ABB verkauft Kabelgeschäft – Investoren fordern mehr

Die ABB trennt sich vom Geschäft mit Stromkabeln. Sie kommt damit Forderungen von Investoren nach, den Riesenkonzern aufzuspalten. Der Verkauf sei zwar sinnvoll, sagen diese. Er genüge aber nicht.

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ABB verkauft Kabelsparte

4:55 min, aus Tagesschau am Mittag vom 21.9.2016

Die ABB verkauft ihr Geschäft mit Hochspannungskabeln an die dänische NKT Cables für 836 Millionen Euro. Er wolle die Division Stromnetze vereinfachen, kündigt der Elektronikkonzern mit Sitz in Zürich an. Der Verkauf an NKT Cables soll im ersten Quartal 2017 erfolgen. Das dänische Unternehmen produziert Stromkabel für verschiedene Spannungsbereiche und erzielte im letzten Jahr mit 3200 Beschäftigten einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro.

Schiff zieht ein zu verlegendes Hochseekabel hinter sich her, im Hintergrund eine Küste mit Windrädern zur Stromproduktion

Bildlegende: Zum Kabelgeschäft von ABB gehören auch Hochseekabel. ABB

Nur kleiner Teil der Forderung erfüllt

Bei der ABB ist das Kabelgeschäft mit rund 900 Mitarbeitenden und einem Umsatz von 524 Millionen Dollar Teil der Stromnetz-Sparte (Power Grids). Der Teil, der an die Dänen verkauft wird, macht bloss etwa fünf Prozent des Umsatzes der gesamten Sparte aus.

Investoren haben die ABB gedrängt, die ganze Stromnetz-Sparte zu verkaufen oder an die Börse zu bringen. Möglicherweise versucht sie nun mit dem Verkauf eines kleinen Teils der Sparte, den kritischen Investoren etwas Wind aus den Segeln zu nehmen.

Investoren fordern Abspaltung der ganzen Sparte

Doch Grossinvestor Cevian Capital lässt sich von seiner Forderung nicht abbringen. Der Verkauf der Hochspannungskabel sei zwar sinnvoll, liess die Cevian Capital heute verlauten. Dennoch solle die umsatzstarke Stromnetz-Sparte aus dem Konzern herausgelöst werden. Denn Firmenkonglomerate seien an der Börse in der Regel weniger wert als die einzelnen Teile. Eine Aufspaltung würde also im Interesse der Finanzinvestoren liegen.

Aber liegt das auch im Interesse des Unternehmens? Gegner einer Aufspaltung finden es nicht. Die Stromnetz-Sparte ergänze die anderen Bereiche der ABB sehr gut. Man dürfe die Synergien nicht unterschätzen, etwa in der Forschung, Entwicklung oder im Verkauf.

Gegner weisen auf Synergien hin

Es gebe auch Überschneidungen bei den Kunden: Industriekunden, die beispielsweise ABB-Roboter oder -Motoren kauften, benötigten oft auch Produkte der Stromnetz-Sparte, etwa Transformatoren. Werde die Stromnetz-Sparte abgetrennt, drohe die ABB, Grossaufträge zu verlieren. Cevian Capital meint aber, die Synergien seien nur minim.

Status quo oder Aufspaltung? Finanzanalysten sind sich nicht einig, was für die ABB mit weltweit über 130'000 Mitarbeitern vorteilhafter wäre. Der ABB-Verwaltungsrat, so hört man, sei gegen eine Aufspaltung. Klarheit gibt es erst am 4. Oktober. Dann führt die ABB einen Anlass für Investoren durch und wird wohl bekannt geben, ob sie mit oder ohne Stromnetz-Sparte in die Zukunft geht.