2 FDP, 1 CVP
  • Starke Mitte: 1 SVP, 2 FDP, 2 CVP, 2 SP
  • Allianz von Mitte/Links: 2 SP, 2 FDP, 2 CVP, 1 Grüne
  • BDP auf Kosten SP: 2 SVP, 2 FDP, 1 CVP, 1 BDP, 1 SP

Fazit: Unter den verschiedenen Modellen schneidet der Status quo am besten ab. 29 Prozent der Wahlberechtigten mit fester Teilnahmeabsicht sprechen sich für die bisherige Regierungszusammensetzung aus. Sie folgen damit der wichtigsten Formel bei Bundesratswahlen: Bis ein Mitglied zurücktritt, bleibt alles, wie es ist. Und falls jemand zurücktritt, hat die Partei des scheidenden Regierungsmitgliedes den Vorrang.

«Das Resultat ist nicht überraschend», sagt Politikwissenschafter Claude Longchamp. «In der Schweiz ist es die Regel, dass Bundesräte ihre Rücktritte selber bestimmen sollen.»

Zweiter SVP-Sitz schneidet gut ab

21 Prozent der Teilnahmewilligen bevorzugen eine neue Zusammensetzung des Bundesrates. Die Exekutive soll dabei der veränderten Parteienlandschaft gerecht werden. Die drei grössten Parteien SVP, SP und FDP bekämen je zwei Sitze.

Legende: Video «Druck auf Widmer-Schlumpf würde nicht geringer werden» abspielen. Laufzeit 01:11 Minuten.
Aus News-Clip vom 07.10.2015.

Ein Sitz würde auf die CVP entfallen. Konkret: Der BDP-Bundesratssitz ginge an die SVP. «Wenn sich die Ergebnisse des Wahlbarometers bestätigen und die rechten Parteien gestärkt werden, wird der Druck auf Eveline Widmer-Schlumpf nicht geringer», sagt Longchamp.

Eine Rückkehr zur Zauberformel, welche bis 2003 bestand, ist für 15 Prozent der Teilnahmewilligen die beste Option. Demnach müsste die BDP-Vertreterin in der Bundesregierung ihren Sitz räumen oder es käme nach einer Absprache unter den Parteien zu einer Abwahl. Der freiwerdende Sitz würde an die CVP übergehen.

Weniger populär ist die Abkehr von parteipolitisch breiten Allianzen im Bundesrat. 12 Prozent der Teilnahmewilligen sprechen sich für eine Mitte-links-Regierung aus. 13 Prozent der Befragten äusserten gar keine Präferenz.

Wahlkampf: Bundesratswahl nicht entscheidend

«Im Wahlkampf war die Bundesratswahl kein entscheidendes Element», erklärt Longchamp. «Die SVP hat nach 2011 begriffen: Je mehr sie darüber spricht, umso mehr mobilisiert sie eine Gegenreaktion. Und das will sie bei diesen Wahlen eindeutig vermeiden.»

Klar bleibt: Über die Bundesratszusammensetzung entscheidet am 9. Dezember die Vereinigte Bundesversammlung und nicht das Volk. Longchamp: «Wir wissen noch nicht abschliessend, wie der neue National- und Ständerat aussehen wird.»

Politikwissenschafter Vatter zur Wahlchance von Widmer-Schlumpf

«Falls Eveline Widmer-Schlumpf am 9. Dezember wieder antritt, hat sie durchaus passable Chancen, dass sie knapp wiedergewählt wird. Wenn sie nicht mehr antritt, dann wird es eine sehr knappe Sache zwischen der SVP und einem Mitte-Sitz, vermutlich einem CVP-Sitz. Ich denke, dass Eveline Widmer-Schlumpf nochmals antreten wird, falls die BDP mindestens fünf Prozent Wähleranteile erreicht.» Das sagt Adrian Vatter gegenüber der «Tagesschau».
Legende: Video Trends und Analysen zum letzten Wahlbarometer vor dem Urnengang abspielen. Laufzeit 11:07 Minuten.
Aus Wahlbarometer vom 07.10.2015.

Eckwerte des Wahlbarometers

Die Umfrage wurde im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 23. und 30. September 2015 durchgeführt. Befragt wurden 2011 Personen. mehr

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40 Kommentare

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  • Kommentar von Marlies Artho (marlies artho)
    T. Steiner Sie sagen, dass Ch.Blocher abgewählt wurde weil er unqualifiziert war. Von wegen unqualifiziert wer bestimmt dies.Wie ich leider damals Feststellte bei der Wahl von Ch.B. 2003,wie Christine Goll SP damals ausrief und sagte wir werden der SVP Steine in den Weg legen. Leider scheint mir dies heute noch so. SVP bekommt keine Unterstützung von allen, warum bloss? Egal wie es heraus kommt, aber ich habe einfach Mühe wenn man nicht ehrlich ist und glaubt die Bevölkerung sehe nicht was läuft
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  • Kommentar von Pavol Vojtyla (Habe Sozialismus erlebt)
    Mir scheint das Konkordanz-Prinzip nur fuer gute Zeiten in Ordnung zu sein. Die Exekutive muss handelsfaehig sein um etwas zu bewegen. Es macht keinen Sinn ein zweites Zwergsparlament zu haben. Das Parlament und das Volk nach der Mehrheit entscheidet und die Exekutive fuehrt es aus. So funktioniert es in anderen demokratischen Laendern. Glauben Sie, dass Syriza eine haelfte der Konservativen in der Regierung dulden wuerde, obwohl das Wahlresultat fast 50:50 war?
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Es kommt draufan, welches "Volk" den Status quo will. Es ist das Volk, welches unbedingt Eveline Widmer Schlumpf im Bundesrat behalten möchte und die SVP weiterhin nur mit einem Vertreter in der Landesregierung haben möchte. Alles klar?
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    1. Antwort von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
      Die SVP hatte zwei Vertreter im Bundesrat, aber weil sie die Bundesvollversammlung nicht erpressen konnte, musst sie eine ganze Kantonalsektion aus der Partei werfen, um behaupten zu können, sie hätten nur 1 Bundesrat. Alles klar?
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    2. Antwort von u. Felber (Keule)
      Herr Steiner, HATTE! Sehr richtig, und für eine kurze Zeit auch von vielen Geduldet. JETZT ist aber der Zeitpunkt gekommen die BDP aus dem Bundesrat zu werfen und Farbe zu bekennen. Diese Querleger und Windfahnen Partei hat nicht einmal 5% der Stimmen und hat deshalb nie und nimmer Anspruch auf einen BR!
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    3. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      Äxgüsi T. Steiner aber bei der letzten Bundesratswahl war E.W. nicht mehr eine SVP Vertreterin,sondern eine BDP eine der kleinsten Parteien. Wieso behaupten Sie denn jetzt von Erpressung.Das Gegenteil ist doch der Fall,diese Frau hatte die SVP hintergangen,um so in den Bundesrat zu kommen,ohne sich gross zu bewähren,da sie von dem Parlament, damals CVP, SP, teil der FDP und GLP unterstützt wurde,durch Intrigen dieser Parteien. So wurde noch nie eine unbekannte Person in den Bundesrat gewählt.
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    4. Antwort von S. Meier (SM)
      Frau Zelger, sie glauben aber nicht im Ernst, dass gfs vor der Umfrage wusste wie die Befragten jeweils wählen und diese selektiv für die Umfrage ausgewählt wurden? Ich wurde übrigens auch nicht gefragt bei dieser Umfrage und bin mit dem Status Quo alles andere als zufrieden. Will aber trotzdem nicht 2 SVP Bundesräte in Bern haben.
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