Grüne Aargau wollen Sitz im Nationalrat retten über den Ständerat

Geri Müller zieht sich nach der Nacktbild-Affäre aus der nationalen Politik zurück. Nun muss eine andere Person den Wahlkampf der Aargauer Grünen anführen. Am Dienstag hat die Partei die Weichen gestellt. Neben Parteipräsident Jonas Fricker soll Ständeratskandidatin Irène Kälin zum Zugpferd werden.

Den Aargauer Grünen fehlt ein bekannter Name für die nationalen Wahlen im Herbst. Noch bis vor einigen Monaten sah die Situation anders aus. Der langjährige und national bekannte Nationalrat Geri Müller sollte die Aargauer Grünen in den Wahlkampf führen. Die Grünen hofften, mit Müller und einem weiteren Kandidaten auf neu zwei Sitze im Nationalrat.

«  Wir haben keinen DJ Bobo, wir haben keinen Geri Müller mehr. »

Jonas Fricker
Parteipräsident Grüne Aargau

Nach dessen Nacktselfie-Affäre präsentiert sich die Situation nun jedoch völlig anders. Geri Müller kandidiert nicht mehr für den Nationalrat, sondern konzentriert sich auf sein Amt als Stadtammann von Baden. Die Partei muss auf neue und weniger bekannte Namen setzten.

Neuer Name für die Stöckli-Kandidatur

Am Montagabend konnten die Mitglieder der Aargauer Grünen zwischen den beiden Grossräten Robert Obrist und Irène Kälin entscheiden. Jemand von ihnen soll für die Grünen in den Kampf um einen Ständeratssitz ziehen.

Obrist sitzt dabei gerade einmal seit einem Jahr im Aargauer Kantonsparlament. Selbst innerhalb der Grünen sagt der Namen vielen nichts. Ein wenig bekannter ist 27-jährige Irène Kälin. Sie sitzt seit 2010 im Aargauer Kantonsparlament und ist dort Co-Fraktionspräsidentin.

Mehr Bekanntheit und mehr Erfahrung also. Dies dürfte dann auch dafür verantwortlich gewesen sein, dass die Parteibasis sie am Montagabend mit grossem Mehr als Ständeratskandidatin nominierte.

«  Für mich ist das erste und wichtigste Ziel, dass wir den Nationalratssitz wieder erobern. Mit wem ist eine untergeordnete Frage. »

Irène Kälin
Ständeratskandidatin Grüne Aargau

Kälin freut sich über die Kandidatur. Sie schätzt die Chancen jedoch klein ein, dass die Aargauerinnen und Aargauer neben Pascale Bruderer eine weitere linke Frau ins Stöckli wählen. Dass sie eher auf der Linie der SP politisiere, lässt die Studentin mit Jahrgang 1987 nicht gelten. Sei sei eine klassische Gurken-Grüne.

Bewusst auf zwei Zugpferde setzen

Die Wahl zwischen Kälin und Obrist liess einen weiteren ambitionierten Namen weg: Parteipräsident Jonas Fricker der neben Müller wohl der bekannteste Aargauer Grüne ist und der selbst in den Nationalrat möchte.

Sollten die Grünen dann nicht alles auf eine Karte setzen, um ihren Sitz im Nationalrat zu verteidigen? Denn mehr als ein Bekanntheitsbonus winkt der Partei mit der Kandidatur fürs Stöckli nicht. Parteipräsident Fricker winkt ab: «Die Ständeratskandidatur ist sicher ein Trumpf. Aber ich persönlich habe auch noch andere Trümpfe. Und ich finde es daher eben sinnvoll, das die Grünen Aargau nicht nur auf eine Person setzen, sondern dass verschiedene Personen bekannt werden können.»

Die Aargauer Grünen bringen also mehrere Personen in Position, um den Nationalratssitz zu verteidigen.

Die Aargauer Kandidaturen für den Ständerat