1.20-Grenze fällt, Euro taucht: Der SNB-Entscheid im Protokoll

Seit 2011 hat die Schweizerische Nationalbank die Wirtschaft des Landes vor den Folgen eines zu starken Franken geschützt. Jetzt leitet sie eine Kehrtwende ein. Ein Schock für die Märkte. Das Protokoll zum SNB-Entscheid, Reaktionen und Einschätzungen.

SNB beendet Mindeskurs-Politik

  • Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hebt überraschend die Anbindung des Schweizer Frankens zum Euro und damit den Mindestkurs auf und senkt gleichzeitig den Leitzins deutlich ins Minus.
  • SNB-Präsident Thomas Jordan nimmt Stellung:
  1. Die Aufgabe des Mindestkurses musste überraschend kommen, genauso wie dessen Einführung: Um Spekulationen zu unterbinden.
  2. Die Negativzinsen werden dem Franken helfen.
  3. Die Schweizer Wirtschaft habe genug Zeit gehabt, sich an das Umfeld der schwankenden Euro-Kurse anzupassen.
  • Der Euro fällt zeitweise unter 80 Rappen und pendelt sich um 20 Uhr bei 1.02 Franken ein. Den aktuellen Wert finden Sie hier.
  • Die Aktienmärkte reagieren heftig. Der SMI bricht in der Spitze um fast 14 Prozent ein. Am Schluss des Handelstages liegt er mit 8,67 Prozent im Minus auf 8400 Punkten.
  • Konsumenten profitieren: Im Ausland einkaufen ist jetzt noch billiger.
  • Export-Wirtschaft leidet: Ihre Produkte verteuern sich um 20 Prozent.
  • Eine Zusammenfassung des SNB-Entscheids finden Sie hier.
Der Ticker ist abgeschlossen.
  • 19 :48

    Wir beenden hier diesen Liveticker zu den Ereignissen um den SNB-Entscheid. Eine Zusammenfassung dazu finden Sie hier. Hinzu kommen laufend neue Reaktionen, Hintergründe und Einschätzungen auf srf.ch/news. Besten Dank für Ihr Interesse.

  • 19 :12

    Wirtschaftsminister Schneider-Ammann nimmt Stellung

    Bilaterale und Marktzugang zu Europa sichern, sowie attraktive Steuerbedingungen schaffen. Das muss laut Bundesrat Johann Schneider-Ammann die Antwort der Politik auf den SNB-Entscheid sein.

    An kurzfristige Massnahmen wir zum Beispiel ein Konjunkturpaket denke er nicht, sagt Schneider-Ammann zu SRF. Die herkömmliche marktwirtschaftliche Entwicklung sei nicht so schlecht.

    Der Wirtschaftsminister brachte zudem sein Vertrauen in die hiesige Wirtschaft zum Ausdruck. Jeder einzelne Exporteur werde jetzt zwar gefordert sein. Es werde aber mit vereinten Kräften gelingen, die Beschäftigung im Land so hoch zu halten wie sie ist.

    Video «Bundesrat Schneider-Ammann zum SNB-Entscheid» abspielen

    Bundesrat Schneider-Ammann zum SNB-Entscheid

    2:36 min, vom 15.1.2015

  • 18 :36

    Panikreaktion?

    Auch wenn SNB-Präsident Thomas Jordan das Gegenteil beteuert: War die Aufgabe des Euro-Franken-Mindestkurses eine Panikreaktion? «Es ist schon bemerkenswert, wenn der SNB-Präsident praktisch ungefragt sagt: ‹Es war keine Panikreaktion.›», sagt SRF-Wirtschaftsredaktor Christian Kolbe. Es habe Anzeichen gegeben, welche die SNB zu einer überstürzten zwangen: die Entwicklungen an den Devisenmärkten und Spekulationen um eine neue Geldschwemme durch die EZB nächste Woche.

    Video «SRF-Wirtschaftsredaktor Kolbe: «Das wirkt wie eine Flucht nach vorn.»» abspielen

    SRF-Wirtschaftsredaktor Kolbe: «Das wirkt wie eine Flucht nach...

    0:51 min, vom 15.1.2015

  • 18 :07

    Kein günstiger Euro-Kurs bei der SBB

    Wie bei den Schweizer Banken kamen auch zu den Wechselstuben der SBB bedeutend mehr Kunden. Wer aber an den Billett-Automaten auf günstige Euro-Kurse hoffte, wurde enttäuscht. Dort wurden die Preise weiterhin mit 1.23 Franken für 1 Euro verrechnet, wie SBB-Sprecher Daniele Pallecchi sagte. Die SBB will die Automaten in der Nacht auf Freitag auf den 1:1-Kurs umstellen.

