Solothurner Freisinn spürt Aufwind

Für den Kanton Solothurn gibt es bei den nächsten Wahlen nur noch 6 statt 7 Nationalratssitze. Die Parteien können deshalb froh sein, wenn sie ihre Sitze halten können. Die FDP will jetzt aber sogar einen dazugewinnen. Kann die Partei nicht rechnen?

FDP-Nationalratskandidaten

Bildlegende: Mit 3 Frauen und 9 Männern will die Solothurner FDP bei den Nationalratswahlen zulegen (ein Kandidat fehlt im Bild). SRF

Die Solothurner FDP hat an ihrer Delegiertenversammlung vom Dienstagabend ihre Nationalräte für die Wahlen im Herbst nominiert. Angeführt von den Zugpferden Kurt Fluri (bisheriger Nationalrat) und Marianne Meister (Ständeratskandidatin) treten drei Frauen und neun Männer an. Das erklärte Ziel: Die Solothurner FDP will einen zweiten Sitz holen.

Dass eine Solothurner Partei im Herbst einen Nationalratssitz dazugewinnen kann, gilt als unwahrscheinlich. Wegen seines unterdurchschnittlichen Bevölkerungswachstums steht dem Kanton nämlich künftig ein Nationalrat weniger zu. Können die Solothurner Freisinnigen also nicht rechnen?

Präsident Christian Scheuermeyer: «Sie können sehr gut rechnen, aber haben Ambitionen. Wir haben jetzt gerade einen guten Wahlbarometer, haben eine sehr gute Stimmung in der Partei, und wir stecken uns die Ziele bewusst hoch».

Wird die FDP übermütig?

Tatsächlich sieht der erste SRG-Wahlbarometer, der am Dienstag erschienen ist, die FDP national im Hoch und als Gewinnerin bei den Wahlen im Herbst. Kommt hinzu, dass die FDP bei Wahlen in den Kantonen Baselland und Luzern gerade Erfolge verbuchen konnte.

Das beflügelt die Solothurner. Sogar der kühle Rechner und Realist Kurt Fluri stellt sich hinter das ambitionierte Ziel seiner Partei: «Sich nur mit einem Sitz zu begnügen, wäre zuwenig Motivation für den Wahlkampf».

Parteipräsident Scheuermeyer warnt aber auch. Die Partei dürfe jetzt nicht übermütig werden: «Die positive Grundstimmung soll nicht dazu verleiten, anzunehmen, wir hätten schon die Wahlen gewonnen».

FDP ist «einfacher geworden»

Broschüren der FDP

Bildlegende: Der Solothurner Freisinn glaubt an seine Kraft nach den Wahlerfolgen in anderen Kantonen. Keystone

Im Aufwind sieht Scheuermeyer seine Partei vor allem aus zwei Gründen. Zum einen hilft der FDP die Aktualität, dass sich viele Leute wegen des starken Frankens Sorgen machen um die Wirtschaft. Zum anderen sei die FDP «einfacher geworden in der Argumentation, näher bei den Leuten». Und: «Wir machen im Moment keine Fehler».

Die FDP-Delegiertenversammlung fand im südlichsten Zipfel des Kantons Solothurn statt, in Messen. Von dort stammt Marianne Meister, die Ständeratskandidatin der FDP. Sie war bereits im Januar nominiert worden, um den amtierenden Ständeräten Pirmin Bischof (CVP) und Roberto Zanetti (SP) die Stirn zu bieten.

Die zwölf Nationalrats-Kandidaten wurden von den 153 Delegierten in globo und ohne Gegenstimme nominiert. Fast alle sind als Kantonsräte oder Gemeindepräsidenten bekannt.

Insgesamt stehen dem Kanton Solothurn nur sechs Nationalratssitze zur Verfügung. Die FDP kann mit ihren zwölf Kandidaturen also zwei Listen komplett füllen. Wie diese Listen aufgeteilt werden, das hat der Freisinn allerdings noch nicht beschlossen.