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Reformen des Arbeitsmarkts Adecco vermittelt wieder mehr Stellen in Italien und Spanien

Das Beispiel von Adecco zeigt: Die früheren Krisenländer Spanien und Italien sind auf dem Weg der Erholung. Beide haben ihren Kündigungsschutz im Zug der Krise gelockert – der Grund für den Aufschwung?

Legende: Video Die Beschäftigung in Südeuropa nimmt wieder zu abspielen. Laufzeit 2:27 Minuten.
Aus Tagesschau vom 10.08.2017.

Sowohl Italien als auch Spanien kämpfen noch immer mit hoher Arbeitslosigkeit, doch die Lage verbessert sich. Das merkt auch Adecco, der weltweit grösste Personalvermittler. Der Schweizer Konzern konnte in diesem Quartal zum vierten Mal in Folge beim Umsatz und Gewinn zulegen, insbesondere in Italien und Spanien liefen die Geschäfte gut.

Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen den Arbeitsmarktreformen und dem Wachstum in Spanien und Italien.
Autor: Alain DehazeKonzernchef Adecco

Für die positiven Resultate in beiden Ländern sieht Konzernchef Alain Dehaze dieselbe Ursache: die Arbeitsmarktreformen. 2012 deregulierte Spanien den Arbeitsmarkt und lockerte unter anderem den Kündigungsschutz. 2014 zog Italien nach. Dehaze glaubt, dass diese Reformen nun Früchte tragen: «Wir sehen einen direkten Zusammenhang zwischen den Reformen von 2012 und 2014 und dem Wachstum, das wir heute in Spanien und Italien haben»

Macron weckt grosse Hoffnungen

Im Zug der Wirtschaftskrise litt besonders Spanien unter sehr hoher Arbeitslosigkeit, zuweilen waren 27 Prozent der Erwerbsbevölkerung ohne Arbeit. Unterdessen ist die Arbeitslosenquote auf 17 Prozent zurückgegangen.

Weil Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron jetzt auch den französischen Arbeitsmarkt reformieren will, hegt Alain Dehaze grosse Hoffnungen: «Dank dieser Reform werden lokale Unternehmen wieder in Frankreich investieren. Das ist wichtig für einen aktiven Arbeitsmarkt und dieser ist günstig für alle – natürlich auch für die Adecco Group». Frankreich ist traditionell einer von Adeccos grössten Märkten.

Konjunktur wichtiger als Arbeitsmarktreformen

Doch sind die Reformen allein für die verbesserte Beschäftigungslage in Italien und Spanien verantwortlich? David Dorn, Professor für internationalen Handel und Arbeitsmärkte an der Universität Zürich, relativiert: «Der Hauptgrund für die Reduktion der Arbeitslosigkeit ist die konjunkturelle Erholung in diesen Ländern, auch aufgrund der erhöhten Stabilität der Eurozone».

Dennoch würden auch die Arbeitsmarktreformen zur Verringerung der Arbeitslosigkeit beitragen: «Lange Zeit war es für Unternehmen sehr teuer, Arbeitnehmer zu entlassen. Deshalb haben sie nur zurückhaltend neue Arbeitsstellen geschaffen.». Dies habe sich inzwischen geändert, was den Arbeitsmarkt ankurble.

Adecco: Der Franzose im SMI

Kein SMI-Unternehmen ist französischer als Adecco. 22 Prozent des Umsatzes erzielt der weltweit grösste Stellenvermittler in Frankreich. Das hat historische Gründe: Der Konzern ist 1996 aus der Fusion der waadtländischen Adia und der französischen Ecco entstanden. Nur für Swiss LIfe ist Frankreich mit rund 20 Prozent Umsatzanteil ähnlich bedeutend.

3 Kommentare

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  • Kommentar von marc rist (mcrist)
    Hätte jetzt beispielsweise SEAT angekündigt, in den nächsten 2 Jahren 10'000 zusätzliche Arbeitskräfte zu benötigen, auf unbefristeter Basis wohlverstanden, könnte ich in den Jubel noch halbwegs einstimmen. Aber Temporärarbeitsverhältnisse, wie sie Adecco nach wie vor weitgehend im Sortiment hat, noch dazu oftmals auf Teilzeitbasis, sind kaum dazu angetan, die Stimmung nachhaltig zu heben.
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  • Kommentar von Geneviève Schmid (Geneviève)
    Danke für die Relativierung durch den befragten David Dorn am Ende des Artikels. Auch die Überschrift ist neutral formuliert, eine Wohltat. Entstehen dadurch evtl. weniger Klicks, da der Leser nicht so empört ist? Trotzdem - gerade in diesen Zeiten der massiven Kritik an der angeblichen "Lügenpresse" hoffe ich auf bewusste Konzentration und den Verweis auf sachliche Berichte (wie diesen) im SRF. Nur so ist eine starke Position bez. Anti-Billag-Initiativen möglich.
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Wohlgenährte, überreiche Firmenvertreter faseln da was von "Anstieg". Sieht man die Statistik mal an, sind das noch nicht mal Nuancen. Der einzige Anstieg ist wohl saisonal bedingt. Ausserdem sagt die Statistik nichts über Lohnsenkungen und Kündigungen aus. Was nutzt es einem Arbeiter, wenn er jederzeit grundlos den Job verlieren kann? Die Reichen schaufeln sich auf Kosten der hart arbeitenden Leute immer mehr Geld zu und tun auch noch so, als ob sie Sozial denken würden...
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