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Wahlen15 Wahlhilfe Christian Levrat – Happy-End oder böses Erwachen?

Ein leidenschaftlicher Politiker, Schachspieler, Radfahrer: So beschrieb sich Christian Levrat, als er 2011 bei Roger Schawinski war. Und: «Ich will jede Situation bis zum Schluss analysieren. Eine meiner Lieblingsfragen ist: wie endet der Film?» Gaudenz Wacker sprach mit Christian Levrat darüber.

Der Film ging in den letzten vier Jahren nicht immer so aus, wie sich das Christian Levrat erhofft hatte – vor allem bei Abstimmungen. Ein Happy-End gab es für die SP zwar noch bei den Zweitwohnungs- und Abzocker-Initiativen oder beim Gripen-Referendum, wo die SP im Siegerboot mit drin sass. Böse endete aber eine ganze Serie von Abstimmungen – Stichworte: 1:12, Mindestlohn, Einheitskrankenkasse, Pauschalbesteuerung, Erbschaftssteuer.

Eine kapitale Niederlage nicht nur für die SP, aber auch, bedeutete das Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative. Levrats Strategie vor der Abstimmung hatte gelautet: Freien Personenverkehr gibt es nur, wenn Arbeitnehmende im Inland besser geschützt werden. Die SP benutzte die SVP-Initiative als Druckmittel, um eigene innenpolitische Forderungen aufs Tapet zu bringen.

Levrat habe so fast für die Initiative geworben, musste er sich nach dem 9. Februar anhören. Und heute? Er bleibt dabei: «Was ist die Alternative? Zu sagen, die Personenfreizügigkeit mache alle glücklich und das Paradies liege in der EU?» Das klang bei der SP allerdings auch schon begeisterter.

Geht die Taktik auf?

Levrat spricht viel vom angeblichem Kulturkampf zwischen Links und Rechts. Dabei geht es dem SP-Präsidenten strategisch nicht zuletzt darum, die SVP zu isolieren. Levrat will SVP und FDP auseinanderdividieren und damit eine neuerliche Mehrheit der beiden Parteien im Bundesrat wie zu Zeiten von Christoph Blocher und Hans-Rudolf Merz verhindern.

Umgekehrt hat die SP in der vergangenen Legislatur fallweise erfolgreich mit den Mitteparteien zusammengearbeitet, etwa bei der Energiewende. In der Schweiz dominiere Mitte-Links, tönt es daher von rechts. Levrat winkt ab: Eine Mitte-Links-Mehrheit gebe es weder im Bundesrat noch im Parlament.

Levrat, der Stratege, der Finten des Gegners antizipieren will. Offen ist, ob seine Taktik für den Wahlherbst aufgeht – eben die Heraufbeschwörung eines Kulturkampfs. Oder die prononciert linken Forderungen, wo doch die SP-Wählerschaft zunehmend gut gebildet und mittelständisch geprägt ist. Wie geht der Film aus? Der Abspann läuft spätestens in fünf Monaten. Nach den Bundesratswahlen.

Kurzporträt

Christian Levrat (*1970), Jurist, Gewerkschafter. Startete bei den Jungfreisinnigen, wechselte dann zur SP. 2003 in den Nationalrat gewählt, 2012 als Nachfolger von Alain Berset in den Ständerat. Seit 2008 Präsident der SP Schweiz. Hobbys: Schachspielen, Velofahren.

14 Kommentare

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  • Kommentar von Rene Minder, Rapperswil
    Leuvrat...nein danke!
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  • Kommentar von L.Leuenberger, Zürich
    Herr Levrat, sorgen Sie endlich dafür, dass in der CH Inländervorrang gilt und dass Firmen, die nachweislich keine CH Arbeitnehmer finden, die ausl. Arbeitskräfte erst dann holen. Sorgen Sie dafür, dass die Einwanderer 1 Jahr in der CH arbeiten, bevor sie Eintritt in die Sozialwerken bekommen. Auch die Selbstverständlichkeit des Eintrittes in die Krankenversicherung sollte erst nach einem Jahr erfolgen, oder durch den Arbeitgeber finanziert wird. Das wäre handeln im Sinne des CH Volkes.
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    1. Antwort von O. Toneatti, Bern
      Leuenberger@ Ihre frommen Wünsche in Gottesohr. Aber diese Probleme, die Sie anführen, haben die bürgerlichen Parteien verursacht. Diese haben seit über 50 Jahren die vielen ausländischen, billigen und rechtlosen Arbeitnehmer in die Schweiz geholt. Und diese bürgerlichen Parteien haben seit 1840 in der Schweiz eine ununterbrochene, grosse Mehrheit in unserem Schönwetterparlament in Bern. Meinen Sie nicht auch?
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  • Kommentar von Ch. Gerber, Basel
    Ich beobachte viele Politiker in Sendungen und in Artikeln. Herr Christan Levrat lebt nach meiner Meinung in einer Rosaroten-Welt. Die Realität will er nicht wahrhaben. In Sendungen wie z.B. Arena fällt dieser anden ins Wort und hält an seinen Argumenten fest, obwohl diese entrkräftet wurden. Charakterzüge fehlen. Fazit: Ein böses Erwachen ist wahrscheinlicher, den die Schweizer Bürger sind nicht dumm, die merken wenn der Schuh klemmpt und realisieren die Probleme die wir haben.
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