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Wahlkampf «Zwei Überflieger, viele Dauerbrenner»

Die Schweizer Wahlbevölkerung sieht die dringendsten Probleme der hiesigen Politik vor allem in zwei Themenfeldern: Bei der Migration und der Beziehung zur EU – und das mit grossem Abstand zu allen anderen Themen. Dies zeigt der erste SRG-Wahlbarometer von 2015.

Eine grosse Mehrheit der Schweizer Wahlbevölkerung sieht das dringendste Problem der Politik im Themenfeld der Migrations- und Ausländerfragen. Auch die Beziehung zur EU brennt den Wählern unter den Nägeln. Erst weit dahinter rangieren Themen wie Umwelt, Arbeitslosigkeit oder das Gesundheitswesen, wie der aktuelle SRG-Wahlbarometer des Forschungsinstitutes gfs.bern zeigt.

«Es gibt zwei Überflieger und viele Dauerbrenner», bilanziert dessen Leiter Claude Longchamp. Bemerkenswert sei, dass das Thema Umwelt seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 stets unter den Top 5 der dringendsten Probleme rangiere. Verglichen mit den zwei Hauptsorgen liegt das Thema aber weit abgeschlagen auf Platz 3.

Migrationsthema bei Linken angekommen

Die Migrationsfrage ist denn auch bei den Wählern der einzelnen Parteien stets an vorderster Stelle: Selbst unter den SP-Wählern sehen 31 Prozent hier den dringendsten Bedarf für eine Lösung. Weniger stark ausgeprägt ist dies bei den Wählern der Grünen, wo 18 Prozent die Migrationsfrage zum dringendsten Problem erklären. Trotzdem ist klar: «Das Thema ist nun auch in der linken Wählerschaft angekommen», erklärt Longchamp.

Legende: Video Analyse der Umfrageergebnisse mit Claude Longchamp abspielen. Laufzeit 10:23 Minuten.
Aus Wahlbarometer vom 31.03.2015.

Erstaunlich sind zwei weitere Resultate der Befragung: 42 Prozent der CVP-Wähler sehen die Migration- und Ausländerpolitik derzeit als dringendstes Problem der Schweizer Politik. Im September 2013 lag dieser Wert noch bei 22 Prozent. Und: Bei den SVP-Wählern geht der Wert erstmals zurück, nämlich auf 44 Prozent. 2013 lag er noch bei 50 Prozent.

Das zweite Hauptproblem, die angeschlagene Beziehung zur EU, liegt bei den Wählern sämtlicher Parteien auf Platz zwei, mit einer Ausnahme: Bei den Anhängern der Grünen rangiert es auf Platz drei – nach der Umwelt.

SVP verliert Themenführerschaft

Die SVP hat mit der Masseneinwanderungs-Initiative das Migrationsthema im vergangenen Jahr am klarsten besetzt. Trotzdem ist sie nicht mehr alleinige Themenführerin. Zwar halten 33 Prozent der Wahlberechtigten, die an der Wahl sicher teilnehmen wollen, die SVP für die kompetenteste Partei in dieser Frage. Sie büsste aber an Terrain ein: Im September 2013 lag der Wert noch bei 50 Prozent. Dafür sprechen nun 22 Prozent der SP die grösste Kompetenz in der Frage zu.

Laut Claude Longchamp zeigt dies, dass die SVP mit der Masseneinwanderungs-Initiative «zwar das Problem richtig benannt hat, ohne bei deren Umsetzung das richtige Rezept für die Mehrheit zu präsentieren». So hätten nun andere Parteien die Möglichkeit, sich in diesem Themengebiet zu profilieren. «Zuvor hatte die SVP alleine das Sagen.»

Legende: Video Migration als Wahlkampfthema abspielen. Laufzeit 00:37 Minuten.
Aus News-Clip vom 31.03.2015.

Ähnlich sieht es bei der Beziehung zur EU aus. Noch 2013 hielten 28 Prozent der Wähler, die sicher an der Wahl teilnehmen wollen, die SVP für jene Partei, die am meisten zur Lösung des Problems beiträgt. Im aktuellen Wahlbarometer ist der Wert auf 13 Prozent gesunken. Für Longchamp ist klar: «Die SVP hat die Themenführerschaft verloren.»

Dafür liegen SP und FDP mit jeweils 18 Prozent an der Spitze. Noch mehr Wähler sehen aber entweder keine Partei als Heilsbringer oder mehrere Parteien als gleich kompetent in der Europa-Frage. «Dies ist ein Hinweis darauf, dass sich viele Wähler eine Lösung über die Parteigrenzen hinaus wünschen», erklärt Longchamp.

Eckwerte des Wahlbarometers

Die Umfrage wurde im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 11. und 19. März 2015 durchgeführt. Befragt wurden 2017 Personen. mehr

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger, Orpund
    Jetzt wird sogar der Umfrage-Experte und SRF-Liebling, Longchamp, bereits eingesetzt, um ein weiteres, angebliches Negativ-Szenario im Wahloktober zu konstruieren: Das wichtigste Sorgen-Traktandum der Schweizer (Migration, Asyl, usw.) sei jetzt auch bei den LINKEN angekommen! Damit will er der SVP die "Führungsrolle" entziehen und glaubhaft machen, die linken Parteien werden sich jetzt ebenfalls der Hauptsorge in der Bevölkerung annehmen! Trotz Wahljahr - fieser geht's wirklich nicht mehr!
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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Ein altes Sprichwort gilt auch heute noch & dieses ist:" Schuster bleib bei deinen Leisten." Würden das alle Parteien tun & sich nicht querbeet durch alle Parteien futtern wollen, gäbe es vermutlich weniger Querelen & es wäre einfacher Parteien zu wählen. Die einzige, welche sich treu bleibt ist die SVP. Sie ist & bleibt die Opposition-Partei im Land & greifen Themen auf, welche den Menschen unter den Nägeln brennen. Ist den anderen Parteien bisher nicht geglückt.
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  • Kommentar von Urs Dupont, Küsnacht
    Schon erstaunlich, dass mit dieser Faktenlage mit Ausnahme der SVP alle Parteien das Problem Nr. 1 einfach nicht wahrhaben, geschweige denn Massnahmen ergreifen wollen. Die SVP nimmt zwar das Problem wahr, ist aber auch nicht wirklich daran interessiert das Problem zu lösen, sondern benutzt es primär als Dauerwahlkampfthema. Dies zeigte sich ganz deutlich an ihrer Haltung zur Ecopopinitiative, die wirklich mal Nägel mit Köpfen machen wollte.
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