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Wirtschaft Abgas-Skandal: VW drohen Sammelklagen

Die Luft wird dünn für den Volkswagen-CEO Martin Winterkorn. Seit ruchbar geworden ist, dass der Autobauer in den USA an den Abgas-Messungen herummanipuliert hat, verdampften rund 12 Milliarden US-Dollar an Börsenwert. Zudem wetzen in den USA inzwischen Sammelklage-Spezialisten ihre Messer.

Legende: Video Auch die Schweiz hat da noch ein paar Fragen an VW abspielen. Laufzeit 1:30 Minuten.
Aus Tagesschau am Vorabend vom 21.09.2015.

VW-Aktionäre dürften derzeit wenig Freude an ihren Papieren haben. Das Eingeständnis von Abgas-Manipulationen in den USA hat das Wertpapier arg in Mitleidenschaft gezogen.

Die Titel des Autobauers brachen in der Spitze um 17,2 Prozent ein. Das ist der grösste Kurssturz seit sechs Jahren. Mit 134,50 Euro waren sie so billig wie zuletzt im September 2012.

18-Milliarden-Dollar-Strafe droht

Das Misstrauen der Anleger ist angesichts der Schwere der Vorwürfe gegen den Autobauer nicht weiter erstaunlich.

Gegenlicht-Aufnahme des VW-Chefs Martin Winterkorn vor einem Fenster mit schwarzen Holmen-Kreuzen.
Legende: VW-Chef Martin Winterkorn kündigte eine Untersuchung an. Ob das die Märkte beruhigt, ist fraglich. Keystone

Die US-Umweltschutzbehörde EPA verdächtigt VW, bei zahlreichen Diesel-Fahrzeugen die Abgasvorschriften vorsätzlich umgangen zu haben.

Es geht demnach um fast eine halbe Million Autos. Für den Konzern könnte dies nach Angaben der Behörde eine Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar nach sich ziehen.

Aber damit nicht genug. Nach Einschätzung von Heino Ruland vom Brokerhaus ICF muss VW neben der Strafe auch mit Sammelklagen von US-Autohaltern rechnen. «Das wird teuer», erklärte er. Ausserdem sei offen, ob die Prüfergebnisse auch in anderen Staaten falsch seien.

Man wird VW so schnell nicht mehr das grüne Image abnehmen.
Autor: Ferdinand DudenhöfferProfessor für Automobilwirtschaft Universität Duisburg-Essen

Neben dem finanziellen Schaden wird auf den VW-Konzern laut dem Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer auch ein «immenser Imageverlust» zukommen: «Man wird VW so schnell nicht mehr das grüne Image abnehmen.»

Für den Professor für Automobilwirtschaft ist auch klar, dass die zentrale Forschungsabteilung von VW über die Manipulationen im Bilde gewesen sein muss: «Dort werden schliesslich die Fahrzeuge in all ihren Spezifikationen entwickelt.» Es sei jedoch in keinster Weise nachvollziehbar, weshalb VW die Gesetze in den USA gebrochen habe.

Entwarnung für die Schweiz

Zumindest für die Schweiz gibt der PR-Chef von Volkswagen Schweiz Entwarnung. Zwar untersuche man den Vorfall auch in der Schweiz in enger Absprache mit dem Mutterhaus in Wolfsburg. «Was wir aber sicher sagen können: Alle hierzulande zugelassenen VW-Modelle erfüllen zum Zeitpunkt der Zulassung sämtliche Abgas-Vorschriften in der Schweiz vollumfänglich», erklärt Livio Piattia auf Anfrage von SRF Tagesschau.

Automobilexperte Dudenhöffer will jedoch nicht ausschliessen, dass VW auch ausserhalb der USA getrickst haben könnte: «Der Vorstandsvorsitzende muss unbedingt vor der Öffentlichkeit erklären, wie es ausserhalb der USA aussieht.»

Legende: Video US-Börsen reagieren auf VW-Skandal abspielen. Laufzeit 2:58 Minuten.
Aus Tagesschau Nacht vom 21.09.2015.

Der Flurschaden ist beachtlich

Aus Sicht von Equinet-Analyst Holger Schmidt sind die Abgas-Manipulationen ein grösserer Rückschlag für VW nicht nur in den USA, sondern auch in anderen Märkten. Es werde Zeit brauchen, um den Schaden zu reparieren.

Der Experte stufte die Aktien herunter auf «Reduce» von «Neutral» und setze das Kursziel auf 145 von zuvor 180 Euro. Im Sog der deutlichen Verluste bei VW gaben auch Daimler und BMW um 3,8 und 4,1 Prozent nach.

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht. Leider ist die Gier nach noch viel mehr in der jetzigen Zeit nicht zu stoppen. Die Amis wissen wie mann zu Geld kommt, die Europäer sind da recht bescheidener.
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  • Kommentar von Urs Heim (Ursus)
    Gemäß ARD Online von heute morgen 11 Uhr 56 sind mehr als elf Millionen Dieselfahrzeuge des VW Konzers betroffen-Was für ein gigantischer Beschiss am Kunden.-Ich bin auf den noch Vorstandsvorsitzende Winterkorn gespannt.Er kann eigentlich nur noch seine Demission bekanntgegeben,alles andere wäre ein afron.
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  • Kommentar von Werner Christmann (chrischi1)
    Zwecks Gewinnmaximierung wird doch überall betrogen. Saublöd ist, dass man sich dabei erwischen lässt. Und stossend ist, dass regelmässig die Amis die Europäer mit exorbitanten Strafzahlungen zur Kasse bitten können (siehe auch Banken), derweil sie im eigenen Land wohl noch viel schlimmer hantieren.
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    1. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Siehe Monsanto. Glyphosphat ist verdächtig, Krebs auslösen zu können. Was tun die USA?"EU dropped pesticide laws due to US pressure over TTIP, documents reveal" schreibt The Guardian. Wenn's gegen Europa geht, können die USA nicht streng genug urteilen. Ist schon sehr auffällig!
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