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Affäre um Trump-Anwalt Cohen Spuren führen auch in die Schweiz

Legende: Video Novartis’ schmierige Kontakte zu Michael Cohen abspielen. Laufzeit 04:52 Minuten.
Aus 10vor10 vom 09.05.2018.
  • Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat insgesamt fast 1,2 Millionen Dollar an die Strohfirma von Trump-Anwalt Michael Cohen gezahlt. Über sie waren auch die Zahlungen an Pornodarstellerin Stormy Daniels geflossen.
  • Novartis hatte sich von der Zusammenarbeit mit Cohens Firma Einblicke in die geplante Gesundheitspolitik der neuen US-Regierung erhofft.
  • Inzwischen hat der Pharmariese die Zusammenarbeit mit Cohens Essential
    Consultants beendet und bezeichnet sie heute als «Fehler».
Brustbild von Cohen mit Bodyguard im Hintergrund.
Legende: Kurz nach der Wahl von Trump soll ihm ein russischer Oligarch 500'000 Dollar bezahlt haben: Anwalt Michael Cohen. Keystone

Kurz nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hatte sich Novartis die Dienste von Trump-Anwalt Michael Cohen gesichert, um Einblick in die geplante Gesundheitspolitik der neuen Regierung zu erhalten, wie ein Novartis-Sprecher erklärt. Wenig später sei der Arzneimittelhersteller aus Basel aber zum Schluss gelangt, dass Cohen die erwartete Beratung nicht leisten könne.

Laut dem Sprecher hat Novartis deshalb auf einen weiteren Austausch verzichtet. Dennoch musste das Unternehmen für die Dauer eines Jahres wie vereinbart monatlich beinahe 100'000 Dollar an Cohens Firma Essential Consultants überweisen. Die Vereinbarung sei im Februar 2018 ausgelaufen und nicht mehr erneuert worden, so der Sprecher weiter.

Novartis sei im November 2017 vom Büro von Sonderermittler Robert Mueller im Zusammenhang mit Essential Consultants kontaktiert worden. Mueller untersucht mutmassliche Absprachen zwischen Russland und Trumps Wahlkampfteam 2016.

Über Cohens Strohfirma flossen kurz vor der US-Präsidentenwahl auch 130'000 Dollar an Pornodarstellerin Stormy Daniels. Sie gab an, das Geld sei als Schweigegeld geflossen, denn sie hatte nach eigener Darstellung eine längere Affäre mit Trump. Der US-Präsident weist das jedoch zurück.

Es scheint ein typisches Pay-to-Play Szenario zu sein, bei dem jemand Zugang zu einem nahestehenden Politiker verkauft – in diesem Fall zum US-Präsidenten.
Autor: Michael AvenattiAnwalt von Stormy Daniels

Dienstagnacht hatte Daniels Anwalt Michael Avenatti ein Dokument veröffentlicht, das Zahlungen vier bekannter Firmen an Essential Consultants auflistet, darunter Novartis. Avenatti vermutet Lobbying oder Bestechung als Grund, wie er gegenüber CNN sagte. «Es scheint ein typisches Pay-to-Play Szenario zu sein, bei dem jemand Zugang zu einem nahestehenden Politiker verkauft – in diesem Fall dem US-Präsidenten.»

Drei der vier Firmen, darunter Novartis, bestätigen, eine geschäftliche Verbindung mit Essential Consultants.

Verdächtige Zahlung von Vekselberg-Firma

Die Zahlungen der Investmentfirma Columbias Nova stellt Avenatti wegen ihrer Verbindungen zu Viktor Vekselberg als potentiell illegal dar. Der russische Oligarch hat die Firma gegründet, sein Cousin leitet sie. Die Zahlung einer laut Avenatti halben Million Dollar erscheint im Licht der mutmasslichen Einmischung Russlands in die US-Präsidentschaftswahl als heikel.

Die grosse Frage ist, wie die Gegenleistungen Cohens aussahen und wie nahe er Trump im Jahr 2017 stand, als der Löwenanteil der Zahlungen erfolgten. Er selber trat während des Wahlkampfs oft als Trump-Vermarkter in den Medien auf. Gegenüber Fox News erklärte er kurz vor Trumps Amtseinsetzung, er bleibe der persönliche Anwalt des Präsidenten.

Daniels spricht aufgebracht in Medien-Mikrofone.
Legende: Wenige Tage vor der Präsidentenwahl 130'000 Dollar von Trump-Anwalt Cohen erhalten: Pornodarstellerin Stormy Daniels, hier mit ihrem Anwalt Michael Avenatti. Keystone

Trumps Distanzierung von Cohen

Im Zusammenhang mit den Schweigegeld-Zahlungen an Daniels, die von demselben Konto erfolgten, distanzierte sich Trump kürzlich von seinem Anwalt. «Er erledigte nur einen winzigen Teil meiner juristischen Geschäfte, zum Beispiel im verrückten Stormy-Daniels-Fall. Aber Wahlkampfgelder waren da nicht involviert. Er hat andere Geschäfte, und die untersuchen sie, und ich hoffe er ist in guter Verfassung», sagte Trump gegenüber Fox News.

Gegen Cohen ermittelt nicht nur Mueller, sondern auch die New Yorker Staatsanwaltschaft. Eine Klage ist bisher nicht erfolgt. Ob die Geschäftstätigkeit und Geldflüsse illegal gewesen sind, ist Gegenstand dieser Untersuchungen.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Joel Busch (Joel)
    Wirkt alles recht sumpfig dafür dass "drain the Swamp" doch so schön als Motto hergehalten hat.
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Was man selber klar durchschauen kann, gilt eben nicht als Sumpf. - Wäre ganz neu, wenn sich regierende Kreise sich plötzlich freiwillig ins eigene Knie schiessen würden. Die USA sind nur ein offenes Beispiel für diese heute gängige Praxis.
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  • Kommentar von Rudolf Baumberger (R.Baumberger)
    Saubere Weste wie anno Meisterpropper,Ajax,Omo,Ariel,Nestlè etc, Werbespots.Damals herrschte solidarische ($$ in my Eye) Berichterstattung Unterlassung wegen den Werbeeinnahme-Ausfällen der Auftragserteilenden Konzerne etc,. SRG(SRF)War damals schon ein Komerzieller Sender ?! Was sonst. Weshalb genau fehlt z.B. ein Grundlegende Agenda zu Fernsehkonsum Einschaltquoten Auswertung etc.Oder die alten wahrscheinlich im Archiv existierenden Berichte z.B.Palmkernöl Produktion usw. Schlaf Kindlein Schaf
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Ganz einfach: Weil das hier nichts zu suchen hat und nichts zum Sachverhalt beiträgt. - srf setzt sich durchaus auch kritisch mit den Firmen auseinander, die Werbeeinnahmen sicherstellen, und dies sowohl in bestimmten Sendeformaten wie "eco" oder "Rundschau" als auch in Artikeln hier im Forum. Aber um das zu erkennen muss man sich mit diesen Formaten auseinandersetzen und die eigenen Scheuklappen und den Tunnelblick ablegen.
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  • Kommentar von Sebastian Demlgruber (SeDem)
    «Es scheint ein typisches Pay-to-Play Szenario zu sein, bei dem jemand Zugang zu einem nahestehenden Politiker verkauft – in diesem Fall dem US-Präsidenten.» Und warum nochmal ist das jetzt noch keine Korruption, Novartis?
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Was man mit "Sicherung von Arbeitsplätzen", "grosser Steuerzahler" und ähnlichen vergänglichen Floskeln begründen kann, gilt als wirtschaftsfreundliches und nicht als korruptes Verhalten. Letztlich zeigt sich hier die Unschärfe und unmittelbare Nähe dieser Begriffe; dessen sollte man sich auch als Leser/Zuhörer endlich einmal bewusst werden.
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