Zum Inhalt springen

Header

Audio
Subventionierungsverbot von Benzin trifft die Ärmsten
Aus Rendez-vous vom 27.11.2019.
abspielen. Laufzeit 04:09 Minuten.
Inhalt

500 Milliarden Subventionen Soll Benzin billig bleiben oder nicht?

Die Subventionierung von fossilen Energieträgern wird scharf kritisiert. Auch die Schweiz handle irrational, so Greenpeace.

Benzin, Diesel, Kerosin, Heizöl – sie alle produzieren CO2 und sind mitverantwortlich für die klimatischen Veränderungen auf unserem Planeten.
Irritierend ist, dass ausgerechnet diese Brennstoffe künstlich massiv verbilligt, also subventioniert werden.

Seit bald 10 Jahren setzt sich die Schweiz, zusammen mit anderen reichen Ländern wie Neuseeland oder Schweden, für ein weltweites Subventionsverbot von fossilen Treibstoffen ein.

«Das ist ein Missstand»

Das werde man auch an der UNO-Klimakonferenz von nächster Woche in Madrid wieder einbringen. «Auch wenn es nicht traktandiert ist», sagt Franz Perrez vom Bundesamt für Umwelt.

Froh um das Engagement ist Jürg Staudenmann von Alliance Sud, dem Dachverband der Schweizer Entwicklungshilfswerke. Er findet die Benzin-Subventionierung stossend: «Das ist ein Missstand. Es geht darum, Fossilenergie-Subventionen so schnell wie möglich zu reduzieren.»

Allein der Flugverkehr in der Schweiz wird jährlich mit 1.7 Milliarden Franken subventioniert.
Autor: Georg KlinglerGreenpeace

Es sind vor allem Länder wie Russland, aber auch nordafrikanische oder lateinamerikanische Staaten, welche Öl und Gas massiv verbilligen. Geschätzte 500 Milliarden Franken lassen es sich die Länder weltweit kosten, damit Benzin billig bleibt.

Schweiz soll Hausaufgaben machen

Georg Klingler, zuständig für Klimapolitik bei Greenpeace, findet das Vorgehen dieser Länder ebenfalls problematisch, kritisiert aber auch die Schweiz: «Die Initiative ist nur dann lobenswert, wenn Länder wie die Schweiz und Schweden mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Hausaufgaben machen.»

Klingler weiter: «Allein der Flugverkehr in der Schweiz wird jährlich mit 1.7 Milliarden Franken subventioniert». So viel Geld schenkt der Bund den Fluggesellschaften nämlich, weil er auf die Mineralölsteuer beim Flugtreibstoff Kerosin verzichtet.

Flugzeug auf Startpiste.
Legende: «Allein der Flugverkehr in der Schweiz wird jährlich mit 1.7 Milliarden Franken subventioniert», so Georg Klingler von Greenpeace. Keystone

Greenpeace stützt sich dabei auf Zahlen der eidgenössischen Steuerverwaltung. Hinzu kämen steuerbefreiter Diesel für Pistenfahrzeuge und Traktoren von nochmals mehreren 10 Millionen Franken.
Aber auch Autofahren wird nach wie vor stark steuerbegünstigt, dies in Form des Pendlerabzuges.

Wenn es nicht mal die Schweiz schaffe, konsequent Subventionen abzuschaffen, sei es stossend, dies von viel ärmeren Ländern zu verlangen, sagt Klingler.

Denn die Situation dort sei eine ganz andere. «Wenn ich nicht mit dem öffentlichen Verkehr an meinen Arbeitsplatz komme und meine zwei Jobs machen muss, um über die Runden zu kommen, dann ist eine Benzinpreiserhöhung für mich eine enorme Belastung.»

Müll auf Strassen.
Legende: Die Erhöhung des Benzinpreises löste in vielen Ländern wie hier in Ecuador Unruhen aus. Keystone

Eine Benzinpreiserhöhung könnte gar unkontrollierte Folgen haben. Beispielsweise soziale Unruhen – Aufstände – wie jüngste Beispiele in lateinamerikanischen oder afrikanischen Ländern gezeigt haben.

Unterstützung für ärmere Länder

Für Alliance Sud und Greenpeace ist deshalb klar, dass die Subventionen von fossilen Treibhausgasen abgeschafft gehören, aber nur wenn es in diesen Ländern brauchbare, sozialverträgliche Alternativen gebe.

Da müsse die Schweiz helfen: «Zurzeit gibt die Schweiz 350 Millionen Franken für die Klimafinanzierung aus. Wir gehen aber davon aus, dass es mindestens eine Milliarde sein müsste», so Klingler.

Geld, um beispielsweise den öffentlichen Verkehr auszubauen oder die Bevölkerung anderweitig zu unterstützen. So soll das Klimaziel in diesen Ländern erreicht werden können, ohne dass die Stabilität oder wirtschaftliche Prosperität gefährdet würde, so die Umweltorganisationen.

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

171 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von b. glaset  (glaset)
    Dieser Titel ist vollkommen irreführend, das Benzin/Diesel nicht subventioniert wird für PKW! Bestenfalls die Fliegerei. Aber das ist Journalismus...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Vera Kehrli  (Vera Kehrli)
      Ein Auto erzeugt, je nach km Leistung, 5000 Fr ungedeckte Kosten pro Jahr. Faktisch kommt das einer Subvention gleich. Der Benzinpreis müsste mindestens doppelt so hoch sein um die Kosten zu decken. Darum ist der Titel nicht sooo irreführend.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Vera Kehrli  (Vera Kehrli)
    Rückvergütung an die KK ist mittlerweile zum Wunschdenken geworden. Hätte man Kostenwahrheit vor 40 Jahren eingeführt, wären die Kosten tatsächlich ausgeblieben und man hätte die eingesparten Kosten verteilen können.
    Mittlerweile ist das zu spät. Die Kosten des CO2 werden kommen, wie das Amen in der Kirche. Wegen Klimaerwärmung haben Skiorte massive Mehrkosten. Klimaanlagen müssen gebaut werden, Ueberschwemmungen müssen bezahlt werden. Waldbrände werden auch zu massiven Kosten führen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Vera Kehrli  (Vera Kehrli)
    Ganz einfach: wir brauchen Kostenwahrheit. Jedem mit einer wirtschaftlichen Minimalbildung sollte das klar sein. Benzin sollte man nur dann konsumieren wenn der Nutzen grösser ist als die Kosten die man verursacht. Dazu muss man ganz einfach diese Kosten alle dem Benzin anlasten. Heute gibt es enorme externe Kosten, durch Klimaerwährmung, und viele fallen erst in der Zukunft an. Die muss man alle internalisieren. Das kann man mit einer CO2 Abgabe von ca. 500 CHF/t tun.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen