Blochers Tochter steigt ins Rennen: «Ich kann das bringen»

Für Magdalena Martullo-Blocher, Chefin des Industriekonzerns Ems Chemie, ist eine Kandidatur für den Nationalrat im Herbst zwingend nötig. Es sei an der Zeit, dass der Kanton Graubünden in Bern wieder mehr Gehör finde. «Ich glaube, dass ich das bringen kann.»

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Blochers Tochter kandidiert für den Nationalrat

0:58 min, aus Tagesschau am Mittag vom 20.4.2015

Eine weitere Quereinsteigerin für die SVP: Magdalena Martullo-Blocher, Chefin des Industriekonzerns EMS Chemie und Tochter von Alt-Bundesrat Christoph Blocher, will im kommenden Herbst für die Bündner SVP in den Nationalrat.

Martullo-Blocher an der Medienkonferenz.

Bildlegende: Setzt die Familientradition fort: Magdalena Martullo-Blocher will für den Nationalrat kandidieren. Keystone

Die 45-jährige Martullo-Blocher soll eine von zwei Listen der SVP bei den Wahlen anführen, wie die Partei mitteilte. Als Chefin und Mehrheitsaktionärin des grössten Bündner Unternehmens sei sie mit der Situation und den Herausforderungen des Wirtschaftsstandorts Graubünden bestens vertraut.

Die SVP ist erfreut, dass eine «ausgewiesene Wirtschaftsführerin» sich für die Wahl ins Bundesparlament zur Verfügung stellt. Am Nachmittag will sich die Ems-Chefin den Fragen der Medien stellen.

Angriffige Kandidatur-Begründung

In einer persönlichen Erklärung zur Kandidatur gibt sich Martullo-Blocher angriffig: «Die aktuelle Bundespolitik ist von oberflächlichen Sachkenntnissen und leichtsinnigen Schnellschüssen geprägt. Überregulierung und ein ungebremster Staatsausbau belasten die Schweizer Wirtschaft, aber auch jeden Einzelnen zunehmend.»

Unternehmer mit internationaler Erfahrung würden im Parlament immer seltener. Unternehmerische Grundsätze wie Eigenständigkeit, Effizienz und Pragmatismus seien aber auch in der Politik nötig und sinnvoll. Deshalb habe sie die Anfrage für eine Kandidatur angenommen. Im Falle einer Wahl will Martullo-Blocher ihre Funktionen bei der Ems Chemie weiterhin «unverändert wahrnehmen».

Kandidatur «nun nötig»

Die EMS-Chefin hatte sich in der Vergangenheit zwar regelmässig politisch geäussert, hatte ein politisches Mandat aber stets abgelehnt. Noch im Februar sagte sie gegenüber Medien, für Bundesbern fehle ihr schlicht die Zeit.

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Martullo-Blocher begründet ihre Kandidatur

5:43 min, vom 20.4.2015

Jetzt sei die Situation anders, sagte Martullo-Blocher. Sie glaube, dass ihre Kandidatur nötig sei. Darum habe sie die Anfrage der Bündner SVP, für sie zu kandidieren, angenommen. «Jetzt muss ich mir die Zeit halt nehmen», sagte die dreifache Mutter.

Der Kanton Graubünden brauche in Bern mehr Gehör. «Ich glaube, dass ich das bringen kann», sagte Martullo-Blocher. Zudem sei es nötig, dass Unternehmer im Nationalrat vertreten seien. In schwierigen Dossiers werde oft ohne Sachkenntnisse politisiert.

Wohnsitz im Kanton Zürich, Kandidatur für Bündner SVP

Martullo-Blocher wohnt mit ihrem Ehemann Roberto Martullo im zürcherischen Meilen. Dass sie nun jedoch für die Bündner SVP antritt, ist durchaus legitim.

Die Mitglieder des Nationalrats vertreten das gesamte Schweizer Volk und nicht nur einen bestimmten Kanton, schreibt dazu die Schweizerische Bundeskanzlei. Der Kanton sei einzig Wahlkreis. Kandidierende müssten ihren politischen oder zivilrechtlichen Wohnsitz daher nicht in ihrem Wahlkreis haben.

Trotz ihrer Nationalratskandidatur für die Bündner SVP will Magdalena Martullo-Blocher in Meilen am Zürichsee wohnhaft bleiben. Der Grund seien berufliche Aufgaben, sagte die Tochter von alt Bundesrat Christoph Blocher am Montagnachmittag in Chur vor den Medien.

Das internationale Geschäft der EMS Chemie werde aus dem Kanton Zürich betrieben, sagte die Mehrheitsaktionärin des Industriekonzerns. Darum könne sie ihren Wohnsitz nicht nach Graubünden verlegen, wo die EMS Chemie ihren Schweizer Standort hat.

Martullo-Blocher macht den Bündnern «ein Angebot»

«Über meine Tätigkeit im Konzern kenne ich die Anliegen des Bergkantons sehr gut», betonte Martullo-Blocher. Sie steht seit über zehn Jahren an der Spitze des Chemieunternehmens. Sie fühle sich Graubünden verbunden und stehe dem Bergkanton politisch von allen Kantonen am nächsten.

«Ich mache der Bündner Bevölkerung das Angebot, sie in Bern zu vertreten», sagte die 45-Jährige. Ob die Bündner eine Nationalrätin wollten, die nicht im Kanton wohne, werde sich zeigen. Natürlich sei der Wohnort ausserhalb des Kantons ein Nachteil. «Wenn ich hier wohnen würde, wäre ich noch enger mit Graubünden verbunden.»

Magdalena Martullo-Blocher ist nicht die erste, die als prominenter Quereinsteiger für die SVP in den Nationalrat gewählt werden will. Ende Februar hatte bereits «Weltwoche»-Chefredaktor und -Verleger Roger Köppel seine Kandidatur im Kanton Zürich angekündigt.

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