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Wahlen15 Wahlhilfe Toni Brunner – von «Blochers Zögling» spricht niemand mehr

Aus dem einst jüngsten Nationalrat ist längst ein gestandener Politiker geworden. Einer, der seine Partei auch durch Krisen führen musste. Wir haben Toni Brunner eingeladen zum Rendez-vous mit der Vergangenheit. Der SVP-Chef und seine Partei im Porträt von Dominik Meier.

Toni Brunner ist ein Kommunikationstalent. Der Chef der Schweizer Volkspartei (SVP) weiss, dass er gut rüberkommt – und er hilft gerne nach: Seine Fernseh-Interviews gibt er vorzugsweise im Stall oder vor dem Toggenburger Bergpanorama. Die Kulisse ist Teil der Botschaft – sie vermittelt Bodenständigkeit, Heimatgefühle und Geborgenheit.

In der SVP steht ihm der wohl stärkste Parteiapparat der Schweiz zur Seite: Erfahrene Strategen in der Parteizentrale – graue Eminenzen wie der Vize-Präsident Walter Frey und Christoph Blocher.

Wie viel hat Toni Brunner zu sagen in der Partei? Seine Stellung hat er sich offenbar erkämpfen müssen: «Eine gewisse Autorität muss auch erarbeitet werden. Und gerade in der SVP, wo man auch immer gegen Vorurteile anzukämpfen hat, wer hier das Sagen habe, muss man damit umgehen können.»

So spricht schon längst niemand mehr von «Blochers Zögling». Und mit seiner Partei ist der 40-Jährige auf Erfolgskurs. Nur eines hat er zwei Mal nicht geschafft: Die Wahl in den Ständerat.

Im November vor vier Jahren verliert er gegen Paul Rechsteiner von der SP. Nach der Nicht-Wahl klingt er frustriert: «Paul Rechsteiner hat weit in die FDP und CVP hinein Stimmen gemacht.» Das zeige, dass Mitte-Parteien heute bereit seien einen Gewerkschaftsboss zu wählen und nicht einen bürgerlichen Kandidaten, so Brunner.

Der grosse Coup vom Februar 2014

Am 9. Februar 2014 gelingt der SVP der Coup. Volk und Stände sagen Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative. Der Glanz des Sieges überstrahlt interne Konflikte – den Zwist etwa zwischen Gewerbe- und Bauern-Politikern sowie aufstrebenden Akademikern.

Die Ausländer- und EU-Politik wirkt als Klammer. In der Asylpolitik verschärft die SVP den Ton. Letzten Herbst werfen ihr SP und BDP «faschistoide Tendenzen» vor. Der Vergleich mit den Faschisten habe ihn verletzt, sagt Brunner. «Jeder, der mich persönlich kennt, weiss, dass ich mit diesen Leuten nichts am Hut habe.»

Kurzporträt

Toni Brunner (*1974), Landwirt. 1992 Gründungsmitglied der SVP St. Gallen. 1995 als damals jüngstes Mitglied in den Nationalrat gewählt. Von 1998 bis 2008 Präsident der SVP des Kantons St. Gallen. 2000 bis 2008 Vizepräsident der SVP Schweiz. Seit 2008 als Nachfolger von Ueli Maurer Präsident der SVP Schweiz. Rücktritt per 23. April 2016. Hobbys: Skifahren, Fussball, Wandern, Lesen und Geselligkeit.

Blick auf die SVP

31 Kommentare

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  • Kommentar von J.Baltensperger, Zürich
    An alle Kommentatoren, welche denken, man brauche keine theoretische Ausbildung um ein Land zu führen - würden sie sich von einem Velomechaniker den Blinddarm operieren lassen? Ich selbst wenn sie mir versichern, dass der Velomechaniker sehr geschickt ist, einen gesunden Menschenverstand hat und Erfahrung mit heiklen Reparaturen besitzt. Ich bevorzuge eine Person, welche die Materie gründlich studiert hat. Herr Brunner ist politisch gesehen der Velomechaniker im Operationssaal.
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Aber das Fundament unserer Direkten Demokratie ist eben durch Bauern inkl. Handwerker entstanden. Vorher hatten wir hier nur die Diktatur der gebildeten Herren, welche übers Land herrschten. Ihrer Argumentation darf man entnehmen, dass Sie die Idee der Direkten Demokratie nicht verstanden haben. Und man schaue in alle anderen Demokratien, wo Politiker mit "theoretischer Ausbildung" das Sagen haben & wie diese ihre Länder in Grund & Boden wirtschaften. Also dann lieber Velo-Mechaniker.
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  • Kommentar von Eugen Baumgartner, 4153 Reinach BL
    Zu meiner Lehrzeit, und bis zum Ende der 1960 ziger Jahren war ich ein gutes Parteimitglied der SP. Helmut Hübscher hat als Gewerkschafter und SP Politiker für anständige Löhne der Arbeiter gesorgt! Heute hat die arbeitende Unterschicht kaum noch etwas auf dem Teller, daher bin ich seit geraumer Zeit ein freier Parteiloser. Es sind eben viele erboste, und unzufriedene Menschen die SVP wählen. Der Nationalrat Fehr hat bei der Abgabe des SP Präsidiums die Konfrontation gegen die SVP bemängelt.
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  • Kommentar von p.taylor, lugano
    Volksnähe? Wenn das ist dass man vorwiegend von landwirtschafts Subventionen, überrissenen Spesen als Parlamentarier sowie Aussichten auf eine hohe Alterafürsorge, weil Parlamentarier, hat und dies alles von Steuergeldern, dann ist hat man in dem Sinn wirklich Volkshähe, man lebt ja davon.
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