Zum Inhalt springen

Wahlkampf «Die erneuerbaren Energien werden am Landschaftsschutz scheitern»

Ist der Atomausstieg eine beschlossene Sache oder fehlt dazu inzwischen die Betroffenheit? Drei ehemalige Parlamentarier und Politpersönlichkeiten diskutieren in der «Freitagsrunde» in Luzern die Herausforderungen der Energiestrategie 2050.

Vor vier Jahren war Fukushima in aller Munde – heute ist die Katastrophe in den Hintergrund gerückt. Droht nun in der Schweiz der Ausstieg aus dem Atomausstieg?

In der «Freitagsrunde» diskutieren in Luzern drei ehemalige Parlamentarier die Herausforderungen der Energiepolitik:

  • Cécile Bühlmann, Alt-Nationalrätin Grüne/LU und Stiftungsratspräsidentin für Greenpeace Schweiz
  • Erika Forster, Alt-Ständerätin FDP/SG und Stiftungsrätin des Landschaftsschutz Schweiz
  • Carlo Schmid, Alt-Landammann CVP/AI und Präsident der Eidgenössischen Elektrizitätskommission des Bundes.

«Der Atomausstieg ist keine beschlossene Sache»

Zurzeit ist die Situation folgende in der Schweiz: Die laufenden Atomkraftwerke bleiben vorerst am Netz. Bei Bedarf können ihre Einzelteile auch ersetzt werden. Droht nun ein «Ausstieg aus dem Ausstieg»? Für Cécile Bühlmann steht fest, dass der Ausstieg kommen wird. Die Frage sei wann und ob man dazu die Laufzeit der Kraftwerke beschränken müsse.

Dem entgegnet Carlo Schmid: «Der Atomausstieg ist keine beschlossene Sache. Es gibt zwar einen Beschluss des Bundesrates und einen Beschluss der Räte, doch einen Volksbeschluss gibt es nicht.» Beschlossen sei derzeit nur, dass keine neuen AKWs gebaut und die bestehenden weitermachen würden.

Bühlmann findet das sehr problematisch: «Wir haben den ältesten AKW-Park der Welt. Alle technischen Produkte werden mit der Zeit unsicher. Deshalb bedeutet Beznau ein Hochrisiko und muss sofort vom Netz.»

«Niemand weiss, wohin mit der verseuchten Erde»

Für Erika Forster gibt es hingegen keinen Grund zur Panik: «Fukushima und Mühleberg sind zwar derselbe Reaktortyp, die Sicherheitsvorkehrungen unterscheiden sich jedoch stark. In Japan wurde nicht nachgerüstet. Ausserdem wurde der Reaktor nahe am Meer gebaut.»

Cécile Bühlmann findet, dass die Schweiz dennoch nicht genug von Fukushima lernen könne. «Bis heute wurde kein Problem gelöst. Es arbeiten immer noch 100 Personen auf der Baustelle und niemand weiss, wohin mit der verseuchten Erde.»

«Mir ein Windrad lieber als alle Risiken der Atomkraft»

Der Atomaussteig ist nur ein Aspekt der Energiewende. Auch an der Frage, wie fehlende Energie ersetzt werden soll, scheiden sich die Geister. Carlo Schmid rechnet vor, dass es 9000 Solaranlagen in der Grösse des Berner Stade de Suisse bräuchte, um die fehlende Energie zu erzeugen. «Die Energiefreundlichkeit wird am Landschaftsschutz scheitern», ist Schmid überzeugt.

Erika Forster pflichtet Schmid bei: «Ich habe Mühe mit der Vorstellung, dass man die erneuerbaren Energien dem Naturschutz gleichsetzt. Der Landschaftsschutz ist dann gewissermassen ausgehebelt.»

Für Cécile Bühlmann geht es bei der Frage nach dem Ersatz der Atomenergie um eine Güterabwägung. «Wenn ich bedenke, was die Atomenergie für negative Folgen hat – von den Uranminen bis hin zur Frage der Endlagerungen – dann ist mir ein Windrad lieber als alle Risiken der Atomkraft.»

Zahnlose Lenkungsabgaben?

Neben Förderinstrumenten zur Stromproduktion sollen auch Lenkungsabgaben helfen, den CO2-Ausstoss zu verringern. Allerdings sollen diese nur auf Brenn- und nicht aber auf Treibstoffe, sprich Benzin, entfallen.

Erika Forster und Cécile Bühlmann finden diese Beschränkung falsch. Benzin solle zwingend zur Reduktion des CO2-Austosses besteuert werden.

Anders sieht dies Carlo Schmid, der regionalpolitische Aspekte geltend macht. «Es kann nicht sein, dass Leute besteuert werden, wenn sie in abgeschiedenen Bündner Tälern mit dem Auto zur Arbeit fahren.»

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von N. Schmid (Schmid)
    Die Siedlungsfläche der Schweiz beträgt 407 m^2 pro Einwohner: http://ow.ly/Rzo9k Wenn lediglich 5% dieser verbauten Fläche mit Photovoltaikmodulen belegt wird, dann entspricht das bereits einer Leistung von 25.3 GW (bei nur 15% Wirkungsgrad). Damit kann bei Schweizer Wetterverhältnissen rund 25 TWh erzeugt werden (=Nukleare Stromerzeugung der Schweiz). Bayern hatte übrigens bereits 2014 die PV-Leistung von über 8'000 Stade de Suisse PV-Anlagen auf den Dächern installiert: http://ow.ly/Rzp3B
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Liebe Solarpanel-Hersteller, warum macht Ihr nicht Solarpanels, die wie Ziegel aussehen, wie Ziegel gesetzt werden koennen und wie Ziegel ausgewechselt werden koennen. DAS ist technisch sicher leicht zu loesen und auch Kostenmaessig akzeptabel. Und der Landschaft, Himat, und weis was wer Schutz haette keine Handhabe mehr, ja natuerlich den anderen el Herstellern taete so eine Superloesung nicht passen,aber EUREM Portemonnaie sollte das doch mehr als sehr gut tun, ALSO MACHT!!!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Kurt Schrag (Hüo)
    Es gibt keine erneuerbare Energie. Energie kann man nicht produzieren, vernichten oder erneuern. Da haben viele, auch angeblich gescheite Leute im Physikunterricht nicht aufgepasst. Die Summe aller Energie im Universum ist konstant. Energie fliesst immer in Richtung der niedrigeren Temperatur und in einigen Billionen Jahren wird das ganze Universum auf 0,0000........0001 °K abgekühlt sein weil es sich immer mehr ausdehnt. Die Energie muss sich auf einen immer grösseren Raum verteilen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen