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Wahlkampf Wahlkampf im Netz: SVP schlägt andere Parteien deutlich

Wie häufig wird im Netz über Parteien geredet, und wie interagieren die User? SRF News hat sämtliche Schweizer Newsportale sowie die relevanten Social-Media-Portale im Zeitraum der letzten drei Monate analysiert.

Die Polparteien SVP und SP – wen wunderts – schwingen in den News-Portalen obenaus: Sie wurden in den letzten drei Monaten mit Abstand am meisten erwähnt (Grösse der Punkte). Den zwei grössten Parteien folgen FDP und CVP. Abgeschlagen sind BDP, GLP, Grüne und die EVP.

Auch in der Reichweite führen SVP und SP. Die Reichweite ist die potentielle Leserschaft aller Beiträge innerhalb der gemessenen Zeit.

Die SVP übertrifft die anderen Parteien allerdings deutlich bei den Leser-Interaktionen wie Shares, Likes, Kommentaren, Retweets, Favorites: Die Partei verzeichnet in Newsportalen etwa doppelt so viele Reaktionen wie jeweils FDP, SP oder CVP.

Grundsätzlich lässt sich sagen: Die Erwähnung in den Medien entspricht in etwa der Wähler-Stärke der Parteien gemäss dem letzten SRG-Wahlbarometer von Ende August. SVP und SP werden in den Medien proportional gar weniger oft als die anderen Parteien erwähnt, wenn man die Zahl der Medienbeiträge mit dem Stimmen-Anteil vergleicht. Mit anderen Worten: Die SVP, die im Wahlbarometer einen Wähleranteil von 28 Prozent hat, erreicht bei der Anzahl Mediendokumente lediglich einen Anteil von 25,2 Prozent. Die GLP mit einem Wähleranteil von 4,3 Prozent hingegen erreicht bei der Anzahl Medienbeiträge einen Anteil von 6,4 Prozent.

«Aufgrund eigener Analysen wissen wir: Kleinere Parteien werden deshalb relativ häufig genannt, weil Journalisten in der Wahlkampfphase sensibilisiert sind, einem breiten Spektrum an Akteuren Aufmerksamkeit zu schenken», sagt Mediensoziologe Linards Udris vom Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich. «Die kleinen Parteien werden aber typischerweise eher am Rande eines Artikels genannt, sie sind also selten der Anlass der Berichterstattung. Es dominieren die grossen Parteien», so Udris.

Ebenfalls eine Sonderrolle nimmt die SVP bei den Social-Media-Plattformen Facebook, Twitter, Youtube und Instagram ein. Hier ist die Dominanz der wählerstärksten Partei offensichtlich: Die SVP wird in Social-Media-Dokumenten etwa doppelt so oft erwähnt wie die SP (Grösse der Punkte). Die FDP folgt der SP mit kleinem Abstand. Alle anderen Parteien spielen auf Social-Media eine untergeordnete Rolle.

Allerdings zeigt sich auch bei den Social-Media-Plattformen ähnlich wie schon bei den Newsportalen: Die SP ist in der Reichweite top. Die SVP folgt der SP mit etwas Abstand.

Ein starkes Indiz für die Wahrnehmung sind die User-Interaktionen: Auf den Social-Media-Plattformen lösen Dokumente mit SVP-Erwähnung fast doppelt so viele Leserreaktionen aus wie jene von der SP. SVP-Dokumente scheinen also das grössere Aufreger-Potential zu haben. Dies bestätigt SRF-Social-Media-Redaktor Konrad Weber.

«Es fällt auf, dass auf Social Media vor allem die Polparteien durch ihre pointierten Positionen für Reaktionen sorgen können. Allen voran hat es die SVP in diesem Wahlkampf geschafft, mit einzelnen gezielten Aktionen zahlreiche Interaktionen auszulösen», sagt Weber.

Auffallend ist das Engagement der SVP auf Facebook. Hier schwingt die Partei obenaus, sowohl was die Anzahl Erwähnungen (Grösse der Punkte) in Posts angeht als auch die Reaktionen darauf: Im Vergleich zur SP wird die SVP mehr als doppelt so oft erwähnt und erhält fast doppelt so viele Reaktionen darauf. Dafür hat die SP auf Facebook die bessere Reichweite.

«Mit über drei Millionen Usern ist Facebook die grösste Social Media-Plattform in der Schweiz. Obwohl sich die Parteien nur zaghaft auf dieser Plattform betätigen, schafft es die SVP auch hier mit einem Netz von einzelnen Unterstützern, ihre Botschaft schnell und effektiv im Netz zu verbreiten», sagt Social-Media-Redaktor Weber.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auf Twitter. Hier schlägt die SVP alle anderen Parteien sowohl in Anzahl Tweets, in denen die Partei erwähnt wird, wie auch in Reichweite dieser Tweets oder den Reaktionen darauf. SP und FDP folgen mit einigem Abstand. Alle übrigen Parteien performen auf Twitter und Facebook ähnlich schwach.

Das Twitter-Bild ist erstaunlich. Denn: «Mitte-Links ist im Gegensatz zur SVP um einiges aktiver auf Twitter. Trotzdem gelingt es jenen vereinzelten SVP-Politikern auf Twitter regelmässig Themen zu lancieren und Debatten anzustossen», so Weber.

«Emotionen spielen eine grosse Rolle»

Warum wird die SVP öfter als andere Parteien im Netz diskutiert, geteilt, geliket? «Generell scheinen die Menschen in Social Media denjenigen Themen besondere Resonanz zu schenken, bei denen Emotionen eine grosse Rolle spielen», sagt Mediensoziologe Linards Udris.

Politische Akteure, die um solche Mechanismen wüssten, die Emotionen bewirtschafteten und Provokationen als Stilmittel einsetzten – exakt mit dem Ziel, Reaktionen auszulösen – hätten also besonders gute Chancen, im Netz diskutiert zu werden so Udris weiter.

(Sendebezug:«Parteien im Vergleich», 21.9 - 1.10.)

Die Analyse

Die Resultate der Analyse stammen aus dem Online-Monitoring-System von Talkwalker. Die Daten im Artikel beziehen sich auf die letzten drei Monate.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Auf das Wahlbarometer im Netz ist Verlass, nicht ab der auf die Statistik von SRF, worin Philipp Müller obenauf schwingt.
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  • Kommentar von Christine Näf (Skulltarget)
    Das die EU nur Spielfeld für machthungrige Politiker ist wohl ersichtlich. Sie haben kein Recht das Vertrauen ihrer Wähler zu missbrauchen und sie in den Ruin zu führen.Wir haben die Verantwortung unseren Kindern eine Zukunft in Freiheit zu bewahren. Glaubenskriege und Schulden sind keine Zukunft!!!
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  • Kommentar von Christine Näf (Skulltarget)
    Vorallem beneidet man uns um unseren Mut zu sagen was wir wollen und nicht wollen. Was wir sicher nicht wollen ist das Faustrecht in unserem Land und wir wollen doch nicht irgendwann in naher Zukunft Bürgerwehren bilden müssen um uns schützen zu können. Die Schweiz ist unsere Heimat und hier haben unsere Eltern und Grosseltern gearbeitet um uns eine sichere Zukunft zu ermöglichen. Das sollten wir für unsere Kinder erhalten. Die EU ist eine mod. Diktatur u. Spielplatz für Machthungrige Politiker
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