Zweite Hochrechnung: Rechtsrutsch im Nationalrat

Der Nationalrat rückt nach rechts. Freuen darf sich das rechtsbürgerliche Lager – allen voran die SVP: Mit 29,5 Prozent der Stimmen könnte sie laut Hochrechnung ein historisches Wahlergebnis erreichen. Die Gewinne der Rechtsbürgerlichen gehen zulasten der «neuen Mitte» aus CVP, GLP und BDP.

  • Die SVP ist Wahlsiegerin: Sie gewinnt mit einem historischen Wahlerfolg 11 Sitze dazu
  • Die FDP kann nach 36 Jahren stetigem Abwärtstrend wieder im Nationalrat zulegen. Sie gewinnt 3 Sitze
  • Die «neue Mitte» aus CVP, GLP und BDP geht deutlich geschwächt aus den Wahlen hervor. Insgesamt verliert der Mitte-Block gegenüber der letzten Legislatur 8 Sitze
  • Die Ratslinke geht geschwächt aus den Wahlen hervor. Die SP bleibt zweitstärkste Kraft im Parlament, verliert aber 2 Sitze. Deutliche Verluste müssen die Grünen hinnehmen: Sie verlieren 5 Sitze

Die Kräfteverhältnisse im Nationalrat verschieben sich in der nächsten Legislatur nach rechts, und zwar massiv. Dies bestätigen auch die Ergebnisse der zweiten nationalen Hochrechnung. Verantwortlich für das Erstarken des rechtsbürgerlichen Lagers ist vor allem die SVP. Sie legt nach den ersten Hochrechnungen aus den Kantonen zu – und zwar auf breiter Front.

Die SVP kann mit neu 65 Sitzen ihre Vertretung während der Legislatur 2007-2011 (62) übertreffen. Und schafft das gemäss der zweiten Hochrechnung mit einem historischen Ergebnis: Sie holt satte 29,5 Prozent der Stimmen. Sie übertrifft damit nicht nur ihr bisheriges Rekordergebnis von 2007 (28,9 Prozentpunkte) – sie könnte auch das beste Wahlergebnis überhaupt seit Einführung des Proporzes 1919 realisieren.

Auch FDP holt sich Sitze zurück

Die neu erwachte und erwartete Wählergunst für die FDP schlägt sich in einem Stimmenzuwachs von 1,2 Prozentpunkte gegenüber den Wahlen von 2011 (15,1%) nieder. Ihre Vertretung im Parlament wächst um 3 Sitze. Sie kann ihren seit 36 Jahren anhaltenden Abwärtstrend im Nationalrat erstmals stoppen. Damit können die Freisinnigen nach Wahlerfolgen auf kantonaler Ebene auch bundesweit zulegen.

Gesamthaft kann das rechtsbürgerliche Lager seine bei den Wahlen 2011 erlittenen Verluste wettmachen – und sogar noch mehr: In der Legislatur 2007-2011 vereinigten SVP und FDP 94 Sitze auf sich. Neu sind es 98 Sitze. Mit den beiden Vertretern der Tessiner Lega und dem Nationalrat des MCG aus Genf nimmt das rechtsbürgerliche Lager gar 101 Sitze ein – sollte sich dies bestätigen, wäre dies die absolute Mehrheit im Parlament.

Die «neue Mitte» muss Verluste hinnehmen

Federn lassen musste die politische Mitte aus CVP, GLP und BDP: Die Gewinne der Rechtsbürgerlichen gehen vorderhand zulasten der Grünliberalen. Sie verlieren 6 ihrer bisherigen 12 Sitze in der grossen Kammer. Die BPD hat gemäss Hochrechnung neu 8 Vertreter im Nationalrat, sie verliert 1 Sitz.

Schliesslich schickt künftig auch die CVP einen Parlamentarier weniger nach Bundesbern – obwohl sie 0,2 Prozentpunkte zulegen konnte. Der Aufschwung der Mitteparteien bleibt damit ein Intermezzo: die Kräfteverhältnisse im Nationalrat gleichen sich an diejenigen der Legislatur von 2007-2011 an.

Geschwächte Ratslinke

Relativ stabil ist die Wählergunst für die Sozialdemokratie. Sie bleibt klar zweitstärkste Partei im Land (18,9 %, +0,2 Prozentpunkte). Doch auch sie muss 2 Sitzverluste hinnehmen. Besonders bitter dürfte für die SP indes das Wiederstarken des rechtsbürgerlichen Lagers im Parlament sein, das künftige Allianzen mit dem Mitte-Lager erschweren wird.

In schlechter Erinnerung wird der Urnengang im grünen Lager bleiben. Es muss in der kommenden Legislatur mit deutlich weniger Sitzen auskommen. Seine Vertretung in Bundesbern schrumpft von 15 auf 10 Sitze. Das rot-grüne Lager geht damit gesamthaft betrachtet geschwächt aus den Wahlen hervor.