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Abbau bei Postfinance Ein Schritt, der die Dramatik der Situation zeigt

Die Postfinance steht schon seit einiger Zeit unter Druck. Bereits im vergangenen Jahr hatte sie angekündigt, 45 Stellen abzubauen und Stellen innerhalb des Postkonzerns zu verschieben. Hintergrund war die Ankündigung, dass aus der Postfinance ein digitales Powerhaus werden solle. Das ist nötig, denn auch die Postfinance-Kunden wenden sich immer weniger an die Postschalter, sondern wollen digitale Dienstleistungen, wie es diese bei andern Banken gibt.

Die Postfinance kämpft allerdings auch mit einem anderen Problem: Im Gegensatz zu den herkömmlichen Banken darf sie keine Kredite und keine Hypotheken vergeben. Sie muss das viele Geld, das sie im Umlauf hält, anderweitig anlegen. Doch weil die Zinsen derart tief sind, verdient sie dort kaum etwas. Seit 2012 ist ihr Zinsertrag um 30 Prozent zurückgegangen. Zudem muss sie für die Gelder, die sie bei der Nationalbank parkt, gar Negativzinsen zahlen.

Postfinance am kürzeren Hebel

Alle Banken kämpfen derzeit mit den Niedrigzinsen. Aber die herkömmlichen Banken können das ihnen anvertraute Kundengeld zur Refinanzierung von Krediten und Hypotheken verwenden. In diesem Geschäft verdienen sie etwas. Die Postfinance steht hier aussen vor.

Die Banken haben sich via Parlamentarier immer dagegen gewehrt, dass die Postfinance in dieses Geschäft einsteigen darf. Ihr Argument: Die Postfinance ist in Staatsbesitz, daher bewege sie sich nicht im gleichen Marktumfeld wie sie.

Lösung politisch chancenlos

Eine Lösung wäre, der Postfinance das Kredit- und Hypothekargeschäft zu erlauben – trotz des Widerstands der Banken. Politisch ist dies aber chancenlos. Deshalb hat es bereits Vorstösse gegeben, die Postfinance wenigstens teilweise zu privatisieren, um so eine Lockerung des Kredit- und Hypothekargeschäfts zu erwirken. Getan hat sich in diese Richtung aber nichts. Deshalb sieht sich die Postfinance gezwungen, bei den Kosten zu sparen, wo es nur geht.

Mit dem angekündigten Abbau von bis zu 500 Stellen in den kommenden zwei Jahren – immerhin rund 15 Prozent der Belegschaft –, zeigt die Post, wie dramatisch die Situation für sie geworden ist. Sie schreibt denn auch, dass der Schritt «für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit und den erfolgreichen Fortbestand von Postfinance unumgänglich» sei.

Massimo Agostinis

Massimo Agostinis

Wirtschaftsredaktor, SRF

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Der ehemalige Korrespondent in Italien arbeitet seit 2015 in der Wirtschaftsredaktion von Radio SRF.

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Keine Hypotheken? Ich hatte mal ein Gespräch über ne Hypotheke und ein Kollege hat ne Hypothek für ne Wohnung, die er gekauft hatte.
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  • Kommentar von Johann Schuler (Jo Schu)
    Postfinance muss nicht privatisiert werden. Doch die Bankenlobby beherrscht das CH-Parlament. Die tonangebenden Grossbanken sind zu über 70% in ausländischem Besitz. Saudis, Kataris, Amis, Norweger, Chinesen, vielleicht sogar Putin, etc. bringen "Schweizer Franken" in Umlauf und subventionieren damit ihren Zahlungsverkehr. Goht's eigentli noh! Vollgeld-Initiative annehmen, dann gibt es im Zahlungsverkehr gleich lange Spiesse und wir haben eine marktwirtschaftliche Ordnung. Johann Schuler
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  • Kommentar von Andreas Ebneter (Fudimangoeggi)
    Es ist absurd, der PostFinance das Kredit- und Hypothekargeschäft zu verbieten, weil sie in Staatsbesitz sei: Das gleiche gilt für Kantonalbanken. Die „Grossen“ haben einfach Angst vor einem potenten Konkurrenten im Massengeschäft....
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