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Alstom und Siemens fusionieren «Stadler Rail könnte unter Druck geraten»

Unter der «Fusion unter Starken» könnte am Ende der Schweizer Konkurrent leiden, sagt SRF-Wirtschaftsredaktor Massimo Agostinis.

Massimo Agostinis
Legende: Der ehemalige Italien-Korrespondent ist seit 2015 für die Wirtschaftsredaktion von Radio SRF tätig. SRF

SRF News: Die französische Alstom und die deutsche Siemens schliessen sich zum zweitgrössten Zugbauer der Welt zusammen – als Absicherung gegenüber China. Wie stark ist dieser chinesische Konkurrent CRRC?

Massimo Agostinis: CRRC ist innerhalb von sehr kurzer Zeit sehr gross geworden. Es waren zwei separate Zugbauer in China, die vor zwei Jahren fusionierten. Dieser riesige Konzern, der auch jetzt, wenn Siemens und Alstom zusammengehen, immer noch doppelt so viel Umsatz macht. CRRC blickt auf einen riesigen Heimmarkt: China hat das grösste Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt, 20'000 Kilometer. Die Nachfrage nach den eigenen Hochgeschwindigkeitszügen ist also schon alleine deshalb sehr gross.

China hat das grösste Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt. Die Nachfrage nach den eigenen Zügen ist also schon alleine deshalb sehr gross.

Hinzu kommt, dass die chinesische Regierung das Unternehmen pusht – auch in seiner Auslandsstrategie. Der Konzern erhalte, so heisst es, vergünstigte Kredite aus Peking. Damit kann das Unternehmen auf dem Weltmarkt mit ungleich längeren Spiessen kämpfen als die europäische Konkurrenz. Zudem ist das Unternehmen nun auf dem europäischen Markt aufgetreten und konnte hier Erfolge verbuchen mit ersten Aufträgen.

Welche Aufträge haben die Chinesen in Europa schon ergattert?

Bisher noch keine für Hochgeschwindigkeitszüge. Aber für Tschechien kann CRRC eine Stadtbahn bauen. Und in Bulgarien hat das Unternehmen sehr viel Geld in die Hand genommen – man spricht von 300 Millionen, um das dortige Bahnnetz auf Vordermann zu bringen, damit es die Züge aus China kaufen kann.

Alstom- und Siemens-Schild
Legende: Erste Bestellungen abgeschlossen: China zielt auch auf Europas Schienen. Keystone

Was bedeutet denn diese Fusion für den Schweizer Zugbauer Stadler Rail?

Dort hat man sich bisher noch sehr bedeckt gehalten. Firmenchef Peter Spuhler weile im Ausland, man könne noch nicht abschätzen, was das Ganze für das eigene Unternehmen genau bedeute. Klar ist: Stadler Rail ist nicht mehr der kleine Nischenanbieter, wie vor ein paar Jahren. Stadler Rail ist grösser geworden und in Bereiche vorgestossen, in denen die Grossen schon sind. Es ist also durchaus möglich, dass Stadler Rail durch diese Fusion unter Druck kommt.

Fusionen bedeuten meist einen Stellenabbau. Wie haben die Gewerkschaften in Frankreich und Deutschland auf diese Ankündigung reagiert?

Die Deutschen reagieren optimistischer. Sie sagen, es sei eine Chance, wenn Siemens und Alstom zusammengehen. Dann sei man stärker gegenüber der chinesischen Konkurrenz. In Frankreich dominiert noch eher die Angst vor Technologietransfer, respektive die Angst davor, dass Technologie aus Frankreich nach Deutschland gehen könnte. Man hat etwas vorgesorgt: Es gibt eine Arbeitsplatzgarantie für vier Jahre, die Alstom-Werke dürfen vier Jahre lang nicht angetastet werden.

Das heisst, Siemens und Alstom geht es gut, diese Fusion kommt nicht aus einer Not?

Nein, es geht den Bahnsparten der beiden Unternehmen gut – sehr gut sogar. Es ist deshalb, wie die beiden Konzernchefs betont haben, eine «Fusion unter Starken». Aber man hat den chinesischen Konkurrenten im Nacken, und man rüstet sich lieber jetzt, solange man noch stark ist.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

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