ABB mit hohem Auftragseingang

Der Elektrotechnikkonzern ABB hat im dritten Quartal von Grossaufträgen zur Erstellung von Energieinfrastruktur und Bestellungen aus der Ölbranche profitiert. Der Auftragseingang fiel mit 11,2 Milliarden Dollar rund ein Viertel höher aus als vor einem Jahr.

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Weniger Gewinn, mehr Aufträge

0:41 min, aus Tagesschau am Mittag vom 22.10.2014

Der Elektrokonzern ABB bleibt bei der Einschätzung seiner Zahlen trotz eines starken Auftragseingangs zurückhaltend. Im vergangenen Quartal hatten die Neubestellungen vor allem dank brummender Geschäfte in der Netztechnik und dem Öl- und Gassegment binnen Jahresfrist um ein Viertel auf 11,2 Milliarden Dollar zugenommen, wie ABB mitteilte.

Konzernchef Ulrich Spiesshofer äusserte sich über die Entwicklung zufrieden. «Unser Programm für profitables, organisches Wachstum hat in allen Regionen eine solide Wachstumsdynamik erzeugt», erklärte er. Das einträgliche Servicegeschäft, das ABB ausweiten will, habe seine Neuaufträge um ein Zehntel gesteigert.

Entsprechend dem geringeren Auftragsbestand zu Jahresbeginn ging dagegen der Umsatz etwas zurück. Der Umsatz schrumpfte um 7 Prozent auf 9,8 Milliarden Dollar. Wegen dieses Rückgangs und der schwächelnden Division Energietechniksysteme waren auch die Gewinnziffern rückläufig. Immerhin: Die Energietechniksysteme sind mit einer schwarzen Null knapp in die Gewinnzone zurückgekehrt.

ABB zeigt sich auf die nähere Zukunft gewohnt vage. Kurzfristig betrachtet würden makroökonomische und geopolitische Entwicklungen auf ein uneinheitliches Szenario mit zunehmenden Unsicherheiten hinweisen, schätzt das Unternehmen.

ABB-CEO: «Je weiter weg von Europa, desto besser»

Ulrich Spiesshofer, CEO der ABB, erklärte zu den Unsicherheiten, dass der Konzern vor allem vier Problembereiche sehe: Einerseits zeige die Volatilität der Finanzmärkte in den letzten Wochen, dass die Finanzkrise noch nicht überwunden sei. Andererseits gebe es Konflikte zwischen Ost und West rund um Energiefragen. Hinzu kämen instabile politische Lagen in verschiedenen Ländern und die Gefahren durch Ebola.

Im Infrastrukturbereich sieht Spiesshofer vor allem Wachstumsmöglichkeiten in Nordamerika, mittel- und langfristig ebenso in Südamerika. Auch Asien biete Möglichkeiten. Gerade die Tatsache, dass China künftig sauberen Strom produzieren wolle, komme ABB entgegen. Eher schwach seien die Entwicklungsmöglichkeiten in Europa. Grund hierfür seien Unsicherheiten wegen der ungewissen Energiepolitik. Spiesshofer sprach deshalb von einem gemischten geografischen Bild mit der Tendenz «je weiter weg von Europa, desto besser».

Analysten schätzen Aktie unterschiedlich ein

Trotz der Zurückhaltung der ABB legt die Aktie in den Morgenstunden um fast drei Prozent zu. Marktanalysten schätzen die Entwicklung der ABB allerdings unterschiedlich ein. Die Bank Vontobel sieht ein Verbesserung im Bestellungseingang und rät deshalb zum Kauf der ABB-Aktie.

Etwas zurückhaltender zeigten sich die Analysten der ZKB. Bis auf den Auftragseingang habe das Quartalsergebnis nicht wirklich überzeugt. In Kombination mit dem erwartet vorsichtigeren Ausblick sei dieser Auftragseingang nicht allzu euphorisch zu beurteilen.