  • 17 :52

    Negative Inflationsraten wahrscheinlich

    Die Konjunkturforschungsstelle KOF rechnet mit einer deutlichen Belastung für die hiesige Konjunktur. Zudem sei mit negativen Inflationsraten zu rechnen. Besonders dazu beitragen würden die Umsätze der Chemie, des Maschinenbaus, der Auto-Zulieferer und der Pharmaindustrie. Auch Hotellerie und Textilgewerbe werden besonders stark betroffen sein.

  • 17 :36

    Der SMI schliesst bei 8400 Punkten und verliert somit 8,67 Prozent. Nach dem Entscheid der SNB, den Euro-Franken-Mindestkurs nicht mehr länger zu stützen, sackte der SMI vorübergehend auf ein Minus von 14 Prozent – so tief wie seit 1989 nicht mehr.

    Am heutigen Tag lösten sich rund 140 Milliarden Franken Marktkapitalisierung in Luft auf. Das entspricht einem Viertel der Schweizer Wirtschaftsleistung in einem Jahr.

  • 17 :33

    Welchen Kurs erhalten Sie?

    Wer gehofft hat, 1 Euro für 80 Rappen kaufen zu können – der Tiefststand am Vormittag – der wurde enttäuscht. Die Zürcher Kantonalbank aktualisiert den Wechselkurs zwar mehrmals täglich: alle 30 Minuten. Unter 1 Franken ging der Euro also wohl bei keiner Bank über den Tisch.

  • 16 :47

    1 Euro kostet 1.05 Franken

    Nach dem grossen Absturz erholt sich der Euro-Franken-Kurs zögerlich. Seit 15 Uhr steigt der Kurs langsam an. Er liegt momentan bei etwa 1.05 Franken. Den aktuellen Kurs finden Sie hier.

    Grafik zeigt Kursverlauf Franken-Euro

    Bildlegende: SRF

  • 16 :38

    Alle wollen Euro kaufen

    Nicht nur bei der Post war es auch vorübergehend nicht möglich, via E-Banking Devisen zu kaufen. Die Systeme der UBS kollabierten teilweise: «Kurzzeitig ist der eine oder andere Kunde nicht mehr in das E-Banking reingekommen», bestätigt eine UBS-Sprecherin. Die Zürcher Kantonalbank verzeichnet eine deutlich gestiegende Nachfrage am Schalter und an Automaten.

    Inzwischen funktioniere aber alles wieder reibungslos. Auch über die Plattform der Post, E-Finance, könne jetzt wieder Euro bezogen werden, hiess es.

  • 16 :15

    Reaktionen der Politik: Erfreut bis besorgt

    Die Schweizer Politiker sehen Gutes und Schlechtes im SNB-Entscheid, den Franken-Euro-Kurs nicht mehr länger zu stützen. Linke sprechen von einem «Hochrisiko-Entscheid», der Arbeitsplätze gefährde. Bürgerliche sieht darin einen grundsätzlich richtigen Entscheid. Mehr zu den Reaktionen lesen Sie hier.

    Portrait von Christian Levrat und Hans-Peter Portmann

    Bildlegende: Keystone

  • 15 :54

    Besorgte Exporteure

    Insbesondere jene Wirtschaftszweige, die vom Export leben, fürchten sich vor schwierigen Zeiten. Aber auch Bereiche der Binnenwirtschaft – allen voran der Tourismus – sehen ihre Geschäfte gefährdet. Mehr dazu lesen Sie hier.

    Video «Schweiz-Tourismus-Direktor Schmid zum SNB-Entscheid» abspielen

    Schweiz-Tourismus-Direktor Schmid zum SNB-Entscheid

    0:48 min, vom 15.1.2015

  • 15 :39

    SNB-Gewinn vernichtet

    Letzten Freitag hat die SNB bekannt gegeben, dass sie wohl 38 Millionen Franken Gewinn machen wird. Dieser dürfte nun verloren sein. Mehr noch: Die Kursverluste von heute werden wohl in einem Minus resultieren.

