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Aggressiver Pilz Der schleichende Tod der Banane

Legende: Video Der Fluch der Monokulturen: Die Banane stirbt aus abspielen. Laufzeit 8:31 Minuten.
Aus Kassensturz vom 09.01.2018.
  • Die meist gegessene Frucht der Welt ist vom Aussterben bedroht.
  • Kommerziell produzierte Bananen sind alle von der gleichen Sorte, der «Cavendish».
  • Ein Pilz verbreitet sich weltweit in den Monokulturen, infiziert Stauden und vernichtet ganze Plantagen.
  • Wissenschaftler suchen nach einer neuen, resistenten Bananen-Sorte.

Maricar Salacinas kämpft gegen einen übermächtigen Feind. Die philippinische Mikrobiologin versucht auf der Insel Mindanao mit Plastikfolien einen Pilz einzudämmen, der Bananenplantagen weltweit bedroht. Sie breitet die Folien auf dem Boden aus.

Das Plastik soll dem Pilz im Boden die Luftzufuhr abschneiden, sagt Maricar Salacinas: «Der Pilz TR4 sitzt in der Erde. Er befällt die Pflanze in der Wurzel und wandert den Stamm hinauf. Dort verhindert er, dass die Pflanze mit Wasser versorgt wird.»

Milliarden identischer Klone

Die Bauern versuchen es mit mehr und mehr Chemie. Doch Pestizide kommen dem Pilz nicht bei. Auch das Abfackeln von Sägemehl am Boden nützt nichts. Die Pilzsporen überleben die Hitze. «Selbst 50 Jahre nach dem Tod der Bananenpflanze kann TR4 noch leben und neue Bananenpflanzen besiedeln», so Maricar Salacinas.

TR4 ist der Schrecken der Industrie. Denn: Was eine Banane krank macht, macht alle krank. Der Grund ist die Vermehrung der essbaren Bananen ohne Samen. Stauden bilden Schösslinge aus mit identischen Genen, Klone also. Auf den Plantagen weltweit stehen Milliarden identischer Zwillinge derselben Bananen-Sorte – der Sorte Cavendish.

Unaufhaltsam ausgebreitet

Wissenschaftler haben die Seuche 1990 erstmals in Asien nachgewiesen. Danach in Australien, Arabien und Afrika. Inzwischen hat TR4 Plantagen in zehn Ländern befallen. Derzeit sind die Herkunftsgebiete der in der Schweiz verkauften Bananen in Lateinamerika noch nicht betroffen.

Legende:
Obstkonsum Die Statistik zeigt den Pro-Kopf-Konsum von Obst in der Schweiz 2015 in Kilogramm. Neben Zitrusfrüchten und Äpfeln zählen die Bananen zu den beliebtesten Früchten. Bundesamt für Statistik

Die Ausbreitung bei der Cavendish-Banane weckt jedoch böse Erinnerungen an die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Damals beherrschte die Sorte Gros Michel den Bananenhandel im Westen. Bis ein enger Verwandter des Pilzes TR4 die Plantagen befiel und sich unaufhaltsam ausbreitete.

400 Millionen Menschen betroffen

Ursprung war damals Panama – Deshalb nennt man den Pilzbefall salopp auch «Panama-Krankheit». Anfang der 60er-Jahre war die Sorte Gros Michel für den Handel nicht mehr brauchbar. Ersetzt wurde sie durch eine neuen Einheitssorte, der Cavendish-Banane, die heute von einer neuen Variante der Panama-Krankheit bedroht ist.

Die Welternährungsorganisation FAO warnt vor enormen und bedrohlichen Konsequenzen, wenn sich die Panama-Krankheit weiter ausbreitet. 400 Millionen Menschen weltweit sind von der Banane als Einkommensquelle oder als Grundnahrungsmittel abhängig. Deshalb hat sie ein globales Programm zur Eindämmung der Pilzseuche ins Leben gerufen.

Suche nach neuen Bananen

Schon heute suchen Wissenschaftler rund um den Globus nach neuen, resistenten Sorten. Es gibt zwar rund 1500 Bananen-Sorten weltweit. Trotzdem ist die Suche nach einer neuen, handelbaren Banane sehr schwierig, erklärt Harold Meijer von der niederländischen Universität Wageningen.

«Es gibt Bananen die sind resistent gegen TR4, aber das sind keine essbaren Sorten. Oder sie lassen sich nicht gut transportieren, reifen nicht gut oder sehen nicht wie gewünscht aus. Eine Banane zu finden, die all diese Kriterien erfüllt. Das dauert lange», so der Forscher.

Sortenvielfalt statt Einheitssorte

Forscher in Taiwan haben erste Erfolge vermeldet mit einer Mutation der Cavendish-Banane. Zugleich müsse sich die Industrie aber umstellen. Monokulturen bleiben anfällig für Krankheiten. Deshalb plädieren die Forscher auch für ein Umdenken auf den Plantagen der Zukunft: Sortenvielfalt statt Einheitssorte.

Archivperle: Der Film «Journey to Banana Land» aus dem Jahre 1950 zeigt anhand von animierten Diagrammen und Fotografien die wichtigsten Phasen der Bananenkultur:

Pestizide in Bananen

Pestizide in Bananen

«Kassensturz» hat den Pestizidgehalt der beliebtesten Bananen getestet. Erfahren Sie hier mehr über die Testergebnisse.

22 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    es darf nichts kosten,muss schoen aussehen und erst noch gut schmecken, sollte langlebig sein .. und dafuer brauchts Standarts.. Meine Bananen bekommen etwas Standartduenger + Kalium, gespritzt wird nicht .. aber es sind kleine wilde und sehr gut schmeckende Bananen ohne Namen und ohne Krankheiten.. und machen trotzdem jedes Jahr ihre neue Staude und bilden ein Frucht-Buendel.. nicht soo reich wie die Hybriden.. aber genug.. Aber verkaufen.. die will niemand..! So bleibt mir genug!
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  • Kommentar von Michel Koller (Mica)
    Monokultur auf die Spitze getrieben und das Resultat war eigentlich absehbar. Die genetische Vielfalt ist wichtig für das längerfristige Überleben.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Es gibt ganz viele andere Geschichten, die sind halt nicht so laut. Viele, viele Menschen, die sich aufmachen und bereits aufgemacht haben, um die Entfremdung mit der Um-Mitwelt, mit unser einer Selbst nicht mehr zuzulassen. Oft unspektakulär im kleinen Gewöhnlichen oder in großen Bewegungen. Jedes kostbare materielle oder gedankliche Saatgut, das da Menschen sorgfältig sammeln und weitergeben ist Zeugnis, dieses Willens, eine andere Geschichte zu schreiben..
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