Was bedeuten die Zürcher Wahlen für die Ostschweiz?

Die Zürcher Wahlen gelten gemeinhin als Gradmesser für die eidgenössischen Wahlen. Darf die FDP in den Ostschweizer Kantonen den Champagner nun schon kühl stellen? Und wie stark müssen die Grünen und Grünliberalen um ihre Sitze bangen? Zwei Experten geben Antworten.

In Zürich haben die Grünen massiv verloren. Der Ostschweizer Politbeobachter Bruno Eberle will noch keine Prognose wagen, ob der Sitz der Grünen im Kanton St. Gallen erhalten bleibt oder nicht. Für die Grünen sei die Listenverbindung das entscheidende Element.

Patrick Emmenegger, Professor für Politikwissenschaft an der Universität St. Gallen, ist sich sicher, dass die Grünen Wähleranteile verlieren werden. Den Sitz im Nationalrat könnte Yvonne Gilli aber möglicherweise trotzdem verteidigen, «wegen ihrer Bekanntheit».

Die Grünliberalen haben vor vier Jahren in Graubünden, in St. Gallen und im Thurgau je einen Sitz erobert. Bei diesen Wahlen werden es die Grünliberalen schwerer haben, auch wenn sie nicht viel Wähleranteile verlieren, glaubt Patrick Emmenegger.

«  Ich glaube nicht, dass Thomas Böhni im Thurgau als Nationalrat wieder gewählt wird. »

Patrick Emmenegger
Professor für Politikwissenschaft Uni St. Gallen

Die Grünliberalen haben 2011 von cleveren Listenverbindungen profitiert. Im Thurgau zum Beispil haben sich vier kleine Parteien zusammen geschlossen und die Grünliberalen haben profitiert. Dieser Coup lasse sich bei diesen Wahlen nicht mehr wiederholen.

Laut Eberle werden die Grünliberalen ihre Wähleranteile auch in St. Gallen und Graubünden etwa halten können. Aber alleine könnten diese ihre Sitze nicht verteidigen, darum seien auch hier die Listenverbindungen entscheidend.

Eine gute Prognose gibt es von den beiden Experten für die FDP. Patrick Emmenegger sagt etwa, dass die FDP auch in der Ostschweiz die grosse Gewinnerin sein könnte. Vor vier Jahren habe man in der Ostschweiz Fehler gemacht bei den Listenverbindungen und das werde der Partei nicht nochmals passieren. Bruno Eberle liess sich eine etwas konkretere Aussage entlocken. Er glaubt an einen zusätzlichen Sitz für die FDP in St. Gallen.

«  Ich bin überzeugt, dass die FDP in St. Gallen einen zweiten Sitz machen wird.  »

Bruno Eberle
Ostschweizer Politbeobachter

SRF-Redaktor Pius Kessler diskutierte im Studio mit Patrick Emmenegger, Professor für Politikwissenschaft an der Universität St. Gallen und mit dem Ostschweizer Politexperten Bruno Eberle über die Bedeutung der Zürcher Wahlen vom Wochenende für die eidgenössischen Wahlen im Herbst aus Ostschweizer Sicht.

SRF1, Regionaljournal Ostschweiz, 17:30 Uhr; schös