    Bis Ende 2014 hat die Nationalbank Devisen im Umfang von 495,1 Milliarden Franken angehäuft. Ende September waren 44,6 Prozent davon in Euro angelegt. Nach Euro-Käufen im Dezember dürften es noch etwas mehr sein. Gerechnet mit dem Absturz von heute würde dies in einem Verlust von 14 Prozent oder 30 Milliarden Franken resultieren. Hinzu kommen Verluste bei den Dollar-Anlagen.

    Grafik zeigt Devisenreserven der SNB

    Bildlegende: Keystone

  • 15 :24

    Österreich warnt vor Pulverfass Franken-Kredit

    In Österreich haben Firmen und Private Kredite in Franken im Umfang von fast 30 Milliarden Euro. Die Nationalbank (OeNB) warnt, dass der Schritt der SNB «von erheblicher Relevanz» sei. Die Rückzahlung der Kredite wird nun einiges teurer.

  • 15 :13

    Internationale Märkte mässig beeinträchtigt

    Der deutsche Aktienmarkt beruhigt sich wieder. Nach ersten heftigen Turbulenzen steht der Dax 1,31 Prozent höher als am Vortag. Am Vormittag rutschte er um über 1,8 Prozent ins Minus.

    Auch der US-Aktienmarkt zeigt sich offensichtlich wenig beeindruckt vom SNB-Entscheid. Der Dow Jones steigt eine halbe Stunde vor Handelsstart um 0,24 Prozent. Verantwortlich dafür dürften überraschend gute Konjunkturdaten aus der US-Industrie sein.

  • 15 :02

    Keine Euro-Transaktionen auf E-Finance der Post

    Nachdem die Geldautomaten der Post keine Euro-Scheine mehr ausgespuckt haben, ist nun auch auf der E-Finance-Plattform keine Euro-Transaktion mehr möglich. Verantwortlich seien technische Probleme, so die Post.

  • 14 :44

    Gewinner des SNB-Entscheids

    Für SRF-Wirtschaftsredaktor Lieberherr sind folgende Player zu den Gewinnern des Endes des Euro-Franken-Mindestkurses zu zählen:

    • Spekulanten: Sie profitieren von der grossen Volatilität an den Märkten.
    • Importeure werden vorderhand begünstigt: Sie können billiger im Ausland einkaufen.
    • Der Bürger – konkret: der (Einkaufs-) Tourist
  • 14 :41

    Verlierer des SNB-Entscheids

    SRF-Wirtschaftsredaktor Iwan Lieberherr sieht folgende Player als Verlierer:

    • Die Nationalbank selbst: Sie kaufte in den letzten Jahren riesige Devisenbestände ein, die Hälfte davon wohl in Euro. Deren Wert ist jetzt wohl massiv geschrumpft.
    • Die Exportindustrie: Ausländische Unternehmen erhalten jetzt weniger für das gleiche Geld.
    • Der Tourismus beschwert sich: Ferien in der Schweiz werden jetzt teurer.
  • 14 :36

    Hayek befürchtet «Tsunami»

    Swatch-Chef Nick Hayek meint: «Es fehlen mir die Worte.» Er befürchtet einen «Tsunami» für die ganze Schweiz.

    Grafik zeigt Aktienkurse

    Bildlegende: Die Topp-Taucher nach dem SNB-Entscheid: Hayeks Befürchtungen scheinen sich – zumindest vorübergehen – zu bewahrheiten. SRF

  • 14 :27

    SMI verharrt auf tiefem Niveau

    Nach den Abstürzen kurz vor Mittag pendeln sich die Börsen auf tiefem Niveau ein. Der SMI verharrt bei einem Verlust von etwa 9 Prozent.

    Diagramm zeigt Verlauf des SMI-Kurses

    Bildlegende: . SRF

  • 14 :23

    Erste Stellungnahme des Bundesrates

    Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf kommentiert den SNB-Entscheid: «Der Bundesrat hat diesen Entscheid zur Kenntnis genommen. Wir sind der Auffassung, dass der Wechselkurs für die Entwicklung der Wirtschaft und der Preise weiterhin bedeutsam ist.» Man wisse aber, dass die SNB auch weiterhin für monetäre Bedingungen sorgen wird, die in der Schweiz Inflation und Deflation verhindern und eine stabile Entwicklung der Wirtschaft gewährleisteten.

    Video «Eveline Widmer-Schlumpf zum SNB-Entscheid» abspielen

    Eveline Widmer-Schlumpf zum SNB-Entscheid

    1:38 min, vom 15.1.2015