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Airline-Chefs gegen Alitalia «Wäre ich Steuerzahler in Italien, wäre ich sehr verärgert»

Alitalia fliegt dank staatlichen Geldern vorerst weiter. Die Geschäftsführer der drei führenden Airlines in Europa stören sich an den Subventionen – nicht nur aus Italien.

Alitalia-Banner an einem Flughafen
Legende: Dank 900 Millionen Euro aus Rom bleibt Alitalia noch im Geschäft. Keystone

Die Insolvenzen in der Luftfahrt häufen sich. Prominentestes Beispiel in diesem Jahr ist Alitalia. Damit der Flugbetrieb weitergehen kann, sprach die italienische Regierung der maroden Airline Kredite über 900 Millionen Euro zu.

Die staatliche Unterstützung stösst der Konkurrenz sauer auf. Bei Lufthansa Group, IAG (British Airways und Iberia) und Air France/KLM ist man sich einig: Die Geschäftsführer der drei grössten europäischen Fluggesellschaften lehnen Subventionen entschieden ab.

Es dürfte keine Subventionen geben!
Autor: Carsten SpohrGeschäftsführer Lufthansa

Keine Unterstützung für scheiternde Airlines

Diese seien in einem freien Markt nicht zulässig, meint Lufthansa-Geschäftsführer Carsten Spohr. «Der Luftverkehr wurde in Europa vor vielen Jahren privatisiert. Deswegen dürfte es keine Subventionen geben!» Ohnehin seien staatliche Zuschüsse nicht nachhaltig: sie verzögern nur notwendige Restrukturierungen, anstatt sie zu verhindern, so Spohr.

Die drei grössten europäischen Fluggesellschaften

Lufthansa Group
674 Flugzeuge*
Air France/KLM
555 Flugzeuge
IAG (British Airways/Iberia)
549 Flugzeuge
*dazu kommen voraussichtlich 80 Flugzeuge von Air Berlin

Willie Walsh ist einverstanden. An der Spitze von IAG (International Airlines Group) leitet er die Geschäfte von British Airways und Iberia. Walsh lehnt staatliche Unterstützung für scheiternde Airlines vehement ab. «Wäre ich Steuerzahler in Italien, wäre ich sehr verärgert darüber, wie Gelder für Alitalia ausgegeben werden. Ich denke nicht, dass der Steuerzahler dieses Geld wiedersieht.»

Ich denke nicht, dass der Steuerzahler dieses Geld wieder sieht.
Autor: Willie WalshGeschäftsführer International Airlines Group (IAG)

Wenn unprofitable Airlines scheitern, ebne dies den Markt für gesunde Gesellschaften, welche bessere Dienste leisten und mehr Steuern zahlen.

Staatliche Konkurrenz aus dem Golf

Auch Jean-Marc Janaillac wünscht sich als Geschäftsführer von Air France/KLM mehr Wettbewerb. Sein Blick richtet sich allerdings nicht nur auf die italienische Regierung, sondern besonders auf die Konkurrenten aus den Golf-Staaten – Staatsunternehmen wie Etihad oder Qatar Airways: «Wir verlangen von Europa, dass wir gerade in Anbetracht der Golf-Airlines eine echte Konkurrenz schaffen können. Ohne Firmen, die von ihrem Staat getragen werden.»

Gelder von Etihad haben auch lange die kriselnden Fluggesellschaften Alitalia und Air Berlin aufrechterhalten, schlussendlich ohne Erfolg.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von ueli hofer (refoh,parteifrei)
    Ich bin zwar Steuerzahler in der Schweiz. Verärgert bin ich dennoch - weil die olympischen Winterspiele mit bis zu einer Milliarde aus Steuergeldern unterstützt werden soll!
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  • Kommentar von Verena Casagrande (Verena Casagrande)
    Für die Swiss hatte man kein Steuer-Franken. Ich frage mich nur hätte dieser Steuerfranken heute sich nicht gelohnt ?
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Von wegen! Die Swissair war ja bankrott und die gesamte Swiss wurde ja aus diesem Haufen mittels Steuergeldern aus der Taufe gehoben! Danach wurde sie für etwa 1/4 dieses "investierten Geldes" verkauft. Ein komplettes Verlustgeschäft.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Ich bin auch gegen Subventionen. Also keine Staatshilfen mehr für Lufthansa, KLM, Airbus, DHL (inkl. Deutsche Post), DB (inkl. Schenker), Siemens, die ganze Windenergiebranche, die Automobilindustrie (VW, Renault, PSA, Damiler, BMW, Audi), die Wehrtechnik (Renault, Rheinmetall, Rolls-Royce, BAE-Systems) etc. etc. Gerade Deutschland würde ohne Subventionen in eine massive Wirtschaftskrise fahren. Von wegen "Exportweltmeister": Eher Subventionsweltmeister!
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