ABB lässt Grossaktionär abblitzen

Der Industriekonzern ABB wird – trotz Druck von Investorenseite – seine Stromnetzsparte nicht verkaufen. Zudem kündigt ABB Einsparungen in Milliardenhöhe an.

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ABB behält Stromnetzsparte

1:51 min, aus Tagesschau am Mittag vom 4.10.2016

Der Industriekonzern ABB will seine Netzwerktechnik-Sparte Power Grids behalten. Er gibt dem Drängen des Grossaktionärs Cevian nicht nach, der eine Abspaltung fordert. Stattdessen soll die Sparte durch Partnerschaften gefördert werden.


CEO Urlich Spiesshofer: «ABB hat Fett angesetzt»

4:17 min, aus SRF 4 News aktuell vom 04.10.2016

«Die anhaltende Transformation unserer Power-Grids-Division unter dem ABB-Management ist die beste aller sorgfältig geprüften Optionen für unsere Aktionäre», sagte ABB-Verwaltungsratspräsident Peter Voser gemäss einer Mitteilung zum Investorentag.

Investor Cevian zeigte sich enttäuscht über das Ansinnen der ABB-Konzernleitung. «Der Verwaltungsrat hat die Entscheidung getroffen, an der Konglomeratsstruktur festzuhalten. Wir glauben, das ist eine unglückliche Entscheidung», wird Cevian-Co-Chef Lars Förberg in einem Statement von Cevian zitiert. Cevian hält rund 6 Prozent der Aktien des Technologiekonzerns.

Kostensparziel hochgeschraubt

Gleichzeitig schraubt ABB das Kostensparziel nach oben. In der Verwaltung sollen neu 1,3 Milliarden Dollar eingespart werden, 30 Prozent mehr als bisher angepeilt. Das im letzten Jahr lancierte Kostensparprogramm habe die Erwartungen übertroffen, begründete ABB das neue Ziel in der Mitteilung.

Weiter kündigte der Konzern ein zweites Aktienrückkaufprogramm im Umfang von 3 Milliarden Dollar für 2017 bis 2019 an.

Interview mit Ulrich Spiesshofer, CEO der ABB Gruppe

SRF News: Weshalb möchten Sie den Bereich Stromnetze im Unternehmen behalten?
Ulrich Spiesshofer: Wir haben uns letztes Jahr in einer sorgfältigen Portfoliountersuchung die Marktchancen, die Geschäftsmodelle, die Angebotspalette und die richtige Eigentümerstruktur sehr genau angeschaut. Wir sind gemeinsam mit unserem Verwaltungsrat zu Schluss gekommen, dass die beste Option, die Division wertsteigernd zu führen, eine Fortführung unter der Eigentümerschaft von ABB ist. Wir können das Existierende fortsetzen, wir können die enormen Chancen der Digitalisierung auch in den Stromnetzen mit voller Kraft vorantreiben. Wir können die weitere Steigerung der Marge, zu der wir uns heute verpflichtet haben, so viel besser liefern. Da sind wir uns alle einig.
Gewisse Aktionäre, zum Beispiel Cevian, kritisieren aber, dass die Zentrale zu hohe Kosten für diesen Bereich verursache. Was sagen Sie dazu?
Cevian hat vor allem mit ehemaligen Mitarbeitern von ABB gesprochen. Da kann ich nur zustimmen. Die ABB war in der Vergangenheit wirklich etwas zu fett. Wir hatten zu viel Speck angesetzt. Mit unserem Verwaltungs- und Gemeinkostenprogramm sind wir auf gutem Weg, eine Milliarde an Kosten herauszuschneiden. Wir sind mit dem Programm sehr weit fortgeschritten. Wenn Sie sich heute den Wettbewerbsvergleich anschauen, sind wir im Bereich der Vertriebs- und Verwaltungskosten deutlich besser als Rockwell und Legrand.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Grosse Konzerne haben häufig mehr Mühe, auf grosse Veränderungen zu reagieren – das hat ABB in der 125-jährigen Geschichte bereits mehrmals erfahren.

    ABB behält Stromnetze und spart beim Personal

    Aus Rendez-vous vom 4.10.2016

    Der Schweizer Industriekonzern ABB will seine Stromnetze behalten. Der Verwaltungsrat erteilt damit einem Grossaktionär aus Schweden eine Abfuhr.

    Der Konzern hat ausserdem bekanntgegeben, dass er 30 Prozent mehr sparen wird als ursprünglich angegeben, treffen wird die Sparübung vor allem die Verwaltung.

    Klaus Ammann