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Abhängigkeit von China Wenn China nicht liefert, stehen Schweizer Firmen still

Wenn chinesische Hersteller zuerst die wachsende Nachfrage im eigenen Land bedienen, haben Firmen in der Schweiz das Nachsehen. Im Fall von Antibiotika-Wirkstoffen kann das lebensgefährlich werden.

Legende: Video Wenn China nicht liefert, stehen Schweizer Firmen still abspielen. Laufzeit 8:13 Minuten.
Aus ECO vom 08.01.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Abhängigkeit von China kann Schweizer Unternehmen in Bedrängnis bringen.
  • In Spitälern kam es 2017 zu Engpässen mit Antibiotika, weil Wirkstoffe aus China fehlten.
  • Photovoltaik-Grosshändler kämpfen mit langen Lieferfristen für Solarpanels.
  • Stahl Gerlafingen muss enorme Preissteigerungen bei Elektroden aus China hinnehmen.

«Ich bin der Meinung, dass wir in der Lage sein müssen, strategische Güter, die wir für die industrielle Produktion benötigen, in der Schweiz herzustellen.» Das sagt Daniel Aebli, Geschäftsführer von Stahl Gerlafingen. Seine Mahnung hat einen Grund: Stahl Gerlafingen musste letztes Jahr zehn Mal höhere Preise für Graphit-Elektroden aus China akzeptieren.

Ich bin der Meinung, dass wir in der Lage sein müssen, strategische Güter, die wir für die industrielle Produktion benötigen, in der Schweiz herzustellen.
Autor: Daniel AebliGeschäftsführer Stahl Gerlafingen

Statt 1500 Franken kostete eine Tonne Graphit-Elektroden auf einen Schlag 20'000 Franken. Graphit-Elektroden braucht es zum Schmelzen und Legieren von Stahlschrott. Daniel Aebli hatte keine Wahl, da China das Monopol über die Elektroden hält. Stahl Gerlafingen verarbeitet mit 750'000 Tonnen rund die Hälfte des jährlich in der Schweiz anfallenden Stahlschrotts.

Lieferverzögerungen bei Solarpanels

Ähnliche Probleme gab es in den letzten Monaten auch mit Solarmodulen aus China. Volker Geywitz, Geschäftsführer von Krannich Solar Schweiz, einem Photovoltaik-Grosshändler, kämpfte mit Lieferverzögerungen von drei bis vier Monaten. Üblich wären Lieferfristen von zwei, drei Wochen: «Die chinesischen Hersteller haben zwar ihre Produktionskapazitäten ausgebaut, aber weil inzwischen über die Hälfte der Module in den chinesischen Heimmarkt gehen, haben andere Länder das Nachsehen.»

China will als Produzent von Solarenergie führend werden und fördert den Ausbau mit Milliardenkrediten und Subventionen. Das Land baut im grossen Stil Solarparks. Auch bei der Lieferung von Wechselrichtern und Speichersystemen gab es Verzögerungen.

Legende: Video Robert Alard über den Umgang mit chinesischen Unternehmen abspielen. Laufzeit 0:27 Minuten.
Vom 14.12.2017.

Robert Alard, Professor für Supply Chain Management an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW in Brugg, berät Schweizer Firmen im Umgang mit chinesischen Unternehmen.

Er betont, wie wichtig Beziehungspflege sei: «Das fällt unter den chinesischen Begriff des Guanxi: Ich versuche, mit einem Lieferanten auf persönlicher Ebene eine Beziehung herzustellen, mit dem Ziel, in der Prioritätenliste weiter nach oben zu kommen als Kunde. So dass ich, wenn es eskaliert, möglicherweise eine bessere Position habe als andere Kunden.»

Ausfall von Antibiotika-Wirkstoffen

Im Gesundheitsbereich ist die Abhängigkeit von China besonders heikel. Viele Wirkstoffe für die Antibiotika-Produktion kommen aus China – wegen der günstigen Produktion.

Im Herbst 2016 legte ein Brand bei einem wichtigen Wirkstoff-Fabrikanten die Produktion für ein Jahr lahm. Weil beide Antibiotika-Hersteller in der Schweiz den Wirkstoff von diesem Fabrikanten bezogen, konnten sie nicht mehr liefern.

Es fehlt nicht nur ein Produkt - plötzlich fehlt die ganze Palette.
Autor: Ueli HaudenschildBundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung

Laut Ueli Haudenschild vom Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung brachte das Schweizer Spitäler in eine schwierige Lage: «Das zieht einen ganzen Rattenschwanz nach sich: Es fehlt nicht nur ein Produkt, sondern das Ersatzprodukt und das Ersatzprodukt vom Ersatzprodukt auch. Und plötzlich fehlt die ganze Palette.»

Ueli Haudenschild wies die Spitäler an, restriktiv mit Antibiotika umzugehen. Eine solche Situation sei problematisch: «Das kann durchaus lebensgefährlich werden, weil nicht alle Antibiotika für alles eingesetzt werden können.»

Legende: Video China auf Einkaufstour in der Schweiz abspielen. Laufzeit 1:10 Minuten.
Vom 08.01.2018.

19 Kommentare

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  • Kommentar von Klaus Waldeck (kdwbz)
    Um diese Entwicklung noch zu beschleunigen werden sogenannte "Zusammenarbeitsverträge" mit China abgeschlossen, welche schlussendlich nur dazu führen das China ganz legal unsere "noch" selbständig funktionierenden Betriebe und das geistige Eigentum übernehmen kann. Die Chienesen sind halt um einige Stufen cleverer als unsere hiesigen kurzsichtigen "Wirtschafts ?"-Politiker und spekulativ veranlagten CEOS und Banker. Man kann einen Krieg auch ohne Waffen gewinnen ....
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Es kommt immer besser: jetzt wird unsere Wirtschaft von China abhängig. China über alles!!
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    1. Antwort von Heinz Hugentobler (hevrins)
      Ja Frau Zelger, da haben Sie Recht. Diese "verdammte" Abhängigkeit wird uns noch einige Unannehmlichkeiten bescheren. Kaufe ich irgendwo etwas ein, schaue nach wo was fabriziert wird, Made in China! und unsere eigenen Wirtschaftsverantwortlichen, unsere Politiker, was unternehmen sie dagegen? Wir sind eben abhängig. Jedoch müssen wir Konsumenten uns an der eigenen Nase nehmen, wir unterstützen ja all überall, nur damit man billig(er) einkaufen kann.
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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Die Schweiz soll China nachahmen: Die Nationalbank ersinkt in Euros, also sollen die mal 200 Milliarden in «strategische Unternehmen» investieren. Nebenbei vielleicht auch noch VW aufkaufen und für saubere Diesel sorgen. Danke! ;-)
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