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Wirtschaft 1,3 Millionen Aktionäre können online abstimmen

Ab nächstem Jahr müssen börsenkotierte Firmen in der Schweiz ihren Aktionären die elektronische Stimmabgabe ermöglichen – wegen der Minder-Initiative. Viele Aktionäre können das jedoch bereits an den diesjährigen Generalversammlungen über das Internet tun. Und viele nutzen diese Möglichkeit auch.

Abstimmungsinstrument auf einem Bildschirm
Legende: Neue Variante: Ab nächstem Jahr können alle Aktionäre von börsenkotierten Firmen ihre Stimme von zuhause abgeben. SRF

Die GV-Saison 2014 ist in vollem Gange. Heute pilgern über 1000 Aktionärinnen und Aktionäre der Swisscom ins Zürcher Hallenstadion an die Generalversammlung. Allerdings: Sie könnten auch zu Hause bleiben und ihre Stimme erstmals über das Internet abgeben.

Nestlé, Novartis, UBS – die Grossen sind online

Swisscom nutzt dafür die E-Voting-Plattform Sherpany. 26 weitere Firmen machen das ebenfalls, darunter Grosskonzerne wie Nestlé, Novartis, Swiss Re oder Zurich.

Legende: Video Tobias Häckermann über seine E-Voting-Plattform Sherpany abspielen. Laufzeit 1:59 Minuten.
Vom 07.04.2014.

«Wir durften dieses Jahr gut 800‘000 Aktionäre auf unsere Plattform einladen, über welche sie abstimmen können», sagt Tobias Häckermann, Geschäftsführer von Agilentia. Sein Unternehmen hat die Plattform Sherpany entwickelt.

Neben Marktführer Agilentia gibt es weitere Unternehmen, die Lösungen für eine elektronische Stimmabgabe anbieten, etwa Segetis, Nimbus oder die Six Group. Diese kommen zusammen auf geschätzte 200‘000 Aktionäre. Zudem betreibt die UBS für ihre 300‘000 Aktionäre eine eigene Lösung. Insgesamt haben damit dieses Jahr gemäss «ECO»-Recherchen rund 1,3 Million Aktionäre die Möglichkeit, ihr Stimm- und Wahlrecht elektronisch wahrzunehmen.

Minder-Initiative sorgt für Wachstum

Agilentia hat ihr System erstmals auf die GV-Saison 2012 hin angeboten. Das Wachstum verdankt das Unternehmen aber nicht nur der zunehmenden Nachfrage nach Online-Lösungen, sondern auch einer Bundesverordnung. Denn als Folge der Minder-Initiative müssen ab 2015 alle börsenkotierten Schweizer Unternehmen ihren Aktionären eine elektronische Fernabstimmung für die GV anbieten. Entsprechend nutzen viele Konzerne die aktuelle GV-Saison, um Erfahrungen zu sammeln.

Dass das Angebot der Online-Abstimmung einem Bedürfnis entspricht, zeigen die Zahlen von Agilentia. In diesem Jahr haben sich rund 20‘000 Aktionäre auf der Sherpany-Plattform registriert. Da viele Aktionäre aber an mehreren Firmen beteiligt seien, würden diese Saison insgesamt rund 40‘000 bis 50'000 Aktionäre elektronisch an einer GV teilnehmen, so Häckermann.

Künftig auch mobil abstimmen

Der Agilentia-Geschäftsführer spricht von einer wachsenden Nachfrage seitens der Aktionäre. Um diese noch besser zu befriedigen, lanciert sein Unternehmen Ende dieses Monats eine App für mobile Endgeräte wie Smartphone oder Tablet. «Das ist klar der nächste Schritt: Der Aktionär will mobil Informationen über sein Unternehmen lesen und auch abstimmen können – egal wo: am Zürichsee, im Tram oder auf einem Flug.»